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Unwetter in Deutschland Schwere Sturmflut in Hamburg – Baukran stürzt in Bremen um

In Bremen ist ein 55 Meter hoher Baukran auf den Rohbau eines Bürogebäudes gekracht. 
In Bremen ist ein 55 Meter hoher Baukran auf den Rohbau eines Bürogebäudes gekracht. 
© Jörn Hüneke
Nachdem Orkantief "Ylenia" am Donnerstag für reichlich Chaos in Deutschland gesorgt hat, fegt "Zeynep" über Deutschland. Die neuesten Entwicklungen im stern-Ticker.

Inhaltsverzeichnis

Nach dem Durchzug von Orkantief "Ylenia" rüstet sich Deutschland für den nächsten heftigen Wintersturm: Ab Freitagnachmittag soll Orkantief "Zeynep" mit womöglich noch stärkeren Böen vor allem die Nordhälfte des Landes treffen. Der Deutsche Wetterdienst erwartete Windgeschwindigkeiten von hundert bis 140 Stundenkilometern und gab am Freitag bereits praktisch flächendeckende Unwetterwarnungen für alle Gebiete nördlich einer ungefähren Linie auf der Höhe von Düsseldorf bis Dresden heraus.

Die Warnungen galten demnach für die Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin. Dazu kamen große Teile Nordrhein-Westfalens, weite Teile von Sachsen-Anhalt und Sachsen, Regionen in Hessen sowie in höheren Lagen etwa in Thüringen. Für die Nordseeküste in Schleswig-Holstein und Niedersachsen gab der Wetterdienst wegen Böen mit bis zu 140 Stundenkilometern sogar eine Warnung vor extremem Unwetter heraus.

Interaktive Karte: Hier ist der Sturm am stärksten:

Die untenstehende interaktive Karte zeigt, wo es gerade besonders stürmisch ist. Darüber hinaus kann man über den Zeitstrahl unten in der Grafik die Vorhersage für einen späteren Zeitpunkt abrufen. Oben rechts kann die dargestellte Ebene auf beispielsweise Regen oder Schnee umgestellt werden. 

Alle Entwicklungen und Nachrichten zum Orkantief "Zeynep" hier im stern-Ticker: 

11.08 Uhr: Sandstrand in Langeoog fast komplett weggespült

Das Sturmtief "Zeynep" hat auf der ostfriesischen Insel Langeoog auch den Sandstrand beschädigt. "In Teilen ist gar kein Strand mehr da, die Abbruchkante geht bis zu den Dünen", sagte Inselbürgermeisterin Heike Horn am Samstag. Zum Ausmaß des Schadens könne sie aber nichts sagen. Das müsse der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) beurteilen, sagte Horn.

Menschen seien in der Sturmnacht auf ihrer Insel ihrer Kenntnis nach nicht verletzt worden, sagte Horn. Es seien aber Bäume entwurzelt worden, viele Zäune durch die Gegend geflogen und Vordächer beschädigt worden, die von den Hausbesitzern fixiert werden mussten.

09.33 Uhr: Wetterdienst hebt Warnung vor Orkanböen bundesweit auf

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat am Samstagmorgen alle Warnungen vor Orkanböen aufgehoben. Es werde aber weiterhin vor Sturmböen und schweren Sturmböen in der Nordhälfte Deutschlands gewarnt, teilte der DWD mit.

Orkanböen sind Böen mit einer Geschwindigkeit ab 120 Kilometern pro Stunde. In Büsum (Schleswig-Holstein) an der Nordsee hatte der DWD am Freitagabend während Orkan "Zeynep" eine Böe mit 143,3 Kilometern pro Stunde gemessen.

8.49 Uhr: Kupferplatte von Kirche schlägt in Haus ein

Eine rund 80 Kilogramm schwere Kupferplatte ist während des Sturms in Gronau bei Hildesheim von einem Kirchturm weggeweht worden und etwa 80 Meter weiter in ein Haus eingeschlagen. Weitere, etwa drei Mal drei Meter große Platten, drohten weiterhin abzubrechen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Samstagmorgen. Die Feuerwehr sperrte die Altstadt in der Umgebung ab und bat die Anwohner, sich in Sicherheit zu begeben. Momentan gehe es um das Absichern. "Da oben in rund 50 Metern Höhe können wir schlecht arbeiten", so der Sprecher. Ein Fachberater soll sich den Schaden anschauen. Erst dann werde man weitere Schritte einleiten.

8.01 Uhr: Strand der Insel Wangerooge fast komplett weggespült

Die Nordseeinsel Wangerooge hat im Sturm etwa 90 Prozent ihres Badestrandes eingebüßt. "Auf einer Länge von einem Kilometer gibt es kaum noch Sand", sagte Wangerooges Inselbürgermeister Marcel Fangohr am Samstagmorgen. Die Schutzdünen vor dem Trinkwasserschutzgebiet hätten kein Deckwerk mehr, dies müsse wie der Strand neu aufgeschüttet werden. Dennoch sei der Sturm glimpflich ausgegangen, das Orkantief "Zeynep" habe keine schweren Schäden verursacht.

Mindestens sechs Wochen werde es dauern, den Strand wieder aufzuschütten, sagte Fangohr. Der Sand dafür komme von einer Sandbank vor der Insel. Schon nach den vergangenen Stürmen seien etwa 60 Prozent des Strandes weggespült worden, nun sei stellenweise überhaupt kein Sand mehr da.

6.55 Uhr: Sturmflut spült Autos in Hamburg weg

Infolge des Sturmtiefs "Zeynep" hat Hamburg eine schwere Sturmflut erreicht. Am Pegel St. Pauli wurden Samstagfrüh 3,75 Meter über dem mittleren Hochwasser gemessen, wie es vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hieß. Ab einem Pegel von 3,50 Meter wäre es ein sehr schwere Sturmflut gewesen, der Wasserstand begann aber bereits zu sinken. Wegen des Hochwassers trieben im Bereich der Hamburger Hafencity mehrere Autos in dem über die Ufer getriebenen Elbwasser, wie die Hamburger Feuerwehr im Onlinedienst Twitter mitteilte. Einsatzkräfte hätten mit einem Schlauchboot zwei Menschen aus einem Fahrzeug gerettet. Sie seien rettungsdienstlich versorgt und dann in ein Krankenhaus gebracht worden.

Bis 06.00 Uhr absolvierte die Hamburger Feuerwehr nach eigenen Angaben 654 wetterbedingte Einsätze. Großteils sei es dabei um umgestürzte Bäume oder Äste, die herabzufallen drohten, gegangen. Auch wegen umgestürzter Zäune, Fahnenmasten oder Werbeplakaten wie auch wegen Schäden an Dächern und Fassaden musste die Feuerwehr ausrücken. Mehrfach musste sie Bäume entfernen, die auf Gleise der U- und S-Bahn gestürzt waren. Verletzte gab es nach aktuellem Stand nicht.

6.20 Uhr: 55 Meter hohe Baukran stürzt in Bremen ein

Ein 55 Meter großer Baukran ist während des Sturmtiefs "Zeynep" in Bremen eingestürzt. Der Kran sei dabei in der Nacht auf den Samstag in ein im Rohbau befindliches Bürogebäude gekracht, sagte ein Feuerwehrsprecher. "Es sieht verheerend aus" so der Sprecher. Auch ein gerade vorbeifahrender Laster sei von dem Kran erwischt worden. Der Fahrer sei unverletzt geblieben. Ein weiterer 90 Meter hoher Kran wurde nicht beschädigt. Die Trümmerteile blockieren nun die umliegenden Straßen. Die Beseitigung des Krans werde noch bis zum Anfang der kommenden Woche dauern. Zur Schadenshöhe konnte die Polizei keine Angaben machen.

4.33 Uhr: Rheinbrücke Emmerich wegen Sturmschäden gesperrt

Die Rheinbrücke Emmerich ist bis auf Weiteres gesperrt. Grund dafür seien umgestürzte Gerüstteile, die in die Fahrbahn ragen, teilte die Polizei am frühen Samstagmorgen mit. Die Begutachtung des Schadensausmaßes durch Sturm "Zeynep" sei demnach für diesen Samstag bei Tageslicht geplant. Danach werde über das weitere Vorgehen entschieden. Die Polizei bat betroffene Verkehrsteilnehmer, auf die weiterhin frei befahrbare Rheinbrücke Rees-Kalkar auszuweichen.

+++ Meldungen von Freitag, 18. Februar 2022 +++

23.53 Uhr: Zwei Tote bei Verkehrsunfällen in Nordrhein-Westfalen

Bei Verkehrsunfällen während des Durchzugs von Sturmtief "Zeynep" sind im Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen am Freitagabend zwei Autofahrer ums Leben gekommen. Auf der Bundesstraße 54 bei Altenberge prallte ein Wagen gegen einen quer auf der Fahrbahn liegenden Baum, der während des Sturms umgestürzt war, wie ein Polizeisprecher am Abend mitteilte. Der 56-jährige Fahrer wurde im Auto eingeklemmt und reagierte den Angaben zufolge nicht auf Ansprachen. Er starb demnach noch am Unfallort.

Die Bundesstraße 54 soll laut Polizei wegen weiterer umgestürzter Bäume bis mindestens Samstag 8.00 Uhr gesperrt bleiben. Zuvor hatte der WDR darüber berichtet.

Etwa zur selben Zeit war ein Mann mit seinem Wagen in Saerbeck unterwegs, als das Fahrzeug sich nach Angaben der Polizei überschlug. Der 33-Jährige sei am Unfallort gestorben. Die Ursache des Unfalls war zunächst unklar, vermutlich sei das Auto von einer Windböe erfasst worden, sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Abend.

23.15 Uhr: Bahnreisende müssen weiter mit Einschränkungen rechnen

Bahnreisende in Deutschland müssen wegen der Auswirkungen von "Zeynep" auch am Samstag noch mit Einschränkungen rechnen. Im Norden Deutschlands war der Zugverkehr am Freitag bis mindestens zum Betriebsschluss eingestellt worden. Bevor der Verkehr wieder aufgenommen werden könne, seien erst "umfangreiche Erkundungsfahrten" nötig, teilte die Deutsche Bahn am Abend mit.

Eine Übersicht über eventuelle Schäden hatte die Bahn am Freitagabend noch nicht. Der Sturm sollte laut Deutschem Wetterdienst erst in der zweiten Nachthälfte allmählich abflauen.

23.11 Uhr: Vier Verletzte durch umstürzende Bäume in Hessen

Bei zwei Autounfällen wegen umgestürzter Bäume sind im hessischen Lahn-Dill-Kreis vier Menschen verletzt worden. Das teilte eine Sprecherin des Kreisausschusses mit. Der erste Unfall ereignete sich demnach auf der Landstraße 3451 bei Braunfels. Hier habe die Feuerwehr die beiden eingeschlossenen Fahrzeuginsassen befreien müssen, hieß es. Ein weiterer Baum sei zwischen Hüttenberg-Weidenhausen und Wetzlar auf einen Wagen gestürzt. Auch hier wurden demnach zwei Menschen im Auto eingeschlossen.

22.57 Uhr: AKN hat Zug-Betrieb eingestellt

Im Norden Deutschlands hat die AKN Eisenbahn GmbH (AKN) ihren Betrieb wegen des Sturms auf den Linien A1, A2 und A3 eingestellt. Betroffen seien die Strecken Neumünster - Hamburg-Hauptbahnhof, Ulzburg Süd - Norderstedt Mitte und Elmshorn - Ulzburg Süd, teilte die AKN mit. Wann der Betrieb wieder aufgenommen werde, sei unklar.

Außerdem wurden zunächst am Abend zwei S-Bahn-Strecken in Hamburg gesperrt. Umgestürzte Bäume behinderten den Verkehr. Dann schränkte die S-Bahn in der Stadt ihren weiteren Betrieb wegen der extremen Wetterlage massiv ein.

