Klimasatellit "Cryosat" stürzt bei Grönland ab


Der Start des Klimasatelliten "Cryosat" klappte am Samstag noch problemlos. Doch nach anderthalb Stunden klemmte die zweite Raketenstufe und die 136-Millionen-Euro stürzte in den Lincoln-See bei Grönland.

Die Europäische Raumfahrtagentur (Esa) hat ihren Polarforschungssatelliten "Cryosat" beim Start verloren. Die Raumsonde stürzte kurz nach dem Abheben von Plessezk in Russland am Samstag wahrscheinlich in die Lincoln-See nordöstlich Grönlands, wie die russischen Raketentruppen bestätigten. Ursache war den Angaben zufolge vermutlich, dass sich die zweite Stufe der Trägerrakete Rockot nicht wie geplant von der dritten Antriebsstufe mit dem Satelliten trennte.

Nach ersten Erkenntnissen habe das Kontrollsystem der zweiten Antriebsstufe keinen Befehl zum Abschalten des Motors gegeben, teilten die Raumtransportgesellschaft Eurockot und die Esa mit. Deshalb habe die dritte Stufe gar nicht starten können. Die Raketenbauer von der Moskauer Firma Chrunitschew entschuldigten sich bei den Partnern der 136 Millionen Euro teuren Mission. Eine staatliche russische Untersuchungskommission soll nun die Absturzursache untersuchen. Weitere Rockot-Starts wurden zunächst gestoppt.

Die Esa will an diesem Montag Beratungen über die Folgen des "Cryosat"-Scheiterns aufnehmen. Schnelle Entscheidungen etwa über eine Wiederholung der Mission seien aber nicht zu erwarten, sagte Sprecherin Jocelyne Landeau am Sonntag in Darmstadt.

"Cryosat" sollte drei Jahre lang zentimetergenaue Messungen über Veränderungen der Polkappen liefern, um Daten zum Verständnis des globalen Klimawandels zu sammeln. Diese sollten helfen, die noch weitgehend unbekannten Zusammenhänge zwischen solchen Schwankungen und der globalen Klimaerwärmung besser zu verstehen. "Cryosat" sollte den Auftakt einer Reihe von Erdbeobachtungsmissionen bilden, mit denen die Esa menschliche Einflüsse auf die Umwelt erkunden will.

Die Rockot-Rakete war am Samstag zunächst planmäßig abgehoben. Gut eineinhalb Stunden nach dem Start war allerdings das erwartete erste Funksignal des Satelliten ausgeblieben. Zunächst hatten die Wissenschaftler deshalb gehofft, der Satellit sei in seine Umlaufbahn gebracht worden und lasse sich vom Boden aus orten.


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