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Fragen und Antworten

Bemannte Raumfahrt: Donald Trump will dahin, wo noch kein Mensch zuvor gewesen ist

Erst der Mond, dann Mars, dann das Sonnensystem: US-Präsident Trump hat zum Aufbruch ins All geblasen. Klar ist aber: Machbar wird das nur mit internationalen und privatwirtschaftlichen Partnern sein.

Fans der Science-fiction-Serie "The Expanse" dürften die Nachricht mit einem Lächeln quittiert haben. Die USA wollen die bemannte Raumfahrt zum wieder aufnehmen und damit die Basis schaffen für Missionen zum Mars, womöglich gar für eine Besiedlung des Roten Planeten. Von dort soll es eines Tages weitergehen zu anderen Welten im Sonnensystem. In der TV-Serie ist das längst Realität, die Erde wird von der Uno regiert, der Mars ist autonom, dort leben inzwischen Menschen, die nie auf der Erde waren, und im Asteroidengürtel zwischen Mars und den äußeren Planeten werden Rohstoffe gewonnen. Selbst diese Region ist bevölkert mit Menschen, die mit der höheren Schwerkraft auf der Erde nicht mehr zurecht kämen. Die Gewalt, Konflikte und Probleme sind allerdings doch sehr irdischer Natur.

Ob Donald Trump mit seiner Unterschrift unter die "Space Policy Directive 1" just am 45. Jahrestag der bisher letzten Mondlandung den allerersten Schritt in eine ähnliche Zukunft gemacht hat, wie sie in "The Expanse" fiktiv beschrieben wird, wird sich zeigen. Mit der Direktive wird die Rückkehr zum Mond jedenfalls wieder offizielle US-Politik. "Diesmal werden wir nicht nur Flaggen aufstellen und unsere Fußabdrücke hinterlassen", tönte Trump nach der Unterzeichnung in gewohnter Manier. Und sein Vize Mike Pence beeilte sich zu betonen, dass sein Chef ein weiteres Versprechen eingelöst habe und die USA die Eroberung des Weltraums anführen werden. Doch schon zwei republikanische Präsidenten vor Trump wollten wieder Menschen zum Mond schicken - passiert ist das nicht.

Nasa verspricht "Meilensteine menschlicher Leistung"

Und das wird es auch diesmal nicht, sollten Trump und seine Nachfolger allzu sehr auf "America first" oder "America only" bestehen. Bei der US-Raumfahrtagentur weiß man, dass im All nur erfolgreich ist, wer international denkt. Selbst die Internationale Raumstation ISS könnte keine der Raumfahrtnationen alleine betreiben; sie ist ein Weltprojekt. Eher artig betont der amtierende Nasa-Chef Robert Lightfoot in einer Stellungnahme zur Trump-Unterschrift, dass man die "Direktive des Präsidenten unterstützt", schließlich weiß er, woher das Geld für kommende Missionen kommt. Dann aber betont Lightfoot: "Wir werden die Besten und Klügsten aus der Regierung und der Privatwirtschaft sowie unsere Partner auf der ganzen Welt ansprechen, um neue Meilensteine in der menschlichen Leistung zu erreichen." Ein großes Versprechen auf die Zukunft.

Entwurf einer per 3D-Drucker erstellten Mondstation: Die Esa und die renommierten Architekten Foster+Partners experimentieren derzeit, ob 3D-Druck mit lunearen Materialien möglich ist.

Entwurf einer per 3D-Drucker erstellten Mondstation: Die Esa und die renommierten Architekten Foster+Partners experimentieren derzeit, ob 3D-Druck mit lunearen Materialien möglich ist.


In der Gegenwart aber stellen sich zunächst einmal ganz grundsätzliche Fragen:

Was macht den Mond als Ziel interessant?

"Ohne den Mond kein Mars", erklärte ein Sprecher der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos kürzlich. Die Erschließung des Mondes sei eine wichtige Etappe, um den zum Roten Planeten technisch zu erleichtern. Auch Trump erklärt bei der Unterzeichnung der Direktive: "Wir werden letztlich das Fundament für eine Mars-Mission legen - und, vielleicht, für viele weitere Welten." Zudem gilt der Mond als Ressourcenlager, das privatwirtschaftlich abgebaut werden könnte. Interessant ist dabei vor allem Helium-3, das auf der Erde praktisch nicht vorkommt. Die 250.000 Tonnen des Edelgas-Isotops, die im Mondgestein gebunden sind, könnten die Erde für 600 Jahre von allen Energiesorgen befreien, heißt es.

Welche Raumfahrtnation will noch Menschen zum Mond schicken?

Russland will bis etwa 2030 den ersten Kosmonauten zum Mond schicken. Das Land will damit dort anknüpfen, wo die Sowjetunion vor Jahrzehnten aufgehört hat: Nach technischen Pannen hatte Moskau in den 1970er-Jahren seine kostspieligen Pläne für eine Mondlandung auf Eis gelegt.

