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Raumsonde New Horizons Großes Fotoshooting mit Zwergplanet Pluto

An der Grenze unseres Planetensystems: Die Nasa-Sonde New Horizon erreicht an diesem Dienstag den Zwergplaneten Pluto
An der Grenze unseres Planetensystems: Die Nasa-Sonde New Horizon erreicht an diesem Dienstag den Zwergplaneten Pluto
© JHUAPL/SwRI/Nasa/DPA
Er ist der einzige der klassischen Planeten, der noch keinen irdischen Besuch hatte. Das wird sich heute ändern: Pluto, inzwischen nur noch Zwergplanet, wird von der Nasa-Sonde New Horizons erreicht. Forscher erwarten "etwas Wunderbares".

Nach einer Flugzeit von mehr als neun Jahren soll die Nasa-Raumsonde "New Horizons" (Neue Horizonte) an diesem Dienstag Pluto passieren. Sie wird sich, so der Plan, dem Zwergplaneten bis auf rund 12 000 Kilometer nähern - und ihm damit so nahe kommen wie kein irdischer Flugkörper zuvor.

Als "New Horizons" losflog, war Pluto noch ein Planet. Im Januar 2006 startete die Nasa-Sonde vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida, sieben Monate später degradierte die Internationale Astronomische Union (IAU) den vergleichsweise kleinen Pluto zum Zwergplaneten. Eigentlich hatte die US-Raumfahrtbehörde mit der rund 700 Millionen Dollar teuren Mission die Ersterkundung aller neun Planeten abschließen wollen, jetzt waren es plötzlich nur noch acht. Trotzdem gilt der erste Besuch eines irdischen Flugkörpers bei Pluto und seinen fünf Monden am kommenden Dienstag (14. Juli) als Meilenstein der Raumfahrtgeschichte.

"Ich habe immer gesagt, dass wir einen Pluto finden würden, der mit zwei Wörtern beschrieben werden kann: etwas Wunderbares", sagte Missionsleiter Alan Stern der "New York Times". "Und das stellt sich jetzt als komplett wahr heraus. Das Pluto-System ist absolut verblüffend." 

Seit mehr als neun Jahren ist "New Horizons" unterwegs, hat rund fünf Milliarden Kilometer zurückgelegt und ist an Mars, Saturn, Uranus, Jupiter und Neptun vorbeigeflogen, bevor nun endlich das mit Spannung erwartete Ziel der langen Reise ansteht: Auf rund 12.000 Kilometer soll sich "New Horizons" dem Pluto nähern und ihn mit seinen sieben wissenschaftlichen Instrumenten untersuchen. Wenn man aus dieser Distanz auf Manhattan schauen würde, erklärt Wissenschaftler Stern, könnte man die Seen im Central Park ausmachen.

Mit 50.000 km/h Richtung Pluto

Aber die Mission bleibt bis zur letzten Sekunde spannend. Die rund 500 Kilogramm schwere Sonde ist so groß wie ein Klavier und mit einer Geschwindigkeit von 50.000 Kilometern pro Stunde unterwegs. Daher könnte schon ein Zusammenstoß mit einem Objekt, so klein wie ein Reiskorn, das ganze Vorhaben abrupt beenden. Vor wenigen Tagen gab es dann auch noch einen technischen Fehler, den die Nasa aber wieder beheben konnte. Er sei "ziemlich zuversichtlich", dass alles gut geht, gibt sich Forscher Stern gelassen. 

So lang die Reise war, so kurz ist dann ihr eigentlicher Höhepunkt: Nur etwa zwei Tage lang ist die Sonde Pluto so nahe, um gute Fotos und Messungen zu machen. Da bleibt nicht viel Zeit für Kommunikation mit der Erde. Für das Signal, das den erfolgreichen Vorbeiflug bestätigt, hat die Nasa ein kleines Zeitfenster gegen drei Uhr in der Nacht zum Mittwoch (15. Juli) eingebaut. 

Die Erforschung des 1930 von dem US-Amerikaner Clyde Tombaugh entdeckten  wergplaneten sei "wie ein archäologischer Spatenstich in der Geschichte des äußeren Solarsystems", hatte Stern schon beim Start der Sonde gesagt. Der etwa minus 230 Grad kalte Pluto ist eine Art Eiszwerg, wie sie zu Zigtausenden bei der Entstehung des Sonnensystems übrig geblieben sind und seitdem den sogenannten Kuipergürtel bilden.

Fotos sollen Antworten geben - und Fragen stellen

Bislang haben Forscher nur fragmentarisches Wissen über Pluto, das vor allem von Bildern des Hubble-Weltraumteleskops stammt. Für Planetenforscher sei der Eiszwerg "eine noch fast unbekannte Welt", sagt Tilman Spohn, Direktor des Berliner Instituts für Planetenforschung. Die ersten, noch verschwommenen Fotos, die "New Horizons" lieferte, haben unendlich viele neue Fragen mit sich gebracht. Der Vorbeiflug der Sonde soll den Winzling, der mit einem Durchmesser von etwa 2.300 Kilometern kleiner als der Erdenmond (3.500 Kilometer) ist, erstmals kartographieren und - so hoffen Wissenschaftler - viele Jahrzehnte alte Rätsel lösen. Ob es auf dem Pluto schneit, beispielsweise. Oder ob in seinem Eiskern wirklich ein Ozean versteckt liegt. 

Auch deutsche Wissenschaftler sind an dem Projekt beteiligt. Forscher des Rheinischen Instituts für Umweltforschung an der Universität Köln sollen mit Hilfe eines Radiomessgeräts Oberflächentemperaturen von Pluto und seinem Mond Charon messen und die Massen und Dichten von Pluto und Charon direkt bestimmen.

Nach dem Pluto-Besuch soll "New Horizons", die unter anderem zwei US-Münzen und einen kleinen Haufen Asche des 1997 verstorbenen Pluto-Entdeckers Tombaugh an Bord hat, noch tiefer in den Kuipergürtel hineinfliegen. Wie und wohin genau, beraten die Nasa-Wissenschaftler noch.

Christina Horsten, DPA

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