VG-Wort Pixel

Spuren im Dschungel von Laos Meteorit krachte vor 800.000 Jahren auf die Erde – nun wurde offenbar der Krater entdeckt

Eine Karte zeigt Teile von Laos und Teile Vietnams
Der Krater des Meteoriten-Einschlags wird in Laos vermutet, auf dem Bolaven-Plateau, einer Hochebene
© Google Maps
Es muss ein gewaltiger Einschlag gewesen sein, als vor gut 800.000 Jahren ein riesiger Meteorit auf die Erde prallte. Forscher wissen seit Langem davon – nur den Krater hatten sie noch nicht gefunden. Bis jetzt.

Im heutigen Laos liegt vermutlich die Lösung eines Rätsels, an dem Wissenschaftler seit vielen Jahrzehnten forschen: Sie könnten in dem südostasiatischen Land den Krater entdeckt haben, den ein riesiger Meteorit vor gut 790.000 Jahren in die Erdoberfläche schlug. Das berichten mehrere Medien, unter anderem CNN, und berufen sich auf die "Proceedings" der US-Akademie der  Wissenschaften (PNAS). Dass es den Einschlag gab, wisse die Forschung seit Langem, heißt es in dem Bericht, nun habe man aber auch wohl den genauen Ort des Aufpralls entdeckt. Dafür spreche eine Reihe von Faktoren.

Meteoriten-Krater vermutlich auf dem Bolaven-Plateau

Der Krater liege vermutlich im Süden von Laos auf dem Bolaven-Plateau, einer Hochebene. Im Laufe der Erdgeschichte sei das riesige Loch, das der Meteorit damals ins Erdreich geschlagen habe, von Lava gefüllt worden. Daher sei der Krater heute bedeckt von vulkanischem Gestein – und nicht als solcher zu erkennen.

Schwarze Gesteinsgläser
Tektite in unterschiedlichen Formen: Bei Meteoriten-Einschlägen entstehen solche Glaskörper durch die massive Energie des Aufpralls
© Foto: -/Institut für Geowissenschaften, Universität Heidelberg / DPA

Dass der Krater unter der erkalteten Lava liegen könnte, fanden die Forscher den Berichten zufolge mit bestimmten Messungen heraus. Auffälligkeiten im Boden hätten ergeben, dass er etwa 17 mal 13 Kilometer groß sei. Der Meteorit habe schätzungsweise einen Durchmesser von zwei Kilometern gehabt.

Auf die Spur des Kraters in Laos kamen die Forscher zudem durch bestimmte Gesteinsarten, die bei einem Aufprall eines Meteoriten typischerweise entstehen und die in dieser Gegend nachgewiesen wurden. Dazu zählen vor allem so genannte Tektiten. Diese Objekte sehen aus wie schwarze runde Glasteile - sie werden auch Gesteinsgläser genannt. Und sie entstehen durch die gewaltige Energie beim Aufprall eines Himmelskörpers auf die Erde: Dabei schmilzt irdisches Material und wird als eben diese schwarze runde und ovale Teilchen über riesige Entfernungen verstreut. Man findet Gesteinsgläser als Spuren von Meteoriteneinschlägen auf etwa einem Zehntel der Erde – unter anderem in Südostasien.

"Es gab bisher viele Versuche, den Einschlagsort zu finden”, zitierte CNN den Wissenschaftler Kerry Sieh vom Earth Observatory of Singapore, der diese Forschung gemeinsam mit seinen Kollegen vorangetrieben hat und seine neuesten Ergebnisse Ende Dezember veröffentlicht hatte. Vermutet worden sei der Ort des Aufpralls an vielen Orten – im Norden Kambodschas, in Zentral-Laos, Südchina, im Osten Thailands oder vor der Küste Vietnams, sagte Sieh.

Ein Meteorit hinterlässt am Himmel über der Stadt eine weiße Spur
Meteoriten fliegen noch heute in Richtung Erde: Dieses Foto zeigt die weiße Spur, die 2013 ein solcher Gesteinsbrocken über Russland hinterließ.
© Gorbunova Viktoria/Tass / DPA

Jetzt muss gebohrt werden

"Aber unsere Forschung verbindet erstmals die vielen Beweisstränge miteinander, angefangen von der chemischen Struktur der Tektiten, ihren physischen Merkmalen bis hin zum Alter der Vulkanlava, die den Krater unter sich begraben hat", sagte Sieh.

Es sei aber weitere Forschung nötig, um die Laos-Theorie seines Teams endgültig zu bestätigen, betonte der Forscher. So müsse man zum Beispiel herausfinden, ob sich unter dem Lavagestein tatsächlich in großer Masse Material findet, das von dem Meteoriteneinschlag stammt. Dafür müsse man dann, "ein paar Hundert Meter ins Erdreich bohren". Die Forscher haben also noch ein Stück Arbeit vor sich, um das Rätsel des Meteoritenkraters endgültig zu lösen. Ein gutes Stück weitergekommen sind sie aber vermutlich allemal.

Quellen: CNN, "Die Zeit" Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker