Weltraumlabor "Columbus sieht gut aus"


Das europäische Weltraumlabor wird endlich in Betrieb genommen, der deutsche Astronaut Schlegel bereitet sich auf seinen ersten Außeneinsatz vor. Wie die Arbeit auf der Raumstation ISS weitergeht - und warum Oberpfaffenhofen jetzt München genannt wird.

Mit einer Lampe, Atemmaske und Schutzbrille schwebt Leopold Eyharts in das neue europäische Weltraumlabor "Columbus". "Auf den ersten Blick sieht Columbus gut aus", meldet der französische Astronaut zur Erde. Nach dem erfolgreichen Andocken des Labors an die Internationale Raumstation ISS öffnete Eyharts zusammen mit seinem deutschen Esa-Kollegen Hans Schlegel am Dienstag) erstmals die Luke zu dem noch unbeleuchteten Labor. Danach inspizierten auch ISS- Kommandantin Peggy Whitson und andere Crewmitglieder das Labor. Bis zum späten Abend waren die Mannschaft und "Columbus"-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen bei München weiter damit beschäftigt, Systeme zum Laufen bringen.

Mit Dichtigkeits- und Drucktests hatte die Crew vorher sichergestellt, dass "Columbus" kein Leck hat. Die Brille trugen die Astronauten beim ersten "Betreten" des Labors zum Schutz vor möglichen Splittern - für den Fall, dass bei der Reise Teile der empfindlichen Einrichtung zu Bruch gegangen waren. "Das ist aber sehr unwahrscheinlich", sagt Markus Bauer von der Europäischen Raumfahrtorganisation Esa. Die Atemmaske sollte unter anderem vor Staubpartikeln schützen.

Nach jahrelanger Verzögerung haben die Europäer einen Meilenstein erreicht, für die europäische Raumfahrt beginnt mit "Columbus" ein neues Kapitel. Denn das Weltraumlabor als rund 880 Millionen Euro teurer Beitrag zur ISS macht die Esa zum wichtigen Partner, die Europäer dürften nun über 8,3 Prozent der Ressourcen auf der ISS verfügen. Die "New York Times" bezeichnete "Columbus" als "Kronjuwel" der europäischen ISS-Beteiligung. "Wir haben jetzt ein eigenes Labor an Bord der ISS, wir sind da Herr im Haus und können sehr attraktive Wissenschaft machen", sagte der Chef des Deutschen Raumfahrtkontrollzentrums, Klaus Wittmann am Dienstagabend.

Ständiger Kontakt mit Houston und Moskau

Rund 75 Wissenschaftler und Ingenieure in Oberpfaffenhofen bei München haben die Kontrolle über das Weltraumlabor. Über Kopfhörer stehen in ständigen Kontakt zu Houston und Moskau, hochkonzentriert verfolgen sie die Aktionen auf der ISS, die live übertragen werden. "Der technische Inbetriebnahmeprozess läuft", sagte Andreas Schütz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Dienstagabend in Oberpfaffenhofen.

"Es ist wie bei einem neuen Auto: Man liest eher mal die Gebrauchsanleitung, bevor man irgendwelche Knöpfe drückt", erläutert Reinhold Ewald der, Leiter der "Columbus"-Mission in Oberpfaffenhofe. Vorsichtiges Vorgehen verzögere die Aktion, etwa habe es geringfügige Probleme bei der Inbetriebnahme des Kühlsystems gegeben. Weil es im Labor deshalb schnell heiß wurde, konnten die Astronauten zunächst immer nur kurz in das Labor. Ewald: "Ich fiebere natürlich mit." Er war 1997 auf der Raumstation Mir, als dort ein Feuer ausbrach.

Nasa-Mitarbeiter sagen nicht Oberpfaffenhofen

Im Kontrollraum rund 25 Kilometer vor den Toren der bayerischen Landeshauptstadt in Oberpfaffenhofen verfolgen die Wissenschaftler an Dutzenden Bildschirmen die Aktionen der Astronauten, zu denen sie nun über Funk und Video rund um die Uhr Kontakt halten. Der Einfachheit halber und zur Vermeidung von sprachlichen Hürden wird es aber im internationalen Funkverkehr nicht Oberpfaffenhofen, sondern München gerufen werden.

Oberpfaffenhofen steuert die technischen Systeme des Labors von der Heizung bis zur Luft- und Wasserversorgung. Das "Columbus"- Kontrollzentrum wird auch die Experimente und das wissenschaftliche Programm von Forschungszentren in ganz Europa koordinieren. "Die Experimente werden Realtests für die Funktionsfähigkeit von "Columbus" sein", erläutert Ewald. Möglicherweise bereits am Donnerstag wird das erste wissenschaftliche "Columbus"-Experiment starten.

Zahlreiche Experimente in der Schwerelosigkeit sind geplant, unter anderem mit Flüssigkeiten, Mikroorganismen, Zellen, Gewebekulturen, Pflanzen und Insekten. Auch die Astronauten selbst spielen Versuchskaninchen. An ihnen sollen die Auswirkungen längerer Schwerelosigkeit wie Muskel- und Knochenschwund sowie Gegenmaßnahmen untersucht werden.

Erster Außeneinsatz für Schlegel

Der deutsche Astronaut Hans Schlegel bereitete sich unterdessen auf seinen ersten "Weltraumspaziergang" vor. Der Vater von sieben Kindern wird nach Thomas Reiter der zweite Deutsche sein, der im Raumanzug im All schwebt. Nachdem Schlegel aus gesundheitlichen Gründen auf den ersten "Weltraumspaziergang" verzichten musste, soll er nun mit seinem US- Kollegen Rex Walheim ins All hinaus. Dabei geht es um die Installation eines neuen Stickstofftanks für das äußere Kühlsystem der ISS.

Sabine Dobel/DPA DPA

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