22.46 Uhr: Zahlreiche Bäume in Sachsen-Anhalt entwurzelt

"Zeynep" hat Sachsen-Anhalt am Abend mit großer Wucht erreicht. "Es stürmt ordentlich. Die Feuerwehr ist zahlreich im Einsatz", sagte ein Sprecher der Polizeiinspektion in Stendal. Der Sturm habe vielerorts Bäume umstürzen lassen. Es habe auch einige Unfälle deswegen gegeben. Verletzte wurden zunächst aber nicht gemeldet. Laut Deutschem Wetterdienst traf das Orkantief vor allem die Nordhälfte Deutschlands.

22.20 Uhr: Zahl der Rettungseinsätze wegen des Sturms nimmt im Norden zu

Die Zahl der sturmbedingten Rettungseinsätze der Feuerwehr im Norden Deutschlands nimmt zu. Die kooperative Regionalleitstelle West in Elmshorn in Schleswig-Holstein meldete zwischen 18.00 und 21.00 Uhr bereits 130 Einsätze. Derzeit klingele das Telefon alle zwei Minuten, twitterte die Leitstelle am Abend. Die Feuerwehr Hamburg verwies auf 103 Einsätze seit 17.00 Uhr und die Integrierte Regionalleitstelle Süd in Bad Oldesloe verzeichnete 110 Einsätze.

21.41 Uhr: Polizei evakuiert Gebiete in Bremen

Am Freitagabend sind mehrere Gebiete in Bremen evakuiert werden. Es bestehe Überschwemmungsgefahr, teilte die Polizei mit. Die Bereiche Pauliner Marsch, Stadtwerder und Rablinghauser Deich würden daher evakuiert. Die Menschen wurden demnach per Lautsprecherdurchsage aufgefordert, die Gegend zu verlassen und zu meiden. Es handele sich überwiegend um Kleingartenanlagen. 

21.29 Uhr: Berliner Feuerwehr ruft wegen Sturms wieder Ausnahmezustand aus

Wegen des Sturms hat die Berliner Feuerwehr am Abend erneut den Ausnahmezustand ausgerufen. Nach Angaben eines Sprechers gab es seit 20.00 Uhr 68 Einsätze. "Viele Dinge, die nicht gesichert sind, fliegen jetzt durch die Gegend, etwa an Baustellen", hieß es. Ausnahmezustand bedeutet in diesem Fall, dass so viele Alarmrufe eingehen, dass sie nicht mehr - wie sonst üblich - nacheinander abgearbeitet werden können, sondern andere Prioritäten gesetzt werden. Das kommt häufiger vor.

Die Feuerwehr in der Hauptstadt hatte bereits in der Nacht zu Donnerstag und dann am Donnerstagvormittag den Ausnahmezustand ausgerufen. Binnen 24 Stunden hatte es demnach mehr als 1360 wetterbedingte Einsätze gegeben.

21.16 Uhr: Zahl der Sturm-Toten in England steigt auf drei

Durch das über Europa ziehende Orkantief sind in England am Freitag mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Im Norden Londons starb nach Angaben der Polizei eine junge Frau in einem Auto, nachdem ein Baum auf das Fahrzeug gestürzt war. Im Nordwesten Englands kam der örtlichen Polizei zufolge ein Mann ums Leben, nachdem Trümmerteile auf die Windschutzscheibe seines Fahrzeugs gefallen waren. Auch im Südosten des Landes starb ein junger Mann, genauso wie ein älterer Mann in Irland, der durch einen Baum erschlagen wurde.

21.03 Uhr: Baukran droht umzukippen – Häuser in Aurich evakuiert

Weil ein Baukran in Aurich in Ostfriesland umzukippen drohte, sind dort am Freitagabend zwei Einfamilienhäuser evakuiert worden. "Er drehte und neigte sich erheblich, wir mussten auch die Baufirma hinzuziehen", sagte ein Feuerwehrsprecher. Details zur Lage vor Ort nannte er zunächst nicht.

Wegen des heftigen Sturms seien bis zum Abend im Kreis Aurich rund 70 Einsätze zu verzeichnen gewesen. Im Kreis Leer gab es mehr als 100 Einsätze, wie es hieß.

