Fischzucht Wie Lachsfarmen den Wildlachs töten


Lachse in Aquakulturen züchten, statt wildlebende Exemplare aus dem Meer zu fischen: Das klingt gut. Doch die Hinweise, dass Lachsfarmen großen Schaden anrichten, häufen sich. Laut einer neuen Studie könnten sie sogar den weltweiten Wildlachsbestand um die Hälfte dezimieren.

Bereits seit längerem ist bekannt, dass aus Aquakulturen entwichene Lachse Krankheiten und Parasiten auf ihre freilebenden Artgenossen übertragen. Zudem paaren sie sich mit den wildlebenden Verwandten, was sich negativ auf den Bestand auswirkt. Jennifer Ford und Ransom Myers von der Dalhousie University im kanadischen Halifax berichten im Journal "Plos Biology" über die globale Größenordnung des verheerenden Einflusses: Die Wildlachsbestände könnten sich wegen der Aquakulturen weltweit halbieren.

Mehr als eine Million Tonnen Lachs werden derzeit jährlich in Aquafarmen produziert. Die Biologen untersuchten insgesamt fünf Meeresregionen vor Schottland und Irland sowie vor der Atlantik- und der Pazifikküste Kanadas auf Basis von Daten seit den 1960er-Jahren. Dabei verglichen sie die Bestände von Meeresforellen und verschiedenen Lachsarten. Einige kamen auf dem ersten Weg ins Meer nah an Lachsfarmen vorbei, andere nicht. "Wir haben einen bedeutenden Schwund bei der Überlebensrate von Populationen festgestellt, die Lachsfarmen ausgesetzt waren", schreiben Ford und Ransom.

Durch die Kombination verschiedener regionaler Schätzungen errechneten sie einen Rückgang der Wildbestände um teilweise mehr als 50 Prozent. Der Schwund fiel umso drastischer aus, je stärker der Ausbau der Aquakulturen in diesen Regionen fortschritt, heißt es in dem Journal. "Die Auswirkungen der Lachsfarmen auf die Wildlachse zu reduzieren, sollte hohe Priorität haben", empfehlen die Autoren. Seit Ende der 80er-Jahre geht der Wildlachsbestand vor allem im Nordatlantik, aber auch in großen Teilen des Nordost-Pazifiks dramatisch zurück.

Parasiten fressen Haut und Muskel

Im Dezember berichtete ein Team um Martin Krkosek von der University of Alberta im Fachmagazin "Science" wie massiv Lachsfarmen den wildlebenden Buckellachsen um das Broughton Archipelago schaden. Diese Inselgruppe liegt 260 Kilometer nordwestlich von Vancouver. Die Biologen kamen zu dem erschreckenden Ergebnis, dass die Buckellachse dort innerhalb von vier Jahren nahezu ausgerottet sein könnten.

Denn junge Lachse, die in die Nähe von Aquakulturen kommen, stecken sich oft mit Fischläusen an. Diese Parasiten ernähren sich von der Haut und dem Muskelgewebe des Fisches, beißen also regelrecht Löcher in ihn hinein. Ausgewachsene Lachse können es überleben, wenn sie von wenigen Parasiten befallen sind. Junge Tiere haben dagegen nahezu keine Chance. Fischläuse verbreiten sich im Gedränge der Aquakulturen stark. Ihre Larven gelangen zu den jungen Wildlachsen, wenn diese an den in Flussmündungen gelegenen Aquakulturen vorbeischwimmen. Jennifer Ford, die an der Studie mitarbeitete, fasst zusammen: "Die Auswirkung der Fischläuse ist größer als die des kommerziellen Fischfangs, der früher in dieser Region betrieben wurde."

Eine Möglichkeit, dieses Risiko - ebenso wie die Zahl der aus Aquakulturen entwichenen Lachse- zu minimieren, wären geschlossene Aquakulturen. Also keine offenen Netze, wie sie jetzt verwendet werden, sondern komplett abgetrennte Behälter. Die Frage ist allerdings, ob Lachszüchter dies tatsächlich umsetzen.

DPA/bub DPA

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