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Kolumne Winnemuth: Der Friedhof meiner Ideen

Nein, es ist nicht schwer, Themen für Kolumnen zu finden, man muss nur hinschauen. Allerdings: Nicht alle tragen weit. Eine Auswahl.

Von Meike Winnemuth

Meike Winnemuth: Der Friedhof meiner Ideen

Meike Winnemuth: "Ich gucke der Welt zu. Ich lese. Ich lache. Themen zu finden ist das einfachste von der Welt, Themen allerdings, die für eine ganze Seite taugen, das ist schon schwieriger."

"Wie finden Sie eigentlich Ihre Themen, liebe Frau Winnemuth?" Leicht, antworte ich dann immer. Ich gucke der Welt zu. Ich lese. Ich lache. Themen zu finden ist das einfachste von der Welt, Themen allerdings, die für eine ganze Seite taugen, das ist schon schwieriger. Deshalb habe ich einen Friedhof der Kuscheltiere: Notizen, aus denen nie was geworden ist. Die vielleicht für eine viertel oder halbe Seite gereicht hätten, aber nicht für mehr. Ich habe gerade Kehrwoche in meinem Laptop, ich räume auf und schmeiße weg. Ich stelle den Sperrmüll an die Straße, Sie können ja mal gucken, ob was dabei ist.

Themen zu finden ist das einfachste von der Welt

• Der neue Enkeltrick: Werbung für Schmerzsalben, die stets nach demselben Muster funktioniert – Enkel muss zu Oma und Opa und grault sich, weil es vermutlich furchtbar langweilig werden wird, denn Opa hat (Zitat) "böses Aua", und Oma hat Knie. Wäre da nicht die Salbe, mit der sich Oma und Opa für den Enkel einsatzfähig dopen. Liebe gegen Leistung, auch im hohen Alter, dass das bloß niemand vergisst.

• Doktortitel auf Klingelschildern, Gepäckanhängern und Grabsteinen: warum? Nein, ernsthaft: warum?

• Die Frequenz, mit der Management-Theorien und Arbeitskonzepte erfunden und verschrottet werden. Jüngst verblichen und still bestattet: Großraumbüros. Funktionieren zu niemandes Erstaunen irgendwie doch nicht.

• Tischabfalleimer. Als solche. Und warum ich nie Teebeutel reinwerfe, weil ich das gemein dem Personal gegenüber finde, das das Eimerchen auswischen muss.

• Oberhemdenverpackungen. Das Plastikformteil innen im Kragen, das Plastikformteil vorn im Kragen, das Pappteil unter dem Kragen, die zwei Stecknadeln vorn im Kragen. Und das war nur der Kragen.

• Die Like-Maschine: ein Verkaufsautomat in einer Moskauer Einkaufspassage, an dem man für 50 Rubel (= 73 Cent) 100 Instagram-Likes kaufen kann und für 100 Rubel 100 Follower. Dieser Automat ist einer von bislang 20 in Russland und bestimmt nicht der letzte auf der Welt (aus dem Sammelordner Untergang des Abendlands).

• Warum die Uhr "tick-tack" macht und nicht "tack-tick". Und warum es nicht Maschmisch oder zacke-zicke oder bambim heißt und warum der Esel nicht a-i macht. Doch, so was hält mich nachts wach.

• Kleine Plastikaufkleber mit dem Wort "Braeburn" auf jedem einzelnen BraeburnApfel in der Schütte mit Braeburn-Äpfeln, die im Supermarkt unter dem Schild "Braeburn" liegen.

• Hundekot, der 50 Zentimeter neben dem Hundekotbeutelhalter und dem Hundekotbeutelmülleimer liegt.

• Die Facebook-Funktion Safety-Check, mit dessen Hilfe Wichtigtuer vermelden können, dass ihnen nichts passiert ist, wenn etwa ein Lkw in einen Weihnachtsmarkt gelenkt wird und man 20 Kilometer davon entfernt, aber immerhin in derselben Stadt ist. (Siehe auch Sascha Lobo: "Nicht die Betroffenen melden sich, sondern die Nicht-Betroffenen, also fast alle, das ergibt natürlich viel mehr Aufmerksamkeitsgetöse. Auf diese Weise kann man sich gerade durch seine Nicht-Betroffenheit irgendwie doch mitbetroffen fühlen.")

"Penis" wird zu "Ödnis"

• Die schönsten Autokorrekturen im Handy. "Penis" wird zu "Ödnis" korrigiert. Oder nur bei mir?

• Jeder siebte Erwachsene schläft angeblich mit einem Kuscheltier. Stimmt das, oder fühlt es sich nur wahr an?

• Leute, die ihre wackligen Stühle und zerlesenen Bücher mit einem Schild "Zu verschenken" einfach auf der Straße verklappen und sich dabei großartig vorkommen, diese elenden Vermüller. Das gilt natürlich nicht für Leute, die ihre wackligen Ideen in Form einer Kolumne verklappen.

Themen in diesem Artikel
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.