Bäume seien auf Häuser gestürzt. Eine Eiche krachte in Aurich in ein Haus. Carports und Dächer mussten von den Einsatzkräften gesichert werden, sie drohten abzuwehen. Beim Technischen Hilfswerk (THW) in der Region im Nordwesten Niedersachsens herrschte Voralarm wegen des Orkans "Zeynep".

20.50 Uhr: Berliner Feuerwehr bereitet sich auf stürmische Nacht vor

In der Hauptstadt stellt sich die Feuerwehr auf die zweite heftige Sturmnacht in rascher Folge ein. "Wir sind in intensiven Vorbereitungen auf die vor uns liegende Nacht", sagte der Berliner Landesbranddirektor Karsten Homrighausen am Freitagabend in der RBB-Abendschau.

Nur einen Tag nach dem Sturm vom Donnerstag stehen die Berliner Feuerwehrleute damit vor einer neuen Herausforderung, nachdem der einsatzstärkste Tag der vergangenen zehn Jahre hinter ihnen liegt, wie Homrighausen sagte. Insgesamt seien fast 2700 Einsätze am Donnerstag von 0.00 bis 24.00 Uhr bewältigt worden, so der Landesbranddirektor. "Das übertrifft sogar die Lagen, die wir Silvester hier in der Stadt vor der Corona-Pandemie hatten."

Der Deutsche Wetterdienst rechnete damit, dass der Orkan "Zeynep" mit besonderer Kraft über die Nordhälfte Deutschlands zieht und dabei auch Teile Brandenburgs und Berlins erfasst. Für die Region gilt eine Unwetterwarnung für die Zeit von 20.00 Uhr bis 4.00 Uhr.

20.33 Uhr: Baum stürzt auf fahrendes Auto: zwei Verletzte in Osthessen

Ein durch "Zeynep" entwurzelter Baum ist in Osthessen auf ein fahrendes Auto gestürzt und hat die Fahrerin leicht und den Beifahrer schwer verletzt. Das teilte das Polizeipräsidium in Fulda mit. Demnach waren die 24 Jahre alte Frau und der 26 Jahre alte Mann auf der A7 bei Haunetal-Wehrda unterwegs, als der etwa zehn Meter hohe Nadelbaum auf das Dach des Wagens fiel. Die Verletzten wurden in ein Krankenhaus gebracht. Am Wagen entstand demnach ein Schaden von etwa 10.000 Euro.

20.28 Uhr: 130.000 Haushalte in Frankreich ohne Strom

Nach heftigem Sturmwetter waren in Nordfrankreich rund 130.000 Haushalte ohne Strom. Wie der Netzbetreiber Enedis mitteilte, rückten rund 700 Techniker mit schweren Fahrzeugen aus, um die Stromversorgung wieder herzustellen und Schäden am Leitungsnetz zu beheben. Der Wetterdienst hob unterdessen die Unwetterwarnung für fünf Departements im Norden wieder auf. Tagsüber war vor Windgeschwindigkeiten bis zu 140 Kilometern pro Stunde und bis zu vier Meter hohe Wellen an der Küste gewarnt worden. In der Nacht wurde aber weiter mit heftigem Niederschlag an der Küste und sehr starkem Wind gerechnet.

Für vom Sturm betroffene Gebiete kündigte Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin das Ausrufen des Katastrophenfalls an, um Entschädigungen zu erleichtern. Wie die Zeitung "Le Parisien" berichtete, kam es zu erheblichen Schäden. Drei Menschen wurden schwer und acht weitere leicht verletzt, hieß es unter Verweis auf die Präfektur.

19.50 Uhr: Mindestens zwei Tote in England durch Sturm "Eustice"

Durch das heftige über Europa ziehende Sturmtief sind in England mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Im Norden Londons starb nach Angaben der Polizei eine junge Frau in einem Auto, nachdem ein Baum auf das Fahrzeug gestürzt war. Im Nordwesten Englands kam der örtlichen Polizei zufolge ein Mann ums Leben, nachdem Trümmerteile auf die Windschutzscheibe seines Fahrzeugs fielen. In Irland war zuvor ein Mann von einem Baum erschlagen worden.

19.41 Uhr: Vorboten des Orkantiefs "Zeynep" drücken mit Stärke 9 in den Norden

In Norddeutschland haben die Vorboten des Sturmtiefs "Zeynep" bereits viel Kraft gezeigt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldete für 17.00 Uhr auf den Inseln Helgoland und Sylt Böen der Stärke 9, in Hamburg-Fuhlsbüttel wurden Böen der Windstärke 8 gemessen.

Für den Abend und die Nacht warnte der DWD vor extremen Orkanböen der Stärke 12 an der Nordsee mit bis zu 160 Kilometern pro Stunde. Hamburg und Schleswig-Holstein bereiteten sich außer auf den Orkan auch auf eine Sturmflut vor.

Für die Hansestadt kündigte der DWD orkanartige Böen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 115 Stundenkilometern an. Erst in der Nacht zu Donnerstag hatte Sturmtief "Ylenia" Deutschland überquert.

An der Nordseeküste soll es eine Sturmflut geben, in Hamburg nach der Prognose des Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) eine schwere Sturmflut mit Wasserständen von drei Metern über dem normalen Hochwasser in der Nacht zu Samstag. Der höchste Wasserstand werde wahrscheinlich zwischen 5.00 Uhr und 6.00 Uhr am Samstagmorgen erreicht, sagte Bernd Brügge vom Bundesamt.

18.29 Uhr: Großer Baum begräbt zwei Autos unter sich – Kind leicht verletzt

Ein Baum ist in Hamburg im Sturm auf zwei parkende Autos gestürzt und hat ein Kind leicht verletzt. Es war mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, als der Baum umfiel, wie ein Polizeisprecher sagte. Die Umgebung wurde gesperrt, Baum und Äste bedeckten eine Fläche von rund 200 Quadratmetern.

18 Uhr: A7 in Hamburg teilweise überspült – Spur Richtung Süden gesperrt

Starkregen als Vorbote des Orkantiefs "Zeynep" hat die Autobahn 7 in Hamburg südlich des Elbtunnels teilweise so stark überflutet, dass eine Spur gesperrt wurde. Ehe das Wasser nicht abgepumpt worden sei, könne die Spur nicht genutzt werden, sagte ein Sprecher der Verkehrsleitzentrale. Richtung Süden stünden nur zwei Tunnelfahrbahnen zur Verfügung, in Richtung Norden seien es drei. Laut NDR-Verkehrsinfo kamen die Autos zwischen Hamburg-Stellingen und dem Elbtunnel auf rund fünf Kilometern nur stockend voran.

17.25 Uhr: Zwei Tote durch heftigen Sturm in Niederlanden

Der schwere Sturm hat in den Niederlanden mindestens zwei Menschen das Leben gekostet. In Amsterdam war ein Mensch von einem umstürzenden Baum erschlagen worden, wie die Feuerwehr mitteilte. In Diemen im Osten der Hauptstadt starb ein Mensch, nachdem ein Baum auf sein Auto gefallen war.

Der Sturm mit orkanartigen Böen legte das öffentliche Leben in großen Teilen des Landes lahm. Bäume wurden entwurzelt, Dächer abgedeckt und Lastwagen stürzten um. In Den Haag blies der Wind das Dach vom Fußballstadion. Der Zug- und öffentliche Nahverkehr wurden eingestellt. Schulen sowie Test- und Impfzentren schlossen. Die extremen Wetterbedingungen sorgten auch für Ausfälle und Verspätungen am Amsterdamer Flughafen Schiphol.

17.15 Uhr: Warnung vor schwerer Sturmflut in Hamburg

In Hamburg warnen die Behörden vor einer schweren Sturmflut am Samstagmorgen. Es wird mit 4,90 bis 5,40 Metern über Normalhöhennull gerechnet. 

14.56 Uhr: Sturm fegt über England und verursacht Chaos und Zerstörung

Stürmisches Wetter hat in Großbritannien das öffentliche Leben teilweise lahmgelegt und Zerstörung angerichtet. In London wurde erstmals die höchste Warnstufe Rot ausgerufen. Sie galt auch für Teile Südwest- und Südostenglands sowie Wales. Auf Videos, die im Internet kursierten, war zu sehen, wie die Bespannung des Millennium-Domes im Londoner Stadtteil Greenwich teilweise fortgerissen wurde. Der Zugverkehr in London wurde teilweise eingestellt.

Das Dach der O2 Arena im Südosten Londons wurde durch den Sturm "Eunice" beschädigt
Das Dach der O2 Arena im Südosten Londons wurde durch den Sturm "Eunice" beschädigt
© Stefan Rousseau/PA Wire / DPA

Sturmtief "Eunice", das in Deutschland "Zeynep" getauft wurde, gilt als einer der schwersten Stürme seit mehreren Jahrzehnten in Großbritannien. Auf der Isle of Wight wurde mit rund 196 Stundenkilometern die höchste je in England gemessene Windgeschwindigkeit registriert, wie der Wetterdienst mitteilte.

12.22 Uhr: Deutscher Wetterdienst warnt vor extremen Orkanböen an der Nordsee

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor extremen Orkanböen an der Nordsee bis zu 160 Kilometer pro Stunde ab Freitagnachmittag. In den Frühstunden des Samstags soll der Sturm wieder nachlassen. Der DWD warnt vor Lebensgefahr durch Sturmschäden wie umstürzende Bäume und herabstürzende Gegenstände. Türen und Fenster sollen geschlossen und Gegenstände im Freien gesichert werden. Menschen sollen den Aufenthalt im Freien meiden und auf jeden Fall Abstand zu Gebäuden, Bäumen, Gerüsten und Hochspannungsleitungen halten. Der DWD rät, Autofahrten zu vermeiden und Fahrzeuge nach Möglichkeit in Garagen abzustellen.

11.37 Uhr: Bahn stoppt wegen nahenden Sturms sukzessive Verkehr in Norddeutschland

Die Deutsche Bahn stoppt wegen des heraufziehenden Orkantiefs "Zeynep" sukzessive ihren Fern- und Regionalverkehr in Norddeutschland. Das kündigte ein Unternehmenssprecher in Berlin an. Der Stopp des Regionalverkehrs betreffe Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen sowie Teile Nordrhein-Westfalens.

Die Einstellungen im Regionalverkehr erfolgten "im Laufe des Tages", sagte der Sprecher. In Nordrhein-Westfalen werde damit auf einigen Linien ab 14.00 Uhr begonnen. Im Fernverkehr sollen die Verbindungen von Hamburg aus in Richtung Berlin, Hannover und Köln betroffen sein. Auch auf der Ost-West-Strecke zwischen Köln über Hannover nach Berlin soll der ICE- und IC-Verkehr den Angaben zufolge eingestellt werden.

Die Bahn riet allen Kunden dazu, ihren Fahrten möglichst auf den früheren Freitag vorzuziehen oder ganz zu verschieben. Sollte dies nicht möglich sein, sollten sich Passagiere unbedingt laufend über das aktuelle Unwetter- und Verkehrsgeschehen informieren, sagte der Sprecher.

10.44 Uhr: Höchste Wetterwarnung in London ausgerufen

Millionen Menschen in der britischen Hauptstadt, dem Süden Englands sowie in Wales sind wegen stürmischen Wetters dazu aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Wie der britische Wetterdienst Met Office mitteilte, droht wegen umherfliegender Trümmerteile bei Sturmgeschwindigkeiten von bis zu 130 Stundenkilometern Lebensgefahr. Zu rechnen sei mit abgedeckten Dächern, entwurzelten Bäumen und Störungen im Zug- und Schiffsverkehr. Menschen an der Küste wurden vor großen Wellen und Überschwemmungen gewarnt.

Großbritannien bereitete sich auf Sturmtief "Eunice" vor, das in Deutschland "Zeynep" getauft wurde. Der BBC zufolge könnte es sich um einen der schwersten Stürme in dem Land seit Jahrzehnten handeln. In Irland hatten heftige Winde bereits zu Stromausfällen bei rund 55 000 Haushalten geführt.

yks / rw / tkr dpa

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