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Kolumne Winnemuth: Feuer, Fleisch, fertig

Das Garen unter freiem Himmel, es könnte beglückend einfach sein. Die Frage ist nur: Worauf? Keramikgrill? Kohlengrill? Oder Todesstern?

Von Meike Winnemuth

Meike Winnemuth: Feuer, Fleisch, fertig. Grillen für Fortgeschrittene.

"Soll es schnell gehen, oder soll es schmecken? Mit anderen Worten: Gasgrill – auf Knopfdruck an, in fünf Minuten heiß – oder Holzkohle, die ewig braucht, bis sie endlich glüht..."

Es ist vergleichsweise einfach geworden, sich wie ein Idiot zu fühlen. Ich halte mich für angemessen neugierig und rede mir ein, hinreichend viel mitzukriegen von dem, womit die Menschheit immer so um die Ecke kommt. Und trotzdem muss ich ständig klammheimlich dem hinterhergoogeln, was alle anderen schon zu wissen scheinen. Wer ist Faisal Kawusi? Was ist Millennial Pink? Was genau kann man in dem Laden dahinten kaufen, dessen Schild Fitted caps, Snapbacks und 5-Panel-caps anpreist? Wofür sind Chia-Samen gut? Was sind Poke Bowls? Und was soll der Scheiß mit den Fidget Spinnern?

Soll es schnell gehen, oder soll es schmecken?

Dass ich mir selbst immer wieder Nachhilfe geben muss, wäre völlig okay, wenn es nur um kommende und gehende Trends ginge. Das ist was für Minderjährige, da dürfen Leute in meinem Alter Wissenslücken haben. Schlimmer ist, dass ich auch in Fächern nachsitzen muss, von denen ich dachte, dass ich mindestens eine solide Zwei minus hinkriege. Aktuelles Beispiel? Ich will mir einen Grill kaufen. Schnelle Sache, dachte ich, irgend so ein Teil halt, bisschen besser als ein Tankstellen-Dreibein darf's schon sein. Ansonsten ist die Sache ja simpel: Feuer, Fleisch, fertig. Mal googeln, was es inzwischen alles gibt.

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Das war vor drei Tagen. Seitdem pflüge ich mich durch ein Themenfeld, das sich in den vergangenen Jahren in Ausmaß und Übersichtlichkeit am hinteren Amazonas orientiert hat. Die Grundentscheidung, so weit bin ich schon, muss getroffen werden anhand der Frage: Soll es schnell gehen, oder soll es schmecken? Mit anderen Worten: Gasgrill – auf Knopfdruck an, in fünf Minuten heiß – oder Holzkohle, die ewig braucht, bis sie endlich glüht, dann aber heizt wie der Teufel? (Elektro ignorieren wir einfach. Falls ich auf einer Heizspirale braten will, kann ich mir auch gleich eine Pfanne nehmen und mich in die Küche schleichen.)

Oder besser ein Flammlachsbrett aus finnischer Birke?

Also. Falls Kohle: Kaminzuggrill? Kugelgrill? Einen schnell startenden Lotus-Tischgrill mit integriertem Lüfter? Um dann bis in alle Ewigkeiten die passende raucharme Spezial-Buchenholzkohle und Spezial-Brennpaste kaufen zu müssen? Oder gleich was Geiles für zwei Tausender: einen Big-Green-Egg-Keramikgrill? (Spendenkontonummer am Ende dieser Kolumne.)

Falls Gasgrill: zwei-, drei-, vierflammig? Propan- oder Erdgas? Eines dieser Kompaktmodelle, die aussehen wie Beiboote des Todessterns? Und um doch noch so was wie Grillgeschmack zu fabrizieren: eine Räucherbox mit Apfelholzchips? Räucherbretter aus Zedernholz mit unterschiedlich starker Maserung, mit der man den Grad der Räucherung variieren kann? Oder besser ein Flammlachsbrett aus finnischer Birke?

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Und die Räucherchips: Hickory? Altes Whiskyfass? Oder lieber doch gleich einen Smoker? Oder einen Außenkamin mit Pizzaofen? Oder vielleicht eine schicke Feuerschale, die man auch als Eiskübel verwenden könnte (okay, nicht gleichzeitig) oder als Pflanztrog, wenn man irgendwann ganz unvermeidlich die Nase vom Grillen voll hat?

Entscheidungen, Entscheidungen. Und hat man endlich eine getroffen, wird man von Menschen anderer Konfessionen niedergemacht. Gas! Ist doch für Schattenparker. Kohle! Toll, wenn man es gern außen schwarz und innen kalt mag.

Was ich in diesen drei Tagen intensiver Grill-Recherche gelernt habe: gar nicht so schlecht, ein Idiot zu sein. Was ich nicht weiß, macht meinen Grill doch heiß. Ich bleibe beim Old-School-Brutzeln. Ein Klappergestell von der Tanke. Eierpappe rein, Kohle mit Salatöl tränken, mit der Fahrradpumpe anheizen, Nackensteak drauf, Ende. Dumm isst gut.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.