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"Hubble"-Nachfolger: "James Webb" blickt Richtung Urknall

"Hubble" hat bald ausgedient: 2013 schickt die Nasa schickt das Weltraumteleskop nach 23 Dienstjahren in Rente und ersetzt es durch "James Webb". Mit ihm wollen die Forscher weiter bis zum Urknall vordringen als je zuvor.

Sechs Jahre vor dem geplanten Start im Juni 2013 hat die US-Raumfahrtbehörde Nasa das Modell des neuen Weltraumteleskops "James Webb" vorgestellt. Die Nasa verspricht sich vom Nachfolger des alternden "Hubble"-Teleskops Wunderdinge. Der Spiegel des Infrarot-Teleskops ist doppelt so groß wie der von "Hubble", fängt sechsmal mehr Licht ein und wiegt dennoch nur die Hälfte. "James Webb" soll weiter als jedes andere Teleskop in die Vergangenheit zurückblicken und dabei jene dunklen Zeiten nach dem Urknall aufhellen, als es noch keine Sterne und Galaxien gab.

Begeisterung wecken

Die Nasa hat das 24 Meter hohe und zwölf Meter breite Modell des Teleskops strategisch günstig mitten im Herzen von Washington aufgebaut - auf der Mall zwischen Kapitol und Weißem Haus. 4,5 Milliarden Dollar (3,3 Milliarden Euro) kostet das Prestigeobjekt. Die Begeisterung bei Politikern, Abgeordneten und Steuerzahlen soll frühzeitig geweckt werden. Nasa-Wissenschaftler stehen vor dem Modell Rede und Antwort. Die Kulisse für ein Foto samt Teleskop und Kapitol im Hintergrund könnte kaum besser gewählt sein.

Zurück in die Vergangenheit

Das nach einem früheren Nasa-Direktor James Webb (1961 bis 1968) benannte Teleskop bezieht seinen Außenposten mehr als 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Es dreht dann im Halbschatten der Erde seine Bahn. Ein Schutzmantel, so groß wie ein Tennisplatz, fängt Sonnenstrahlen ab sowie die Infrarotstrahlung von Erde und Mond.

So wenig wie möglich soll die scharfen Augen des Teleskops irritieren, damit sie bis in die dunklen Anfänge zurückblicken können - bis 200 Millionen Jahre nach dem "Big-Bang", dem Urknall. "Wir benötigen das neue Teleskop, um die Geburt, um das erste Licht des Universums zu sehen", sagt der Direktor des Nasa-Goddard-Zentrums in Greenbelt (Maryland).

Der Anfang von allem

Das neue Teleskop soll vor allem zwei der größten und spannendsten Fragen beantworten: Wie hat alles begonnen? Und gibt es noch irgendwo anderes Leben? Matt Mountain vom Weltraumteleskop-Forschungszentrum in Baltimore (Maryland) feiert "Hubble" wie einen alternden Star. "Hubble" habe nach seinem Start 1990 zwar unzählige wissenschaftliche Überraschungen geliefert, könne aber nicht so weit in die Dunkelheit zurück sehen, als die ersten Sterne geboren worden seien, sagt Mountain.

Das neue Weltraumteleskop wird deshalb sechsmal mehr Licht einfangen als "Hubble", das im kommenden Jahr noch einmal den längst überfälligen Besuch einer Raumfähre bekommt und repariert wird. Vier Jahre nach dem "Hubble"-Start begannen bereits die Planungen für das neue Teleskop.

"James Webb" ist billiger als "Hubble"

Beim Steuerzahler und bei Raumfahrtkritikern wirbt die Nasa damit, dass die Kosten für das neue Teleskop nur halb so hoch sind wie alle Ausgaben, die inzwischen für "Hubble" aufgelaufen sind. Das in Washington aufgebaute Modell tut dann ein Übriges. Wie Bienenwaben sehen die 18 Segmente des Spiegels aus, der rund 6,5 Meter im Durchmesser misst. Es ist ein technisches Meisterwerk voller neuer Erfindungen. Damit die Aufnahmen gestochen scharf sind und nicht verwackeln, muss beispielsweise bei der Bewegung eine Toleranz eingehalten werden, die einem Tausendstel eines menschlichen Haares entspricht.

An dem neuen Weltraumteleskop beteiligen sich auch andere Raumfahrtagenturen. Mit einer Ariane 5-Rakete der Esa soll es im Juni 2013 ins All geschossen werden. Das Teleskop wird sich dann automatisch entfalten. Geht etwas schief, kann die Nasa mit der neuen Generation von Raumfähren zwar das Teleskop erreichen, aber nach den Worten von Weiler nur die offensichtlich falschen und sinnlosen Dinge in Ordnung bringen.

DPA / DPA