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Archäologie Rätsel um wertvolle Grabbeilage: Dolch von Pharao Tutanchamun stammt aus dem All

Dolche von Tutanchamun
Zwei Dolche wurden im Grab von Tutanchamun gefunden: einer mit einer Goldklinge (oben), der andere mit einer Klinge aus Eisen
© robertharding / Imago Images
Forschende haben festgestellt, von welcher Meteoritenart die Klinge eines Dolchs, der im Grab des legendären Pharaos Tutanchamun gefunden wurde, stammt. Außerdem gibt es neue Erkenntnisse zur Herkunft der wertvollen Waffe.

Viele Jahre gab der Dolch von Pharao Tutanchamun den Fachleuten Rätsel auf. 1922 wurde sein beinahe unangetastetes Grab entdeckt, unter den Grabbeigaben befand sich auch die 34 Zentimeter lange Waffe. Was die Archäologen verblüffte: Der reich verzierte Dolch bestand aus Eisen – einem Material, zu dessen Herstellung die Ägypter zu Lebzeiten Tutanchamuns vor gut 3400 Jahren gar nicht in der Lage waren. Auch war das Eisen nach all der Zeit nicht verrostet.

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Eine neue, im Fachjournal "Meteoritics & Planetary Science" veröffentlichte Studie verfestigt nun eine Theorie, die schon seit mehreren Jahren von Forschenden vertreten wird: Mit hoher Wahrscheinlichkeit stammt die Klinge des Dolchs aus dem Weltall, genauer gesagt von einem herabgestürzten Meteoriten. Auf der Erde wurde das Material dann verarbeitet. Außerdem fanden die Archäologen heraus, dass die Waffe wohl außerhalb von Ägypten hergestellt wurde und als Geschenk in den Besitz von Tutanchamun oder seinen Vorfahren gelangte. Der ägyptische Pharao regierte etwa von 1332 bis 1323 vor Christus. Zu jener Zeit besaßen Eisenobjekte einen höheren Wert als Gold.

Tutanchamuns Dolch stammt wohl von einem Oktaedriten

Die Forschenden führten an dem Stück, das im Ägyptischen Museum in Kairo ausgestellt ist, eingehende Röntgenuntersuchungen durch. Dabei stießen sie auf sogenannte Widmanstätten-Strukturen, die typisch für Oktaedrite, die häufigste Gruppe von Nickel-Eisenmeteoriten, sind. Den Wissenschaftler:innen dürfte es damit gelungen sein, erstmals nachzuweisen, von welcher Art von Meteorit die Klinge stammt. "Das war unser Wow-Moment", beschrieb Tomoko Arai, Planetenforscherin an der Technischen Hochschule Chiba in Japan und Co-Autorin der Studie, die Bedeutung des Fundes gegenüber dem Portal "Gizmodo".

Die vorhandenen Widmanstätten-Strukturen erlauben auch Rückschlüsse darauf, wie die Klinge hergestellt wurde. Bei sehr großer Hitze würden diese charakteristischen Strukturen verschwinden. Außerdem wurden Eisensulfide in schwarzen Punkten auf der Klinge entdeckt. Beides deutet aus Sicht der Forschenden darauf hin, dass die Klinge bei verhältnismäßig niedrigen Temperaturen von unter 950 Grad Celsius geschmiedet wurde.

Ein Geschenk des Königs von Mitanni

Auch konnten die Wissenschaftler:innen Erkenntnisse darüber gewinnen, woher das "Himmelseisen", wie das Material aus dem Weltraum unter den alten Ägyptern auch genannt wurde, stammte. Hinweise darauf, dass die Waffe nicht ursprünglich aus dem Reich der Pharaonen kommen konnte, lieferte der goldene, edelsteinbesetzte Griff. Die Diamanten waren mit Kalkputz darauf angebracht worden, einem Material, das in Ägypten erst viel später verwendet wurde.

Nach Ansicht der Autoren war der Dolch wahrscheinlich ein Geschenk des syrische Großreichs Mitanni an den Großvater von Tutanchamun anlässlich der Hochzeit des Pharaos mit seiner Tochter. Dies deckt sich mit ägyptischen Aufzeichnungen aus dem 14. Jahrhundert vor Christus, in denen von einem solchen Geschenk die Rede ist. Möglicherweise wurde die extrem wertvolle Waffe dann als Familienerbstück weitergereicht.

Pharao mit neun Jahren

Tutanchamun bestieg schon sehr früh, mit etwa neun Jahren, den Thron als Pharao der 18. Dynastie. Seine Herrschaft währte nur einige Jahre, der König starb bereits im Alter von 18 bis 20 Jahren, wie Untersuchungen an der Mumie ergaben. Die Todesursache ist trotz vieler Spekulationen ungeklärt. Tutanchamun wurde im Tal der Könige in der Nähe von Theben, der damaligen Hauptstadt des ägyptischen Reiches bestattet.

Quellen: "Meteoritics & Planetary Science" / "Gizmodo"

epp

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