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1998 OR2: Großer Asteroid passiert die Erde – und hat "Mundschutz" angelegt

Mit 16-fachen Mondabstand hat ein großer Asteroid an diesem Mittwoch die Erde passiert. Bei den Astronomen herrscht zum Teil kindliche Freude. Denn der Gesteinsbrocken sieht so aus, als habe er extra einen Mundschutz angelegt.

Asteroid 1998 OR2 kosmisches Geschoss im Gif

Wie ein kosmisches Geschoss zieht Asteroid 1998 OR 2 fünf Tage vor der größten Erdannäherung an der Sternformation Hydra vorbei - in etwa sieben Millionen Kilometer Entfernung von unserem Planeten. (Komposition aus Einzelbildern)

Die Bedrohung der Erde durch Asteroiden und Kometen auf Kollisionskurs klingt stets wie der Plot eines schlechten Katastrophenfilms, real ist sie dennoch. Irgendwann wird es soweit kommen. Um darauf vorbereitet zu sein, gibt es beispielsweise eine ständige Beobachtung sogenannter erdnaher Objekte (das Near-Earth Object Observations Program) bei der US-Raumfahrtagentur Nasa. Die hat einen besonders großen Brocken mit großer Aufmerksamkeit verfolgen, der am Mittwochmittag vergleichsweise nah an unserer Erde vorbeigeflogen ist – wenn auch in sicherer, 16-facher Mondentfernung. Die Astronomen schauen dennoch genau auf den taumelnden Brocken, weil er wiederkehren wird.

1998 OR2 ist der unter anderem nach seinem Entdeckungsjahr benannte Asteroid, der um kurz vor zwölf Uhr seine größte Erdnähe erreichte – in etwa sechs Millionen Kilometern Entfernung. Auch wenn das ein Abstand ist, der keinerlei Gefahr für die Erde bedeutet, ist der Brocken den Astronomen bekannt. Alle Asteroiden, die eine Länge von mindestens 140 Metern haben und unserem Planeten einmal näher kommen als 9,5 Millionen Kilometer gelten als potenziell gefährliche Himmelsobjekte, sogenannte PHO. Sie werden daher permanent beobachtet, da die Objekte nicht stabil wie Planeten die Sonne umrunden, sondern auf sogenannten exzentrischen Bahnen ihre Kreise ziehen und zudem häufig trudeln. Bedeutet: Kursänderung nicht ausgeschlossen – womit so ein Brocken doch noch zur Gefahr werden könnte.

Asteroid 1998 OR2

Der Asteroid "mit Mundschutz": 1998 OR2 passiert an diesem Mittwoch vergleichsweise nah die Erde

Asteroid: "Mundschutz" und Abstand

1998 OR2 hat nach Nasa-Angaben einen Durchmesser von zwei Kilometern und ist etwa vier Kilometer lang. Mit dieser Größe würde er bei einem Einschlag auf der Erde bereits schwere Schäden anrichten – wenngleich er damit deutlich kleiner ist als jenes Objekt ist, das einst das Ende der Dinosaurier-Ära bedeutete. Dieser Asteroid oder Komet wird auf einen Durchmesser von zehn bis 15 Kilometern geschätzt.

Laut Radardaten des Arecibo-Radioteleskops auf Puerto Rico, das bereits seit Anfang April den aktuellen Weltraum-Vagabunden "im Blick" hat, dreht sich 1998 OR2 in etwa vier Stunden um die eigene Achse. Große Freude erzeugt bei den Astronomen aber vor allem die Oberfläche des Asteroiden. "Die Rippen und Senken von 1998 OR2 sind natürlich vor allem aus Sicht der Wissenschaft faszinierend. Aber da wir momentan alle an Covid-19 denken, sehen diese Strukturen für uns so aus, als hätte der Asteroid daran gedacht, sich einen Mundschutz aufzuziehen", zeigte sich die Chefin des Planeten-Raders am Arecibo, Anne Virkki, vor einigen Tagen in einem Statement begeistert. Dabei hält der trudelnde Stein nun wirklich ausreichend Abstand zu unserem Pandemie-geplagten Planeten.

1998 OR2 kommt näher

Das wird auch bei seiner voraussichtlichen Rückkehr in Erdnähe wohl so sein, wenngleich 1998 OR2 dann unserem Planeten 3,5-Mal näher kommen wird als diesmal. Seine exzentrische Umlaufbahn, die zwischen Jupiter und dem sonnenfernsten Punkt der Erdbahn liegt, absolviert der Asteroid innerhalb von drei Jahren und acht Monaten. Diese führt ihn 2079 wieder nahe an die Erde heran – dann immer noch in vierfacher Mondentfernung (mittlerer Abstand zwischen Erde und Mond: rund 385.000 Kilometer). So gesehen kommt der Brocken unserem Planeten immer näher. Grund genug für die Astronomen, ihn nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft aufmerksam zu verfolgen.

Beobachtung: Mit bloßem Auge zu sehen ist 1998 OR2 nicht. Mit Teleskopen kann man ihn aber sehr wohl erwischen - in klaren Nächten als hellen Punkt, der langsam vor dem Sternenhimmel dahinzieht (in Wahrheit aber rund 30.000 Kilometer in der Stunde schnell ist.) Wer den Vorbeiflug online mitverfolgen will, kann dies tun beim Virtual Telescope's WebTV.

Quellen: Arecibo Observatory, Nasa/Planetary Defense, Nasa Asteroid Watch, ScineXX

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