"Discovery" Reiter auf dem Heimweg zur Erde

Der deutsche Astronaut Thomas Reiters ist auf dem Rückflug zur Erde. Damit beendet er seine mehr als vier Monate lange Mission. Den ersten Deutschen auf der ISS plagen Abschiedsschmerz - und technische Probleme vor dem Abflug.

Nach 167 Tagen an Bord der Internationalen Raumstation ISS ist der deutsche Astronaut Thomas Reiter auf dem Rückweg zur Erde. Am späten Dienstagabend MEZ koppelte die Raumfähre "Discovery" mit dem 48-Jährigen als Besatzungsmitglied von der ISS ab. Reiter, der schwedische Esa-Astronaut Christer Fuglesang und die fünf US-Astronauten werden an diesem Freitag zurückerwartet. Reiter war am 4. Juli mit der "Discovery" gestartet. Als erster Deutscher hatte er zwei Tage später die Raumstation betreten.

Hörbar bewegt hatte Thomas Reiter zuvor der Raumstation Lebewohl gesagt. "Jetzt fällt mit der Abschied noch schwerer", räumte der Deutsche ein, nachdem er ein Ehrenabzeichen der US-Weltraumbehörde Nasa an das rote T-Shirt gesteckt bekommen hatte.

"Modell-Astronaut"

Das vielfache Lob der Astronautenkollegen für Reiter reichte von "Astronauten-Vorbild" bis hin zur "einzigartigen Persönlichkeit". Der amerikanische Astronaut Michael Lopez-Alegria nannte Reiter einen "Modell-Astronauten" und bescheinigte ihm "Kompetenz, Gewissenhaftigkeit und Beständigkeit". "Kraft der mir verliehenen Autorität, die ich gerade erfunden habe, wollen wir dich zu einem Ehrenmitglied der Nasa erklären", scherzte der Amerikaner.

Über die lange Zeit an Bord der Raumstation sagte Reiter: "Die fünfeinhalb Monate waren nicht nur interessant, sie waren aufregend." Die Ziele der Mission seien erfüllt worden. "Ich bin schon sehr aufgeregt, zur Erde zurückzukehren." Reiters Platz in der ISS nimmt Sunita Williams ein, deren Langzeitmission nun begann.

"Emotionale Achterbahn"

Vor dem Abkoppeln der Raumfähre war es zwei Astronauten bei einem mehr als sechseinhalb Stunden währenden Noteinsatz gelungen, ein klemmendes Sonnensegel an der ISS einzuholen. Nasa bezeichnete den schwierigen Außenbordeinsatz als "emotionale Achterbahn". Ursprünglich waren die Techniker davon ausgegangen, dass das Segel per Fernbedienung eingefahren werden kann - es klemmte allerdings fest.

Das widerspenstige Sonnensegel hatte den Astronauten bis zuletzt erhebliche Probleme gemacht. Der US-Astronaut Robert Curbeam und sein schwedischer Kollege Fuglesang benötigten knapp fünfeinhalb Stunden, um das rund 35 Meter lange Segel zusammenzufalten und zu verpacken. Curbeam stellte dabei noch einen Raumfahrtrekord auf: Als erster Astronaut stieg der 44-Jährige zu vier Außenbordeinsätzen während eines Fluges aus. Der 77. Außeneinsatz in der Geschichte der ISS dauerte insgesamt 6 Stunden und 38 Minuten.

Altes Sonnensegel stand im Weg

Um das Sonnensegel einzuholen, verlängerte die Nasa den Einsatz der "Discovery" um einen Tag. Das Segel ist bereits sechs Jahre alt und war nur als eine Zwischenlösung zur Energieversorgung gedacht. Nachdem zwei neue Sonnensegel im September an der ISS angebracht wurden, stand das alte im Weg. Das zweite alte Sonnensegel soll im März eingeholt werden. Danach wird das Segment mit den beiden zusammengefalteten Segeln an anderer Stelle an der ISS montiert.

Die "Discovery" wird am Mittwoch für eine Inspektion ihres Hitzeschildes zunächst rund 75 Kilometer entfernt von der Raumstation bleiben, um notfalls zur ISS zurückkehren zu können. Es wurde zwar nicht mit Problemen gerechnet, doch die Flugkontrolleure wollten zwei kleine Gegenstände - eine Kamera und eine Anschlussdose - im Auge behalten, die während der vier Außenbordeinsätze verloren wurden und die nun als Weltraumabfall eine potenzielle Gefahr für die Fähre darstellen.

Landepisten vorbereitet

Die "Discovery" muss bis Samstag zur Erde zurückkehren, da ihre Versorgungskapazität begrenzt ist. Wo sie landen wird, ist noch nicht entschieden. Die Raumfahrtbehörde Nasa wird wahrscheinlich alle drei Landepisten vorbereiten, über die sie verfügt: das Kennedy Space Center in Florida, den Luftwaffenstützpunkt Edwards in Kalifornien und den Weltraumbahnhof White Sands in New Mexico. Die beste Wettervorhersage gab es für White Sands, wo es bislang erst eine Shuttle-Landung gab.

DPA/AP/Reuters AP DPA Reuters

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