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Neue Theorie Studie: Durch das Aussterben großer Tiere vergrößerte sich das menschliche Gehirn

Frühe Menschen erlegen ein großes Tier
Frühe Menschen erlegen ein großes Tier
© Manfred Bail / Picture Alliance
Kleinere Beute, größeres Gehirn: Laut einer neuen Theorie der Universität Tel Aviv führte das Aussterben von großen Tieren möglicherweise zu einem Wachstum des menschlichen Gehirns.

Ein Leben als Jäger und Sammler – diese Vorstellung des frühen Menschen ist bekannt. Aber welche Auswirkungen hatte dieses Jagdverhalten nicht nur auf die Beute, sondern auch auf den Jäger selbst? Dazu haben zwei Forscher der Universität Tel Aviv jetzt eine neue Theorie in der Fachzeitschrift "Quaternary Journal" veröffentlicht. Darin versuchen sie, die Entwicklung vom ersten Auftreten der Menschen vor etwa zwei Millionen Jahren bis zur landwirtschaftlichen Revolution 10.000 v. Chr. nachzuzeichnen.

Der frühe Mensch als herausragender Jäger, spezialisiert auf das Erlegen von Großwild, so sehen die Paläoanthropologen Dr. Miki Ben-Dor und Prof. Ran Barkai von der Universität Tel Aviv den frühen Menschen. Dabei war Großwild vor mehr als 2,6 Millionen Jahren von beachtlicher Größe. Das Durchschnittsgewicht von Landsäugetieren in Afrika lag bei fast 500 kg. Diese Tiere verfügten demnach nicht nur über einen hohen Fettanteil und stellten dadurch eine wichtige Energiequelle für den Menschen dar, sondern waren aufgrund ihrer schieren Größe einfache Beute. Jedoch beraubten sich die Jäger im Verlauf der Zeit ihrer eigenen Nahrungsquelle: Ihr Jagdverhalten führte nach und nach zum Aussterben dieser großen Tiere. Bis zum Aufkommen des Siedlerdaseins sank das Durchschnittsgewicht von Beutetieren um mehr als 90 Prozent auf rund zehn Kilogramm.

Besser angepasst durch größeres Gehirn

Um weiterhin das eigene Überleben zu sichern und den eigenen Energiebedarf zu decken, musste der frühe Mensch sich an die veränderten Lebensumstände anpassen und neue Beutetiere suchen. Die Jagd mittlerer und kleiner Tiere barg jedoch neue Herausforderungen mit einschneidenden Konsequenzen für den Jäger, so die Theorie der Forscher.

Da es sich bei diesen Tieren in der Regel um Fluchttiere handelte, musste das menschliche Jagdverhalten entsprechend verändert werden: schnelle Verfolgung und schnelle Entscheidungen, aber auch Cleverness und Wagemut waren nötig, um erfolgreich zu sein. Auch das Einprägen der typischen Verhaltensweisen der Beute war entscheidend. Der Bedarf nach ausgeprägteren kognitiven Fähigkeiten führte den Ergebnissen von Ben-Dor und Barkai zufolge zu einer merklichen evolutionären Veränderung: Das menschliche Gehirn verdoppelte sein Volumen von 650 auf 1500 Kubikzentimeter.

Vom Jäger zum Siedler

Als auch die Population mittlerer und kleiner Beutetiere zu sinken begann, konnte der frühe Mensch sein Jagdverhalten dank gesteigerter geistiger Leistungsfähigkeit weiter ausbauen. Den Einsatz von Pfeil und Bogen sowie Hunden als Jagdhelfer nennen die Forscher als Konsequenz. Jedoch geriet die Energieversorgung trotz dieser Hilfsmittel in ein Ungleichgewicht. Die Tiere waren zu klein geworden und lieferten nicht mehr genug Energie, um die in der Jagd verbrauchte zu kompensieren.

Zu dieser Zeit um 10.000 v. Chr. setzte jedoch die landwirtschaftliche Revolution ein und die Menschen wurden sesshaft. Durch die Domestizierung und den Anbau von Pflanzen konnten sie fortan ihren Energiebedarf decken und auch ihre Gehirne wurden wieder kleiner. Sie schrumpften auf das heutige Durchschnittsvolumen von 1300 bis 1400 Kubikzentimeter.

Quellen: "Daily Mail" / "Quarternary Journal"


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