HOME

Erste Transplantation: "Wir waren überzeugt, dass es klappen wird"

Als sich der Amerikaner Ronald Herrick vor 50 Jahren entschloss, eine Niere für seinen todkranken Zwillingsbruder zu spenden, dachte er nicht daran, dass er damit Medizingeschichte schreiben würde.

Ronald Herrick wollte nur eines: das Leben seines Bruders Richard retten. Nicht einen Augenblick habe er zu diesem Schritt gezögert, sagt der heute 73-Jährige. Seiner Entscheidung folgte die weltweit erste erfolgreiche Organtransplantation. Die historische Operation am 23. Dezember 1954 im damaligen Peter Bent Brigham Hospital in Boston im US-Staat Massachusetts dauerte fünfeinhalb Stunden. Sie sicherte nicht nur das Leben von Herricks Bruder für weitere acht Jahre, sondern führte zu zigtausenden Nierentransplantationen in aller Welt und schließlich auch zur Verpflanzung weiterer Organe vom Herzen bis zur Leber. Herricks Arzt Joseph Murray brachte der Eingriff 1990 den Nobelpreis für Medizin ein.

25.000 Nieren werden jährlich in den USA transplantiert

"Es war ein Anfang, dem seither eine riesige Menge Transplantationen folgten", sagt Ronald Herrick, der heute mit seiner Frau Cynthia in der Ortschaft Belgrade im US-Staat Maine lebt. Sein Zwillingsbruder Richard starb am 14. März 1963, nachdem er auch mit der gespendeten Niere Probleme bekommen hatte, die allerdings nicht auf die Operation zurückzuführen waren.

Seit jener ersten erfolgreichen Transplantation vor einem halben Jahrhundert wurden allein in den USA mehr als 400.000 Nieren verpflanzt. Heute werden dort jährlich etwa 25.000 Nieren transplantiert, in Deutschland etwa 2.300. Rund 12.000 Menschen warten in Deutschland derzeit auf eine Spenderniere.

Vor der geschichtsträchtigen Operation im Dezember 1954 hatte es schon mehrere erfolglose Versuche von Organtransplantationen gegeben. Die Patienten starben aber alle, weil der Körper das fremde Organ abstieß. Auch als Ronald Herrick damals auf die Ärzte zuging und eine Niere für seinen Bruder anbot, sagten sie zunächst, das sei nicht möglich. Dann aber kamen sie zu dem Schluss, dass die Gefahr einer Abstoßungsreaktion vielleicht geringer sei, da es sich bei den Brüdern um eineiige Zwillinge handelte.

Im Krankenhaus die große Liebe gefunden

Neben medizinischen Problemen mussten vor der Operation aber auch andere Hürden überwunden werden, wie der Arzt Murray rückblickend erzählt. Viele hätten damals Organverpflanzung noch mit Leichenschändung gleichgesetzt. Manche Kirchenführer seien außerdem der Ansicht gewesen, die Ärzte griffen damit in die Schöpfung ein und spielten Gott, erinnert sich der heute 85-jährige Mediziner und Nobelpreisträger in einem Gespräch mit AP. "Wir wollten jeden wissen lassen, dass wir nichts Anstößiges tun oder gedankenlos handeln."

Große Angst habe er damals nicht gehabt, sagt Ronald Herrick. "Wir waren überzeugt, dass es klappen wird." Und es klappte dann auch wirklich. Ronalds todkrankem Zwillingsbruder wurden mit der Operation acht weitere Lebensjahre geschenkt. Und Richard lernte während des Klinikaufenthalts seine Frau kennen, die dort als Krankenschwester arbeitete und ihn betreute.

Heute sind Organtransplantationen zur Routine geworden, nicht zuletzt deshalb, weil es inzwischen Medikamente gibt, die eine Abstoßung der fremden Organe verhindern. Nahezu ein Jahrzehnt nach der ersten erfolgreichen Nierentransplantation wurde die erste Leber verpflanzt. Und 1967 erfolgte in Südafrika die erste Herztransplantation unter Leitung des Chirurgen Christiaan Barnard.

Glenn Adams, AP