Unter Hochdruck betreibt China Mond-Missionen. Noch vor 2020 will die Volksrepublik eine Sonde mit Landefahrzeug zum Mond schicken und zudem erstmals auf seiner der Erde abgewandten Seite landen. Vorbereitungen laufen auch für die erste bemannte Mondlandung , die nach bisherigen Angaben in etwa 15 bis 20 Jahren geplant ist. Auch Japan plant Landungsmissionen auf dem Erdtrabanten.

Kam die Ankündigung von Donald Trump überraschend?

Die Nasa hatte sich unterstützt vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama jahrelang dem Wahlspruch "Journey to Mars" (Reise zum Mars) verschrieben. Obamas Nachfolger Donald Trump bevorzugte wie viele seiner republikanischen Parteikollegen zunächst den Mond - ein deutlich einfacheres Ziel gerade für bemannte Missionen. "Der Mond ist ein netter Ort für einen Besuch, aber dort leben will man nicht. Zum Mars fliegen würde die Nasa wieder groß machen", hatte Nasa-Manager John Grunsfeld im Sommer gesagt. Mit der Ankündigung Trumps rückt nun auch der Mars wieder in den Fokus.

Haben die USA die Voraussetzungen für bemannte Weltraumflüge?

Der russische Senator und Außenpolitiker Alexej Puschkow schrieb zur Ankündigung Trumps bei Twitter: "Wiederaufnahme der Flüge zum Mond? Schön. Aber wie wollen die Amerikaner ohne Trägerraketen dahin fliegen? Sie können ja nicht einmal die ISS ohne unsere (Raketen) erreichen." Seit die USA 2011 ihr Shuttle-Programm eingestellt haben, müssen sie mit russischen Sojus-Raketen vom Weltraumbahnhof Baikonur aus zur ISS fliegen.

Die Nasa entwickelt derzeit aber die Schwerlastrakete SLS (Space Launch System), die das Raumschiff "Orion" ins All transportieren soll. Zudem gibt es private Raumfahrtunternehmen. Der Chef des US-Unternehmens SpaceX, Elon Musk, zum Beispiel hat angekündigt, schon im kommenden Jahr zwei Touristen auf Mondumrundung schicken zu wollen, einen bemannten Start zum Mars mit der Rakete "Big Fucking Rocket" sieht er für 2024 vor - was Experten allerdings für äußerst ambitioniert halten.

Wie realistisch ist Trumps Ankündigung also?

George Bush sen. hatte 1989, sein Sohn George W. Bush 2004 die Rückkehr zum Mond angekündigt - passiert ist nichts. Wie wird es diesmal? "Man muss abwarten, ob das mehr ist als reine PR", sagte Matthias Steinmetz, Wissenschaftlicher Vorstand des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam (AIP). Zu Zeiten der "Apollo"-Mondmissionen habe das Nasa-Budget bei rund fünf Prozent des gesamten US-Haushalts gelegen, heute betrage es nur einen Bruchteil dessen.

Zudem seien zu Zeiten des Kalten Krieges die Sicherheitsanforderungen bei weitem nicht so hoch gewesen wie in der wissenschaftlichen Raumfahrt heute. "Geflogen sind damals Soldaten, mögliche Verluste waren klar mit einkalkuliert", sagte Steinmetz. "Die ganze Organisation war flexibler und weniger bürokratisch." Klar müsse daher sein, dass das Vorhaben mindestens dieselbe finanzielle und zeitliche Größenordnung habe wie damals. "Unter zehn Jahren wird es mit einer US-Landung auf dem Mond nichts."

Wo stehen die Europäer?

Auch Europa blickt zum Mond. Der Chef der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa), Jan Wörner, wirbt immer wieder dafür, als Nachfolger der Internationalen Raumstation (ISS) eine Basis auf dem Erdtrabanten zu schaffen. Das "Moon Village" soll in internationaler Kooperation entstehen, soll Forschung, Abbau von Ressourcen und sogar Tourismus ermöglichen - und ein Sprungbrett für einen Flug zum Mars sein. Ein klassisches Esa-Programm ist das Dorf bislang nicht, doch forscht die Behörde zusammen mit internationalen Architekten beispielsweise ganz konkret daran, ob Gebäude einer Mondbasis mit lunearem Material mittels 3D-Druck errichtet werden könnten.

Freiwillige für den Flug zum Mond gäbe es wohl genug - auch aus Deutschland. Sowohl Alexander Gerst, der im kommenden Jahr Kommandant auf der ISS sein wird, als auch der zweite deutsche Astronaut Matthias Maurer haben schon mehrfach betont, dass sie sich für den Mond als Flugziel begeistern könnten.


dho mit/DPA