Weltraum-Labor Eine Tonne Wissenschaft


Europa wird auf der Internationalen Raumstation ISS bald nicht mehr nur Untermieter der USA oder Russlands sein. Auch wenn's eng wird - drei europäische Astronauten werden in dem tonnenförmigen "Columbus"-Labor arbeiten.

Am (kommenden) Dienstag wird in Bremen das 880 Millionen Euro teure europäische Raumlabor "Columbus" in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel offiziell vom Hersteller an die Raumfahrtagentur Esa übergeben. Ende 2007 soll "Columbus" dann mit einem Space Shuttle ins Weltall gebracht und dort an der ISS festgemacht werden. "Das ’Columbus’-Labor ist die Eintrittskarte für eine kontinuierliche Forschung und Nutzung auf der ISS", sagt Hartmut Ripken von der deutschen Raumfahrtagentur DLR.

Drei Astronauten in einer 4,5-Meter-breiten Tonne

Von außen sieht der wichtigste europäische Beitrag zur Raumstation aus wie eine überdimensionale Metalltonne. In der acht Meter langen Röhre mit einem Durchmesser von 4,5 Metern verbergen sich Experimentieranlagen für biologische, medizinische und physikalische Forschungen in der Schwerelosigkeit. Drei Astronauten sollen hier arbeiten. So sollen die Wissenschaftler dort die Forschung für einen Computerchip zur Blutuntersuchung vorantreiben. Statt der bisherigen langwierigen Verfahren möchte ein Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen Analysen aus einem Tropfen Blut in Minutenschnelle möglich machen. Der Chip lässt sich unter Schwerelosigkeit besonders exakt konstruieren.

Entwickelt wurde "Columbus" vom Bremer Raumfahrtunternehmen EADS Space Transportation, daran mitgebaut haben 40 Firmen in zehn europäischen Ländern. An der Weser war Ende der 70er Jahre schon das erste europäische Raumlabor "Spacelab" gebaut worden, das 22 Mal mit US-Raumtransportern in den Weltraum flog. Auf Grund des Bremer Know-hows vergab die Esa auch den 880 Millionen Euro teuren Auftrag für Gesamtkoordination und Endfertigung des Nachfolgers in die Hansestadt. Günther Brandt baute schon am "Spacelab" mit und ist heute Projektleiter für "Columbus".

"Das neue Labor bietet viel weiter gehende Möglichkeiten", sagt der 62-Jährige. Auch sei "Spacelab" maximal zehn Tage im All geblieben, das neue Labor aber solle dauerhaft an die ISS andocken. Schäden müssen die Astronauten im All beheben können. Die reibungslose Funktion des Labors werden DLR-Spezialisten in einem Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen überwachen. Zudem hüten die Bremer ein Duplikat aller Verkabelungen in unspektakulären Schaltschränken, um daran etwaige Störungen nachvollziehen zu können.

"Columbus" ist spät dran

Der Praxistest lässt indes schon lange auf sich warten. "Columbus" sollte ursprünglich 2004 mit einem Shuttle zur ISS transportiert werden. Nach der Explosion der Raumfähre "Columbia" aber stellten die USA für lange Zeit alle Flüge ein. In Bremen überlegte man sich in der Zwischenzeit Verbesserungen. So wird man im Orbit keine Löcher mehr in die Hülle bohren können. "Also haben wir das jetzt gemacht, um zusätzliche Kabel nach außen zu ziehen", sagt Brandt. Ein bisschen Zeit bleibt den Ingenieuren auch über den Dienstag hinaus, um im aseptischen Reinraum des Werks letzte Hand an das Labor anzulegen. Erst am 27. Mai soll "Columbus" dann in die USA gebracht werden, wo neue Tests anstehen. Der Start ins All ist für Herbst 2007 geplant.

Imke Zimmermann/AP AP

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