Raumfahrt Weltraumlabor Columbus startet ins All


Bei der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA dürfte der Nikolaus dieses Jahr besonders ausgiebig werden: Am 6. Dezember soll das Weltraumlabor "Columbus" an Bord des Shuttles "Atlantis" seine Reise zur Internationalen Raumstation ISS antreten.

Zwei Jahrzehnte nach der Grundsatzentscheidung über den Bau eines europäischen Weltraumlabors startet "Columbus" nun endlich zur ISS. Am 6. Dezember soll das 13 Tonnen schwere Modul mit Flug STS-122 an Bord der US-Raumfähre "Atlantis" ins All starten und an die Internationale Raumstation andocken. 880 Millionen Euro ließen sich die Europäer ihren wichtigsten Beitrag zum "Außenposten der Menschheit im All" kosten, wobei Deutschland die führende Rolle übernommen hat. Forscher und Ingenieure bauten das High-Tech-Labor in Bremen zusammen, insgesamt flossen dabei Aufträge im Umfang von 450 Millionen Euro an die deutsche Industrie zurück, wie Volker Sobick vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erläutert. Der deutsche Astronaut Hans Schlegel gehört zur "Atlantis"-Crew, er verantwortet maßgeblich das Andocken, den Anschluss und die Verkabelung von "Columbus" an die ISS. Und schließlich wird das Labor vom DLR-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen überwacht.

Das von einer mehreren Zentimeter dicken mehrschichtigen Außenhülle aus Aluminium, Kevlar und Nextel gegen Mikro-Meteoriten und Weltraumschrott geschützte und knapp sieben Meter lange Modul ist keine "Fabrik im All", wie Sobick betont. Mehr als 100 bereits geplante wissenschaftliche Experimente in der Schwerelosigkeit in den Gebieten Biologie, Medizin, Plasmakristall-Forschung und Materialwissenschaften sollen die Astronauten hier durchführen. "Columbus" ist für eine Laufzeit von mindestens zehn Jahren ausgelegt, doch Sobick hofft mit Blick auf die nahezu unverwüstliche russische Raumstation "Mir", dass das Labor auch länger im Einsatz bleibt. Die Europäische Raumfahrtbehörde ESA entscheidet, welche Versuche bis dahin in den fünf standardisierten Nutzlastschränken des zylinderförmigen ISS-Moduls ablaufen werden.

"Da fliegt kein Museum ins All"

Mit Hochspannung erwarten die Forscher den Start von "Columbus", dessen Planungen in die 80er Jahren zurückreichen. 1987 beschloss der ESA-Ministerrat den Bau des Labors, 1996 vergab die ESA den Auftrag an die spätere EADS. Als die Raumfähre "Columbia" 2003 beim Wiedereintritt in die Atmosphäre verglühte und die NASA ein Startverbot für die gesamte Shuttle-Flotte verhängte, musste das Programm mehr als drei Jahre verschoben werden. Die "Columbus"-Techniker nutzten die Zeit, aktualisierten die Software und tauschten Teile mit begrenzter Lebensdauer aus. "Da fliegt kein Museum ins All", sagt Sobick vom DLR: "Das ist state of the art der Technik."

Im Mai 2006 verschwand das Labor dann im Bauch eines gigantischen "Beluga"-Transportflugzeugs von Airbus und wurde zum Kennedy Space Center nach Florida geflogen. Im Oktober brachte eine US-Raumfähre ein in Italien gebautes Verbindungsteil ("Harmony") zur ISS, an das nun "Columbus" und im nächsten Jahr das japanische Labor "Kibo" andocken sollen. Nachdem die Shuttle-Crew bei dem Flug auch ein angerissenes Sonnensegel reparieren konnte, das für die Energieversorgung des europäischen Moduls wichtig ist, steht dem Start des nach dem Entdecker Amerikas benannten Labors nun endlich nichts mehr im Weg. Für ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain dürfte deshalb schon am Nikolaustag Weihnachten sein: "Ich warte seit 20 Jahren, seit ich bei der ESA bin, auf den Beginn des Columbus-Programms. Und ich bin daher ohne Zweifel die Person in Europa, die dem Start des Labors am ungeduldigsten entgegenblickt."

AP AP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker