Ernährung Die Unersättlichen


Dicke gibt es in den USA nicht. "Horizontally challenged" nennt man Menschen von Gewicht - horizontal Herausgeforderte. Überall im Land nehmen sie zu.

Es kam der Tag des Erwachens für Michael Fahringer. Es war ein böses Erwachen. Er steckte fest in einer Cessna. Hobbypilot Michael kam nicht mehr heraus aus der schmalen Luke. Der Bauch zu dick, ein peinliches Bild. Männer eilten herbei und zerrten und zupften an Fahringer, bis er schließlich aus dem Sportflugzeug hinauspropfte. Michael Fahringer aus Camarillo, Kalifornien, erkannte, dass er dringend irgendwas ändern musste. Hatte schon alles versucht, jede Diät, Weight Watchers, totales Fasten, "alles, alles, alles". Alles vergebens. Michael, 65, war früher Geschäftsmann und viel auf Reisen. Viel auf Reisen heißt in den USA: viel frittiertes Huhn, viel frittierter Fisch, viel frittierte Zwiebelringe, viele Fritten sowieso, dazu einen Eimer voll Cola, einen Berg Kuchen oder Eis als Nachspeise. Reisen heißt All-you-can-eat-Büfett für 12 Dollar 99. Michael wog knapp 180 Kilogramm an dem Tag, als er in der Cessna klemmte.

Nun sitzt er in einem schmucklosen Raum an einer langen Tafel vor einem Teller Reis und Salat und einem Schälchen mit Brombeeren. Er trägt ein graues T-Shirt von zeltmäßiger Größe mit dem Schriftzug "BIG DOG" auf Bauch und Rücken. Vor Michael steht ein blaues Körbchen mit allerlei scharfen Saucen drin. Das Körbchen schleppt Michael dreimal am Tag ins Rice House von Durham, North Carolina. Zum Frühstück: Reis. Zum Mittagessen: Reis. Zum Abendessen: Reis. Und weil Reis morgens, mittags, abends auf die Dauer dann doch öde zu schmecken beginnt, schüttet er die Saucen aus dem blauen Körbchen darüber. Ein bisschen Spaß muss sein.

Nach dem Reis spricht Michael Fahringer ununterbrochen von "miracles", von Wundern. Wie ein Wanderprediger. "Ich sah Wunder über Wunder." Ein Wunder ist, "dass ich noch nicht gestorben bin vor Hunger". Er nahm 14,5 Kilo ab in vier Wochen, muss weiter abspecken und kann dann vielleicht seine Füße wieder sehen und zwei Meilen am Stück gehen, "ein Wunder".

Ein Wunder, das keines ist. Das Reis-Haus von Durham ist Endstation der Fresssucht. Schluss mit lustig. Antreten zum Abnehmen. Wer hier herkommt, hat ein dickes Problem und kriegt sein Fett weg durch strikte Reisdiät. So einfach ist das.

Theoretisch.

Praktisch ist das eine Qual. Und überhaupt kein Wunder. Auch wenn sie Durham das "Lourdes der Dicken" nennen, die Pilgerstätte der Feisten. Wenn nichts mehr hilft, hilft Durham, North Carolina, 187 000 Einwohner, das einst berühmt war für Tabakanbau und nun berühmt ist für Fettabbau. Drei der größten Abmagerungskliniken haben sich in der Stadt im Speckgürtel um die renommierte Duke-Universität angesiedelt. Mehrere tausend beleibte Amerikaner wallfahren pro Jahr in die Südstaaten und verlieren dort nach vorsichtigen Hochrechnungen summa summarum zehn Tonnen Gewicht. Sie kommen aus allen Teilen des Landes, bleiben im Schnitt vier Wochen und geben Tausende von Dollars aus für wenig Kost und viel Frust.

Abends vor dem Kurbeginn dürfen sie noch einmal los und richtig schlemmen, "last supper" heißt das hier. Dann sieht man sie verstohlen sitzen in den Fast-Food-Restaurants von "Sin City", dem Sünden-Strip von Durham, wo der Teufel sich verkleidet hat als Kellner im Waffle House oder im Taco Bell?s oder im Burger King oder McDonald?s oder oder oder. Dort schaufeln sie ein letztes Mal, hemmungslos.

