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Planspiel im Internet: Asteroid im Anflug: Esa spielt den Weltuntergang in Echtzeit durch

Ein Asteroid ist im Anflug auf die Erde. Jetzt. Forscher können nicht ausschließen, dass es zu einem Einschlag mit fatalen Folgen kommt. Was tun? Die Esa spielt das Krisenmanagement gerade in Echtzeit durch. Im Netz können wir dabei sein.

Asteroid nähert sich der Erde - Esa zeigt Planspiel online

Ein Asteroid droht auf der Erde einzuschlagen - was tun? Die Esa spielt den Ernstfall gerade online durch.

Seit Montag ist es klar: Die Welt ist einer ernsten Gefahr aus dem All ausgesetzt! Das International Asteroid Warning Network (IAWN), das permanent erdnahe Asteroiden beobachtet, hat sich entschlossen, auf Grundlage von Ziffer 9 der UN-Resolution 71/90 die Öffentlichkeit zu informieren. Der Grund: Am 26. März wurde ein Gesteinsbrocken im All registriert, der der Erde so nahe kommen wird, dass ein folgenschwerer Einschlag nicht auszuschließen ist. Noch schätzen die Experten die Wahrscheinlichkeit eines möglichen Armageddons auf ein Prozent. Und noch bleibt etwas Zeit, die Katastrophe abzuwenden. Doch am 29. April 2027 wird es soweit sein. An diesem Tag wird 2019PDC, so die Bezeichnung des Asteroiden, knapp an unserem Planeten vorbeischrammen oder es kommt zur fatalen Kollision. Von nun an wird die IAWN in wöchentlichen Updates über die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags informieren.

In roter Farbe prangen auf der Presseerklärung die Worte "Exercise" und "Not a real-world event". Das ist auch dringend nötig. Denn die drohende Katastrophe ist nicht real. Ansonsten aber ist an dieser Mitteilung alles "echt". In derart betont sachlichen und trockenen Worten würden wir davon erfahren, dass der Weltuntergang wahrscheinlich bevorsteht, Erde und Menschheit aber auf jeden Fall ernsthaft bedroht sind. Im Ernstfall dürfte ebenfalls in roter Farbe "This is not an exercise" - das ist keine Übung - auf der Erklärung stehen. Zu dem Zeitpunkt, an dem uns eine solche Meldung gleichermaßen informieren wie beunruhigen würde, wären Astronomen und Raumfahrt-Experten längst damit beschäftigt, eine Antwort auf die entscheidende Frage zu finden: Was tun?

Asteroid 2019PDC: Krisenmanagement in Echtzeit

Ein solches Szenario einer Bedrohung aus dem All spielt die europäische Raumfahrtagentur Esa in diesen Tagen in Echtzeit durch - via Twitter und Blog vor unser aller Augen. Auch die amerikanische Nasa hält Interessierte auf dem Laufenden. Während die TV-Serie "8 Tage" erst kürzlich eine fiktive Geschichte erzählte, wie das Leben vieler Menschen angesichts einer existenziellen Bedrohung durch einen bevorstehenden Einschlag aus den Fugen gerät, will die Esa für jeden nachvollziehbar zeigen, wie die Experten daran arbeiten würden, das Problem zu lösen oder zumindest die Folgen einzudämmen. Und sie will zeigen, wie wir alle darüber informiert würden. Das Planspiel findet im Rahmen der Planetary Defense Conference in der US-Hauptstadt Washington statt. Dort beschäftigen sich Experten noch bis zum 3. Mai intensiv mit der Frage, wie die Welt vor einem fatalen Einschlag eines Himmelskörpers geschützt und gerettet werden könnte.

