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Wettersatellit: MetOp A ist in der Luft

Sechs Mal musste der Start verschoben werden, bevor der Wettersatellit MetOp A endlich in seine Umlaufbahn geschossen werden konnte. Nun umkreist der Satellit die Erde, um exakte Daten zu Wetter und Klima zu liefern - fünf Tage im Voraus.

Der über vier Tonnen schwere und mehr als sechs Meter hohe Wettersatellit MetOp ist gestartet: An Bord einer Soyuz-Rakete wurde er in eine etwas mehr als 800 Kilometer hohe Umlaufbahn befördert. Ein Startversuch am vergangenen Dienstag war wenige Sekunden vor dem Abheben wegen eines softwarebedingten Fehlalarms gestoppt worden. Auch der nächste Starttermin am Mittwoch musste wegen starker Höhenwinde verschoben werden - die sechste Verschiebung in Folge. Nach den Worten des Vizepräsidenten von Arianespace, Francois Maroquene, sind solche Winde über Baikonur sehr selten.

Ursprünglich sollte MetOp A schon im Juli in seine Umlaufbahn geschossen werden. Der jetzt erfolgreiche Start wurde im Raumfahrtkontrollzentrum mit Applaus begrüßt. "Jetzt können wir erst einmal alle etwas aufatmen", sagte Eumetsat-Sprecherin Livia Briese. Der Vollbetrieb des Satelliten setzt erst nach einem Zeitraum zwischen zwei und sechs Monaten ein.

Bislang unerreichte Genauigkeit

MetOp A unterscheidet sich in seiner über die Pole führenden Bahn stark von vielen der bisher üblichen Wettersatelliten, die sich im so genannten geostationären Umlauf in rund 36.000 Kilometern Höhe über dem Äquator befinden und von der Erde aus gesehen immer an der gleichen Stelle stehen. Der neue Wetterbeobachter ist sehr viel näher an der Erde und kann daher sehr viel präzisere Aufnahmen machen. Vor allem aber wird er auch die Gebiete um die Pole exakt erfassen, was geostationäre Satelliten nicht können.

Tatsächlich erwarten die Wissenschaftler beim europäischen Wettersatellitenbetreiber Eumetsat in Darmstadt von MetOp Daten von bisher unerreichter Genauigkeit. Seine Bahn über die Pole führt den Satelliten innerhalb von 110 Minuten einmal um den Globus, also 13 Mal am Tag. Nach fünf Tagen haben die Messinstrumente von MetOp die komplette Erdoberfläche erkundet.

15 Jahre Messungen kosten 2,4 Milliarden Euro

An Bord des sechseinhalb Meter hohen Geräts befinden sich europäische und US-amerikanische Instrumente. Außer den eigentlichen Wetterdaten wie Temperatur, Luftdruck, Feuchtigkeit, Wolkenbildung und Windströmungen können sie auch die Konzentration von Ozon, Methan und anderen Spurengasen in der Atmosphäre und die Intensität des Strahlungsgürtels um den Planeten bestimmen. Zudem kann MetOp Notrufe von Flugzeugen und Schiffen aufnehmen und weiterleiten. Ein amerikanischer Satellit gleicher Bauart und fast gleicher Umlaufbahn liefert zeitversetzt ergänzende Daten. Die Daten beider Satelliten werden gemeinsam von europäischen und amerikanischen Wissenschaftlern genutzt.

Die Lebensdauer von MetOp A ist auf fünf Jahre veranschlagt. Danach sollen im Abstand von jeweils fünf Jahren noch zwei weitere mehr oder weniger baugleiche Satelliten folgen, MetOp B und MetOp C.

Die Kosten des gesamten Programms mit drei Satelliten belaufen sich auf 2,4 Milliarden Euro. Federführend für Entwicklung und Zusammenbau der drei Satelliten ist EADS-Astrium in Toulouse. Das meteorologische Kernstück der Sonde kommt aus Deutschland und wurde bei EADS - Astrium in Friedrichshafen entwickelt und gebaut.

Gleichzeitig stellte die beim Start über 300 Tonnen schwere Soyus-Rakte einen neuen Weltrekord auf. Mit 1714 erfolgreichen Flügen hat sie mehr Einsätze absolviert als jede andere Trägerrakete zuvor.

Reuters / Reuters
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