Erdbebenstudie Nachbeben rund um den Globus


Schwere Beben lassen die Erde gehörig erzittern. US-Forscher entdeckten nun, dass einer solchen Erschütterung noch Stunden später Vibrationen folgen: weltweit und oft Tausende Kilometer vom Epizentrum entfernt.

1994 ließ ein schweres Beben von 7,3 auf der Richterskala nicht nur Kalifornien erzittern. Es wackelte sogar noch im Yellowstone Nationalpark, dabei liegt dieser mehrere Hundert Kilometer vom Epizentrum entfernt. Können schwere Erdbeben über so große Entfernungen Nachbeben auslösen? Das geht zumindest aus einer Auswertung US-amerikanischer Forscher hervor, die insgesamt 15 starke Beben aus den Jahren 1992 bis 2006 untersuchten.

Die Erde bebt: Seismologen zählen rund um den Erdball ungefähr 600 kleine Beben pro fünf Minuten. Diese Zahl steigt jedoch drastisch an, wenn sich irgendwo auf der Erde ein schweres Beben ereignet, wie die Wissenschaftler um Velasco in ihrer Analyse herausfanden. Sie konnten zeigen, dass über einen Zeitraum von fünf Stunden nach dem Erdbeben die Zahl kleiner Folge-Beben um 37 Prozent anstieg. Allerding nur, wenn zuvor eine von dem schweren Erdbeben ausgehende sogenannte "Love-Welle" über die betreffende Region hinweggegangen war. Nach Durchgang der sogenannten "Rayleigh-Welle" wuchs die Aktivität sogar um 60 Prozent.

"Love-Wellen" und "Rayleigh-Wellen" sind Wellenformen, die sich nur an der Erdoberfläche ausbreiten können. Beide Wellen haben wohl von allen seismischen Wellen die größte Zerstörungskraft. "Es ist sehr interessant, dass diese beiden ansonsten recht unterschiedlichen Wellen solche Nachbeben auslösen können",sagte Autor Kris Pankow von der Universität Utah.

Beben von Kontinent zu Kontinent

Und die Wirkung dieser Oberflächenwellen scheint sogar über Tausende Kilometer hinweg zu reichen: So löste das schwere Erdbeben, das Weihnachten 2004 in Südostasien den verheerenden Tsunami verursachte und knapp 230.000 Menschenleben forderte, sogar in Ecuador Erdstöße aus, sagen die Forscher. "Früher dachte man, dass solche Nachbeben nur in einer seismisch aktiven und näheren Umgebung auftreten", sagte Pankow. Die US-Forscher gehen nun allerdings davon aus, dass diese Welle von Erschütterungen ein weltweites Phänomen ist.

Wie die Love- und Rayleigh-Wellen jedoch über so große Distanzen hinweg die Entstehung kleiner Erdbeben fördern, wissen die Forscher nicht. "Der physikalische Mechanismus ist noch unbekannt", sagte Pankow. Möglich sei jedoch, dass die Wellen die unterirdische Verteilung von Wasser beeinflussen und so die Entstehung von Beben begünstigen. Andere Wissenschaftler vermuten, dass die Wellen Spannungen in der Erdkruste aufbauen oder abschwächen und dadurch Erdstöße auslösen.

nis/DDP DDP

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