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Kolumne Winnemuth: Schrecklich, die anderen

Wir verreisen gern, verachten aber Touristen. Es soll alles authentisch sein, aber bloß nicht zu sehr. Im Urlaub zeigen wir uns hässlich und hämisch.

Von Meike Winnemuth

Meike Winnemuth: Schrecklich sind immer die anderen Touristen

Touristenbeschwerde: "Wir hatten einen Ausflug in einen Wasserpark gebucht. Doch niemand hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass wir Badezeug und Handtücher hätten mitnehmen müssen."

Eines der unglücklichsten Wesen der Welt ist der Tourist. Einerseits möchte er gern Tourist sein, denn man will ja mal weg von zu Hause, man will mal im Warmen sitzen auf fremden Plätzen oder an lieblichen Seen. Andererseits will er es auf gar keinen Fall sein, denn Touristen sind schrecklich. Also: die anderen. Der Tourist an sich lehnt Tourismus strikt ab. Man selbst sitzt halt gerade zufällig in dieser Trattoria, doch in dem Moment, wenn sich Landsleute an den Nebentisch setzen, beginnt das Unglück. Dann beginnt man sich zu schämen. Für die anderen, die ein angeregtes Gespräch über magensaftresistente Tabletten führen, die sich erst im Darm zersetzen, und für sich selbst, weil es wieder mal schmerzhaft klarmacht, dass man selbst doch auch nur ein … Herrje.

Wir verachten nicht nur uns, sondern auch die Einheimischen

Diesem Touristen- und folglich Selbsthass zu entkommen ist völlig unmöglich. Ich begleite gerade meine Eltern an den Gardasee. Schön hier, wirklich. Sagenhaft schön. Hübsches Hotel, hübsche Promenade, ich bin tiefenentspannt. Und tappe trotzdem wieder in alle alten Fallen: Ich finde Leute doof, die genau dasselbe machen wie wir. Die viel zu langsam gehen, blöd in der Gegend rumstehen, sinnloses Zeug fotografieren, Kirchen besichtigen, obwohl sie sich kein bisschen für Kirchen interessieren. Denn das macht man schließlich, wenn man woanders ist, oder?

Doch wir verachten nicht nur uns, sondern auch die Einheimischen, die es doch nur gut mit uns meinen. Schlimm, diese Restaurants mit ihren dreisprachigen Speisekarten – wie anbiedernd! Garantiert Touristenfallen! Gleichzeitig ist man klammheimlich aber doch froh über eine deutsche Übersetzung. Denn was war noch mal schnell coregone? Oder ombrina? Und augenblicklich sinkt man wieder in die Niederungen der Hässlichkeit, wenn man nämlich hämisch Preziosen wie „Drei Arten von Zahnstein zweite Markt Verfügbarkeit“ oder „Ich schneide ein gewinde von fisch zur tüte zum offen“ oder „Fruchterschütterung“ nach Hause sendet. Leute! Jemand hat sich die Mühe gemacht, uns Sprachtrotteln unter die Arme zu greifen, und wir watschen ihn dafür ab?

"Der Tourist zerstört das, was er sucht, indem er es findet“

Wer behauptet, er wolle Land und Leute kennenlernen: nein. Er will Land und Leute in den Wahnsinn treiben, wie schon Hans Magnus Enzensberger in den tiefen Sechzigern diagnostizierte: "Der Tourist zerstört das, was er sucht, indem er es findet.“ Man sucht das Authentische und will eine Operetteninszenierung. Die Welt soll aus dicken Fischhändlern und singenden Kellnern bestehen (aber bitte nur, wenn sie sowieso singen, nicht etwa für Touristen), keinesfalls aus Katasteramtbeamten und Nanotechnologinnen. Es soll schon irgendwie alles echt sein, aber Reissuppe zum Frühstück? Igitt.

Der Tourist weiß selbst nicht so genau, was er eigentlich will. Also quengelt er. Jüngst veröffentlichte der britische Reiseveranstalter Thomas Cook wieder einen neuen Schwung Gäste-Beschwerden: "Der Sand sah ganz anders aus als im Prospekt. Ihr Foto zeigt weißen Sand, tatsächlich aber war er gelb." – "Wir hatten einen Ausflug in einen Wasserpark gebucht. Doch niemand hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass wir Badezeug und Handtücher hätten mitnehmen müssen." – "In Spanien gibt es zu viele Spanier. Der Mann an der Rezeption spricht Spanisch. Das Essen ist spanisch. Zu viele Ausländer." Zu viele Fische im Meer, kein Eierschneider in der Apartmentküche: un-er-träg-lich – was die schönste Zeit des Jahres aus Leuten herausholt.

Und wir so? Morgen geht es wieder heim. Schön war es, richtig schön. Bis auf all die Touristen natürlich.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(