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Eiszeit: Säbelzahntiger hatten keinen Biss

Sie waren zwar mit mächtigen Reißzähnen ausgestattet, aber konnten im Vergleich zu heutigen Löwen nur schwach zubeißen. Der eiszeitliche Säbelzahntiger musste seine Beute vielmehr mit den Pfoten festhalten, um sie zu erlegen.

Säbelzahnkatzen waren im Vergleich zu heutigen Löwen eher schwache Beißer. Das Gebiss der vor etwa 10.000 Jahren ausgestorbenen Raubtiere entwickelte nur etwa ein Drittel der Kräfte, die bei ihren noch lebenden Verwandten gemessen wurden. Das sagen australische Wissenschaftler, die mit Computersimulationen die Beißkräfte von Säbelzahnkatzen bestimmten. Mit ihren mächtigen Zähnen konnten die Katzen ihren Beutetieren zwar tödliche Bisse zufügen, doch mussten sie diese dabei mit ihren Pranken festhalten. Ihre Ergebnisse stellen die Forscher um Coin McHenry von der Universität von Newcastle in Calaghan im Fachmagazin "PNAS" vor.

Die Wissenschaftler hatten für ihre Simulationen zunächst Computertomographien von fossilen Schädeln angefertigt und die gewonnenen Daten in einer Simulationssoftware ausgewertet. Referenzgrößen lieferten die Schädel von Löwen und die bei diesen Großkatzen ermittelten Beißkräfte. In die 3D-Simulationen flossen zudem Abschätzungen über die Muskelmasse der Säbelzahnkatzen ein.

Säbelzahntiger arbeiteten mit den Pfoten

Nach den Ergebnissen waren bei den Säbelzahnkatzen der Kiefer und die zugehörige Muskulatur den Kräften eines zappelnden Beutetiers kaum gewachsen. Anders als Löwen, die ihre Beutetiere mit weitaus kräftigerem Biss im Extremfall mehr als zehn Minuten festhalten können, bis diese erschöpft oder tot zusammenbrechen, mussten die urzeitlichen Raubtiere daher zu anderen Tötungstechniken greifen: Sie hielten ihre Beutetiere nicht mit dem Gebiss, sondern mit ihre besonders kräftigen Vorderläufen fest, um ihnen dann mit den mächtigen Hauern einen tödlichen Biss in den Hals zu versetzen, vermuten die Wissenschaftler.

Säbelzahnkatzen gehörten mit ihren bis zu 20 Zentimeter langen Eckzähnen neben den Mammuts zu den spektakulärsten eiszeitlichen Großtieren. Sie waren einst auf allen Kontinenten mit Ausnahme von Australien verbreitet und werden häufig auch als Säbelzahntiger bezeichnet, obwohl sie mit Tigern nicht näher verwandt sind. In Europa starben sie vor etwa 40.000 Jahren und damit lange vor dem Neandertaler aus. Am längsten hielten sich Vertreter dieser Unterfamilie in Nordamerika, wo die jüngsten Funde etwa 10.000 Jahre alt sind.

DDP / DDP
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