Satelliten-Absturz Cryosat 2 soll 2008 starten


Am Samstag war der Klimaforschungssatellit Cryosat beim Start ins Eismeer gestürzt, nun will die ESA binnen drei Jahren eine neue Mission starten. Die vermutliche Ursache des Absturzes ist inzwischen bekannt.

Die Europäische Raumfahrtagentur ESA hofft, bis 2008 einen neuen Klimaforschungssatelliten ins All zu schicken. "Wir schätzen, dass innerhalb von etwa drei Jahren der am vergangenen Samstag ins Meer gestürzte Satellit Cryosat nachgebaut werden kann", sagte der Direktor des ESA-Erdbeobachtungsprogramms, Volker Liebig am Dienstag.

"Es hängt davon ab, ob wir ein finanzierbares Angebot von der Industrie bekommen", sagte Liebig. ESA-Missionsexperte Mike Rast sagte bereits am Montag, die notwendigen Mittel für den Bau eines zweiten Satelliten ließen sich möglicherweise durch Umschichtungen beschaffen. Die Entscheidung liege nun bei den Forschungsministerien jener 14 europäischen Staaten, die an Cryosat beteiligt sind. Rast betonte die Bedeutung der Mission für die globale Klimaforschung: "Die Welt braucht diese Messungen dringend." Die Daten, die Cryosat II liefern könnte, seien unersetzlich für die Verbesserung der aktuellen Klimamodelle.

Cryosat sollte die Erde drei Jahre lang umkreisen und dabei die Veränderung der polaren Eismassen beobachten. Der Satellit war mit einem Radarsystem ausgerüstet, das es erlaubt hätte, das Volumen der Polkappen erstmals zentimetergenau zu erfassen.

Cryosat war nicht versichert

Der Satellit war am Samstagabend nördlich von Grönland ins Eismeer gestürzt, weil die russische Trägerrakete Rockot versagt hatte. Nach ersten Ermittlungen war für den Fehlschlag wahrscheinlich ein Programmfehler im Flugkontrollsystem der Rakete verantwortlich. Der Fehler führte dazu, dass sich die zweite Stufe der Rakete nicht wie geplant abschaltete und sich von der dritten Stufe trennte.

"Es war ein ganz klarer Fehler des Launchers (Satellitenstarters), den wir in einer Untersuchungskommission im Detail klären werden", sagte der ESA-Programmdirektor Liebig. Dennoch gebe es zum Start mit umgerüsteten russischen Atomraketen wie Rockot momentan wohl keine Alternative. Die Kosten für die gescheiterte Mission müssen die ESA-Mitglieder allein tragen. Liebig bestätigte, dass der Forschungssatellit nicht versichert war. Dies sei bei Wissenschaftssatelliten unüblich.

Das Budget der Cryosat-Mission belief sich auf 136 Millionen Euro, davon rund 70 Millionen Euro für Entwicklung und Bau des Satelliten, hieß es aus ESA-Kreisen. Der Bau eines baugleichen zweiten Satelliten werde aber erheblich billiger, da die Planungs- und Entwicklungskosten nicht noch einmal anfielen.

DPA/AP AP DPA

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