Und sehen dann so aus wie Augustino "Tino" Altese, 50, aus Detroit, Michigan, der 249 Kilo wiegt, seit frühester Jugend mit Übergewicht kämpft und insgesamt fast sieben Jahre seines Lebens in Durham verbrachte. Nicht am Stück, aber eben immer wieder für Monate. Und einmal sogar dreieinhalb Jahre lang. Tino kennt alle Programme. Das feine "Structure House", eine Art Fünf-Sterne-Hotel der Essgestörten, in dem die Vier-Wochen-Kur 8650 Dollar kostet, der Fitness-Raum "Life Extension Center" heißt und die Patienten angehalten sind, "ihre emotionale Beziehung zum Essen" permanent zu hinterfragen.

Das "Duke Diet & Fitness-Center" kennt er auch, das wie eine Klinik ausschaut, auf viel Bewegung und ausgewogene Ernährung setzt. Und das berühmte Rice House sowieso, in dem sich Tino, Betreiber einer Pizzeriakette, nunmehr in ein Sofa plumpsen lässt und zu philosophieren beginnt über Leben und Tod. In Wahrheit geht es um nichts anderes für viele hier, alarmiert von ihren Ärzten daheim, die warnen und warnen und warnen und irgendwann sagen: "Last call", letzte Warnung. Tino ist auch so ein Fall.

Er hat einen vergleichsweise kleinen Kopf, der auf einem gigantischen Körper sitzt. Körper und Kopf passen nicht zusammen, und Tino redet auch gar nicht um den heißen Brei herum. "Jeder von uns weiß, warum er hier ist. Wir essen zu viel. Basta." Dann malt er mit seinen Händen Sinuskurven in die Luft. "Jo-Jo", sagt er. Jo-Jo ist ein feststehender Begriff; er steht für dieses ewige Abnehmen, Zunehmen, Abnehmen, Zunehmen. "Es ist wie Alkoholismus", sagt er, "du erholst dich und wirst rückfällig." Wie oft hat er sie erlebt, diese Exzesse. Ging in ein Restaurant, orderte drei komplette Menüs zum Mitnehmen, gab vor, die Familie würde warten, aber da war niemand, der wartete. Fuhr heim, breitete das Essen aus und bekam diesen Tunnelblick. "Es ist wie Sex", sagt Tino. "Sex mit dem Essen. In dem Moment ist es sogar besser als Sex." Ein Bissen von diesem, ein Bissen von jenem als Vorspiel, dann schlingen bis zum Höhepunkt. Beinahe jeder kann solche Geschichten erzählen im Rice House. "Wir sind wie eine Familie", sagt Tino. Sie kommen nach Durham und gehen miteinander durch dick und dünn. Und diese Familie wächst und wächst und wächst.

65 Prozent der erwachsenen Amerikaner, rund 130 Millionen insgesamt, gelten als übergewichtig, darunter 31 Prozent sogar als fettleibig. Statistisch betrachtet schleppen Amerikaner wesentlich mehr Körperfett mit sich herum als Westeuropäer. Das hängt mit vielen Faktoren zusammen: Amerikaner fahren mehr Auto, weil die Entfernungen von A nach B zu Fuß kaum zu bewältigen sind und öffentlicher Nahverkehr jenseits der Großstädte so gut wie nicht existiert. Sie bewegen sich ergo weniger, sitzen länger vor Fernseher und Computer. In wohl keinem anderen Land werden in den Restaurants derartige Massen aufgefahren. Die Konkurrenz treibt die Preise nach unten und die Portionen auf XXL-Größe. Wer die Berge nicht schafft, bekommt sie verpackt in so genannte Doggy Bags, schleppt die Reste nach Hause und friert sie ein in Kühltruhen von Kleinwagen-Größe. Geschirr, selbst Messer, Gabeln und Löffel fehlen schlicht in Zigtausenden von US-Haushalten; die Fast-Food-Ketten liefern das Plastikzeugs gratis mit.

