Vor dem Start der "Discovery" Sicherheitsrisiko Isolierschaum


Beim letzten Flug führte ein herabfallendes Stück Isolierschaum beinah zur Katastrophe. Am Wochenende soll die Raumfähre Discovery erneut starten - und auch diesmal erwartet die Nasa, dass sich Isolierung vom Tank ablösen wird.

Schon unzählige Male wurde versucht, das Problem mit dem Isolierschaum am Treibstofftank zu lösen. Bislang vergeblich. Zuletzt war es ein Sensor am Tank, der einen Start der Raumfähre "Discovery" im Mai verhinderte. Wenige Tage vor dem nunmehr für 1. Juli geplanten Start wird deutlich, dass die Nasa bei den Raumfähren mit schon alt bekannten Problemen zu kämpfen hat. Dies räumt auch der Leiter des Shuttle-Programms, Wayne Hall, ein. Aber er sieht auch deutliche Fortschritte. "Was den Isolierschaum angeht, sind wir jetzt wesentlich klüger als im letzten Jahr", sagt Hall.

Auch diesmal ist damit zu rechnen, dass Stücke abbrechen

Klüger vielleicht, aber immer noch nicht in der Lage zu verhindern, dass sich beim Start Schaum ablöst, der die Raumfähre beschädigen könnte. Ein solcher Vorfall hatte am 1. Februar 2003 zur Explosion der Raumfähre "Columbia" beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre und damit zur vorläufigen Einstellung des Shuttle-Programms geführt.

Der Tank wurde zwar schon für den Start der "Discovery" im vergangenen Jahr überarbeitet, geholfen hat es aber nicht viel. Denn auch danach löste sich wieder Isolierschaum. Jetzt wurden weitere 35 Kilogramm Isolierschaum eingespart - die Nasa spricht von den größten aerodynamischen Veränderungen seit Start der Raumfähren. Aber auch dieses Mal ist damit zu rechnen, dass wieder Stücke abbrechen. "Wir erwarten das", sagt der für den Zusatztank verantwortliche Nasa-Manager John Chapman. "Unser Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass sie klein genug sind, damit sie keinen Schaden anrichten können."

Bei erneutem Unglück droht dem Shuttle-Programm das Aus

In der Nasa ist der Start am 1. Juli, der offiziell nur als Testflug gilt, nicht unumstritten. Einige Manager waren dafür, ganz auf Raumfährenflüge zu verzichten, bis der Tank weiter verbessert werden kann. Nasa-Chef Michael Griffin entschied aber, dass letzteres erst nach dem Flug der "Discovery" geschehen soll. An der Raumfähre wurde seit 2003 vieles ersetzt oder verbessert. Insgesamt kosteten die Änderungen bislang rund 1,2 Milliarden Dollar.

Während des zwölftägigen Flugs wollen die Astronauten vor allem neue Techniken zum Aufspüren von Schäden und für mögliche Reparaturen testen. Weitere Raumfährenflüge sollen dann dem weiteren Ausbau der Internationalen Weltraumstation (ISS) dienen. Unter den sieben Astronauten ist diesmal auch der Deutsche Thomas Reiter, der an Bord der ISS bleiben soll. Erstmals seit 2003 hätte die Raumstation damit wieder die geplanten drei Mann Besatzung.

Die "Discovery" bringt auch 2295 Kilogramm Nachschub mit zur ISS. Von dort soll sie wieder mehr als zwei Tonnen Müll und nicht benötigte Materialien zur Erde zurückbringen. Sollte die "Discovery" doch beim Start beschädigt werden, könnten die Astronauten 81 Tage an Bord der ISS bleiben. So viel Zeit braucht die Nasa, um die nächste Raumfähre für eine Rettungsmission startklar zu machen. Planmäßig soll die "Atlantis" Ende Juli zur Startrampe rollen. Sollte aber noch einmal ein Unglück geschehen, dann wäre dies wohl das Aus für das Raumfährenprogramm. Neue bemannte Raumfahrzeuge wird es bei der Nasa frühestens 2014 geben.

Mike Schneider/AP AP

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