"Zum Glück sind die Einschläge von mittelgroßen und großen Asteroiden sehr selten", sagt Detlef Koschny vom Near Earth Objects Team der Esa bei "heise online". Koschny hat das Krisen-Szenario mit entworfen. Im Grunde handelt es sich dabei um eine Katastrophenübung wie sie Polizei, Feuerwehr oder Krankenhäuser ebenfalls regelmäßig durchführen. Die Konferenz in Washington schuf die seltene Gelegenheit, in einem mehrtägigen Planspiel die Reaktion auf ein Impact-Szenario durchzugehen und Erkenntnisse zu sammeln: Kann ein Asteroid im Falle des Falles abgewehrt werden, kann er abgelenkt werden, damit er an der Erde vorbeifliegt. Und wie sieht die Vorbereitung auf einen Einschlag aus? Nicht zuletzt wegen dieser Frage ist auch die US-Koordinationsstelle für Katastrophenhilfe (Fema) an dem Planspiel beteiligt. Die Organisation bringt die Erfahrung von sechs solcher Übungen mit, die die Nasa bereits absolviert hat.

Sehen Sie hier, wie eine (andere) Asteroid-Krise im Kontrollraum der Esa gemanagt wird. (Darsteller sind Mitglieder der Esco Theatre Group):

Wie geht die Krise weiter?

Wie die (fiktive) Krise um 2019PDC weiter verläuft, wird sich in den kommenden Tagen bis zum Ende der Washingtoner Konferenz zeigen. Der aktuelle Stand des Planspiels entspricht in etwa der bisher höchsten in der Realität eingetretenen Bedrohung. Im Dezember 2004 wurde der Vorbeiflug des Asteroiden Apophis im Jahr 2029 in Klasse 4 der Turiner Skala eingeordnet - einer ursprünglich vom US-Astronomen Richard P. Binzel entworfenen Skala für die Gefahr von Asteroideneinschlägen und deren Auswirkungen. Klasse 4 sieht vor, dass durch weitere Beobachtungen und Berechnungen ein Einschlag möglichst ausgeschlossen werden kann - so wie ist es im realen Fall des herannahenden Asteroiden Apophis geschehen ist. Wie dies im (fiktiven) Fall 2019PDC aussehen wird, wird uns die Esa in ihrem Planspiel zeigen. Ab Klasse 5 spricht die Turiner Skala übrigens von einem bedrohlichen Vorfall.

Einfach ist die Aufgabe, die sich die Asteroiden-Fachleute für ihr Planspiel gestellt haben, übrigens nicht. "Ein Prozent mag sich nicht nach allzu viel anhören", kommentierte Rüdiger Jehn, Chef der Planeten-Verteidigung bei der Esa die fiktive Bedrohungslage, "aber wenn man berücksichtigt, welchen Schaden ein Asteroid dieser Größe anrichten könnte, dann wäre das etwas, was wir sehr, sehr ernst nehmen müssten" - zumal die Wahrscheinlichkeit im Planspiel bisher stets zugenommen hat. Wie groß 2019PDC ist, kann wegen der Entfernung von der Erde bisher nur geschätzt werden. Wegen der Helligkeit des Objektes gehen die Experten aber von einem 100 bis 300 Meter großen Brocken aus - zum Vergleich: die Türme des Kölner Doms sind 157 Meter hoch. Und es gibt noch eine Schwierigkeit: Schon im Mai wird der Asteroid seine größte Erdnähe erreichen. Danach ist der Brocken der Erde erst wieder ähnlich nah wenn es schon ernst wird: 2027, im Jahr des möglichen Einschlags. Paul Chodas, ebenfalls am Entwurf des Planspiels beteiligt, stellt die entscheidende Frage: "Sollte Asteroid 2019PDC direkt auf die Erde zusteuern, werden wir das mit Sicherheit erst 2020 sagen können. Wie also sollen wir Entscheidungen treffen? Was machen wir jetzt?"

Antworten darauf sollen in den kommenden Tagen im Planspiel gefunden werden.

Wer das fiktive Krisenmanagement rund um Asteroid 2019PDC mitverfolgen will, kann dies im Twitter-Account @esaoperations oder im Blog "Rolling Coverage: Brace for Hypothetical Asteroid Impact" noch bis zum 3. Mai tun.

Quellen: "Esa", "Heise online", "Nasa", "Planetary Defense Conference", "Science direct"