Amerikaner huldigen zwar dem Körperkult und Schönheitswahn. Aber knackige Hintern, makellos weiße Zahnreihen und Waschbrettbäuche kann sich lediglich die Minderheit der Besserverdienenden leisten, die in chromglitzernden Fitness-Tempeln schwitzen und danach beim Italiener Minestrone löffeln und Perrier trinken. Die Mehrheit der Amerikaner würde Minestrone vermutlich für einen mexikanischen Comic-Helden halten und Perrier für einen französischen Politiker. Die Mehrheit versteht Essen als Nahrungsaufnahme, nicht mehr. Die Mehrheit isst schnell, fett und ungesund.

Längst hat sich die Gesellschaft auf die schleichende Verfettung eingestellt. Die Sitze in Sportstadien, Theatern, Kinos und U-Bahnen werden sukzessive dem amerikanischen Durchschnittshintern angepasst, denn im Laufe der Jahre kam es zu der erstaunlichen Gesäßerweiterung von knapp sieben Zentimetern. Vor einiger Zeit rief Volvo 65 000 Autos zurück. Man befürchtete, dass schwergewichtige US-Kunden mit überproportionierten Po-Polstern die Sitzheizung kurzschließen und Feuer auslösen könnten. Das ist die Realität in Amerika.

Eine richtige Industrie hat sich entwickelt mit Produkten für Dicke, "Big People", die politisch überaus korrekt auch "horizontally challenged", horizontal Herausgeforderte, heißen. Es gibt spezielle Schuh- und Sockenanzieher, weil Dicke Schuhe und Socken sonst nicht anziehen könnten. Es gibt Erweiterungen für Sicherheitsgurte; es gibt Spezial-Waagen, die auch noch jenseits von 650 Pfund funktionieren, Spezial-Sessel, Spezial-Stühle, Spezial-Kleidung sowieso und seit einiger Zeit sogar ein schickes Molligen-Magazin mit dem sinnigen Titel "Grace", Grazien. Selbst die Särge werden größer, weil die horizontal Herausgeforderten auch noch unter der Erde in die Breite gehen.

Übergewicht ist die amerikanische Epidemie des 21. Jahrhunderts. 300 000 US-Bürger sterben pro Jahr an den mittelbaren Folgen der Dickleibigkeit. Und weil in diesem Land alles umgerechnet wird in Gewinn und Verlust, weiß man, dass die Pummel einen volkswirtschaftlichen Schaden von 117 Milliarden Dollar pro Jahr verursachen. Weshalb endlich auch die Politik das Thema entdeckt und landesweit eine Debatte tobt über Steuern auf Fast-Food und Softdrinks und über gesündere Mahlzeiten in Schulen. Gerade erst hat der amerikanische Nahrungsmittelriese Kraft verkündet, künftig fett- und kalorienärmere Produkte auf den Mark zu bringen. Um einer Klageflut der Schwabbelbäuche vorzubauen. Weshalb auch McDonald's neben Fritten bald Früchte anbieten wird. Denn wenn's so weiter geht, sind in zehn Jahren 40 Prozent der Amerikaner fett. Tendenz: zunehmend.

Schon deshalb werden die Geschäfte der Fett verabeitenden Industrie von Durham auch in Zukunft ganz prima gehen, und die Ärzte vor Ort haben ebenfalls kein Problem damit, von "big business" zu reden. Welches begann im Jahre 1939 mit einem deutschen Juden, Walter Kempner, einem Spezialisten für Nierenkrankheiten, der aus Berlin vor den Nazis nach North Carolina floh und dort eher durch Zufall entdeckte, dass ungesalzener Reis bei seinen Patienten zu dramatischen Gewichtsverlusten führte. So entstand seine Diät, und Kempner selbst stieg auf zu einer Art Entschlackungs-Guru, der mit teutonischem Ernst über seine Kugelbäuche wachte und der Legende nach Rückfällige mit leichten Peitschenhieben auf den Popo traktierte. 1994 schied er 97-jährig dahin, rank und schlank bis zum Schluss.

Legenden und Anekdoten ranken sich überhaupt um dieses Durham. Dramen auch. Jüngst türmte ein schmerbäuchiger Kanadier namens Pierre Sabourin, der ein neues Konzept vorstellte, und dann Ärzte, Management und potenzielle Kunden nicht um Pfunde, sondern nur um Dollar erleichterte. Er ist nun auf der Flucht vorm FBI. Sabourin wollte unter anderem die so genannte Crisco Disco wieder aufleben lassen, Institution einst unter Durhams Dicken, benannt nach dem Bratfett-Hersteller "Crisco". Nach ausgiebigem Bauchtanz, erzählt man sich immer noch gern, gingen die horizontal Herausgeforderten gern zur horizontalen Herausforderung über. Merke: Korpulenz und Kopulieren schließen sich nicht aus.

Was die Autorin Jean Renfro-Anspaugh in ihrem Buch "Fat like us" genüsslich beschreibt, aber authentischer noch bei einem Stückchen Kuchen erzählt. Wie sie, selbst Rice-House-Residentin damals und nach eigenem Befinden von der Figur eines "Beach-Balls mit Beinen dran", mal ein Krösken hatte mit einem Franzosen.

Wie sie ihn, schmachtend im doppelten Sinne, nächtens anrief, sich statt seiner aber eine andere meldete. Und wie die beiden Frauen dann gemeinsam herausfanden, dass der pfundige Lustmolch neben ihnen noch weitere drei Damen beglückte und auch gar kein Franzose war, sondern Ägypter. "Durham ist Sex und Drugs", sagt sie. Und das sei irgendwie auch logisch, denn: "Du isst nichts, du hast nichts zu tun, du bist unter deinesgleichen, also wirst du geil." Ehen gingen hier kaputt, neue Ehen entstanden, und Renfro möchte doch wetten, dass die schweren Jungs nach wie vor keine leichten Mädchen brauchen. Auf drei Frauen kommt in den Durham-Kuren nämlich nur ein Mann und der gewiss nicht zu kurz. Womöglich geht?s nicht mehr ganz so hoch her wie in den promisken 60er und 70er Jahren, als im Hotel "Duke Towers" rauschende Pool-Partys gefeiert wurden, an jenem Pool, den die Diätler selbstironisch "Whale Watch" nennen. Den übergewichtigen Porno-Schriftsteller Al Goldstein, auf Kur und Recherche zugleich, inspirierten die orgiastischen Wasserspiele zu einer saftigen Geschichte über Liebe in Zeiten des Cholesterins.

Jean Renfro-Anspaugh hat 13 Jahre an "Fat like us" gearbeitet. Sie kämpft dafür, dass Dicke "sich als dick akzeptieren". Und wahrscheinlich wird sie eines Tages sogar siegen, weil "inzwischen fast alle fett sind" (Renfro) und solche Refugien wie die Crisco-Disco eher überflüssig. Es ist wirklich nicht so, dass es auf Durhams Bürgersteigen überdurchschnittlich wabbelt und schwabbelt, zumindest nicht mehr als in Houston, Orlando oder Phoenix. Und doch ist und bleibt Durham ein sehr spezieller Ort, in dem die Betten in einigen Hotels strebenverstärkt sind und Matratzen nach spätestens einem Jahr ausgetauscht werden müssen, weil: durchgelegen. In dem die Lokusbrillen breiter ausfallen. Und Stühle aus dunklem Hartholz sind, nicht weiter auffällig, aber eben robuster und ballasttauglich.

Man trifft Menschen dort, die bis ins hohe Erwachsenenalter hinein glauben, Spinat komme aus der Dose. Menschen wie Bill Lang, 32 Jahre, 194 Kilo, herzkrank, der nicht mehr ins Kino geht, weil ihn der Geruch von Popcorn kirre macht, und der kein Fernsehen mehr schaut wegen der ständigen Fast-Food-Werbung, die ihm das Wasser im Mund zusammen- laufen lässt, und weil er verdammte Lust aufs Sündigen bekommt in "Sin City". Oder seine Schwester Karen, die sich "wie eine dünne Frau im falschen Körper fühlt", erfolgreiche Werbe-Agentin war, gebildet ist und genau weiß, dass sie ihr Leben ruiniert, wenn sie weiter unentwegt snackt. Menschen wie Enzio Soviero, Sohn eines Kochs aus Washington, 314 Kilogramm Eingangsgewicht, nunmehr 124, und zurzeit Küchenchef im Rice House. Der behauptet, schon vor seiner Geburt dick gewesen zu sein; gemästet dann als Heranwachsender von Mama, die nicht kochte für die zehn Familienmitglieder, "sondern wahrscheinlich für die ganze US-Army", und er, artiger Junge, aß eben, was auf den Tisch kam.

Man trifft Gloria Taub, 66, aus Wilmington, Delaware, die seit 40 Jahren zweimal pro Jahr nach Durham fährt, erst dort gelernt hat, sich anzunehmen und mit Schaudern daran zurückdenkt, was sie als junge Frau mit sich hat machen lassen, nur um diesem verqueren und verlogenen Schönheitsideal zu entsprechen, das inzwischen aus den Fugen quillt. Einmal, sie war Mitte 30, ließ sie sich den Kiefer für neun Monate verschließen und sich flüssig ernähren. Sie hat ihren Magen verkleinern lassen, aber die Sucht siegte. Sie hat sich damit abgefunden. Sie mag sich, macht sogar Fernsehwerbung für ein Klitoris-Stimulanzmittelchen, "it works!", und wird den Ärzten im Rice House obendrein ewig dankbar sein. Die entdeckten bei den täglichen Checks eine Blutanomalie, die später als eine seltene Form von Blutkrebs diagnostiziert wurde, heilbar, frühes Stadium. "Ich lebe", sagt sie, "und das verdanke ich den Leuten hier."

Man trifft im "Structure House" Zwillinge aus New York, sie könnten Mae und Mia heißen, wollen ihren richtigen Namen aber nicht nennen. 22 Jahre alt, von Beruf Töchter. Neben ihnen wirken russische Kugelstoßerinnen wie Elfen. Sie tun den ganzen Tag nichts anderes, als Fernsehen zu gucken und auf die drei Mahlzeiten zu warten. Sie sind nur hier, weil ihr Daddy das so wollte. Mae trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift "Sexy Girls", sie sagt: "Eigentlich möchte ich gern nach Hause." Aber zu Hause ist der Vater, ein Uni-Direktor, und der will sie dünn zurück.

Solche Menschen trifft man in Durham, North Carolina. Verzweifelte, Vernünftige, Fröhliche, Traurige, Erfolgreiche und weniger Erfolgreiche. Man trifft Amerika. Und mit etwas Glück läuft einem in Durham der greise und blitzgescheite Isay Stemp über den Weg, der einmal hoch dotierter Wirtschaftsberater war. Tausend Bücher über Essen und Fressen hat er gelesen, selbst 30 Kilogramm und noch mehr Illusionen verloren. Oft streitet er sich mit den Matronen im Speisesaal, die "sich ausschließlich über verlorene Pfunde definieren und den Wanst für ihre Heimat halten". Die auf seine Frage "Wer sind Sie?" auf ihre Speckfalten deuten, woraufhin er sagt: "Dann würde ich an Ihrer Stelle nicht mehr abnehmen. Sonst sind Sie bald weg." Stemp hat soeben ein kleines Traktat fertig gestellt: "Abnehmen - ein Wegweiser für sehr Intelligente". Es besteht aus philosophischen Betrachtungen und kleinen Epigrammen. Eines geht so: "Es gibt zwei erfolgreiche Wege, schnell abzunehmen; a) werden Sie schwer krank. b) Lügen Sie."

Isay Stemp lacht, der Spitzbauch zittert unterm Hemd. "Seien wir ehrlich", sagt er. "Wir kämpfen unser Leben lang. Es gibt keinen Ausweg. Wir kommen immer wieder zurück nach Durham."

Michael Streck, Naomi Harris (Fotos)


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