HOME

Galápagos-Inseln: Rosa Leguane von Darwin übersehen

Auf den Galápagos-Inseln gibt es rosafarbene Landleguane - und das schon viel länger, als bislang vermutet. Die Tiere wurden trotz ihrer auffälligen Färbung jedoch nicht von Charles Darwin, sondern zufällig von einem Nationalparkmitarbeiter entdeckt. Ihre Abstammung wurde nun genauer erforscht.

Obwohl die Galápagos-Inseln seit Langem intensiv erforscht werden, sind die rosafarbenen Tiere erst 1986 erstmals beobachtet worden. Sie leben ausschließlich auf einer einzigen Insel des Galápagos-Archipels. Bislang waren auf Galápagos nur zwei unterschiedliche Arten von Landleguanen bekannt, die beide zur Gattung der Drusenköpfe (Conolophus) gehören. Eine internationale Forschergruppe hat nun bei der genauen Untersuchung festgestellt, dass die rosa Tiere eine eigene, dritte Art darstellen. Über ihre Ergebnisse berichtet das Team um Gabriele Gentile von der Universität Tor Vergata in Rom in der Fachzeitschrift "PNAS". Die Wissenschaftler gaben den bislang kaum untersuchten drachenähnlichen Tieren aufgrund ihrer Färbung den Namen "Rosada", was auf Spanisch "Rosa" bedeutet.

Erstaunliche Entdeckung im 21. Jahrhundert

Die Rosadas kommen nur in der Nähe des Vulkans Wolf auf der Galápagos-Insel Isabela vor und waren auch von Charles Darwin während seiner Expedition 1835 übersehen worden. Es sei erstaunlich, im 21. Jahrhundert noch eine Entdeckung dieses Ausmaßes zu machen, sagte Washington Tapia vom Forscherteam des Galápagos-Nationalparks. Die Wissenschaftler hätten die Echsen, die rosafarben mit schwarzen Flecken sind, zunächst für normale Echsen mit Pigmentstörungen gehalten, berichtete er.

Nach eingehenden genetischen Untersuchungen gehen die Forscher um Gabriele Gentile nun davon aus, dass die Entwicklungslinie der Landechsen mit der eigenwilligen Färbung sich wesentlich früher von ihren gut erforschten, gelblich gefärbten Artgenossen abspaltete, als bisher vermutet. Die Entwicklungspfade der Rosadas und der übrigen Landleguane teilten sich wohl schon vor rund 5,7 Millionen Jahren, ermittelten die Forscher mit ihren Untersuchungen. Bislang waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass sich die Drusenköpfe erst während des Pleistozäns auseinander entwickelt hatten - dieses Erdzeitalter begann rund 1,8 Millionen Jahre vor unserer Zeit und endete vor etwa 11.500 Jahren. Zwar seien die Tiere noch in der Lage, sich untereinander fortzupflanzen, erklären die Wissenschaftler. Dennoch seien die genetischen Unterschiede so groß, dass eine Klassifikation als eigenständige Art gerechtfertig erscheine. Eine formelle Beschreibung verschoben sie aber auf einen späteren Zeitpunkt.

Die neuen Ergebnisse stellen Gentile und seine Kollegen allerdings vor ein Rätsel: Der Vulkan Wolf, an dem die Rosadas bislang ausschließlich entdeckt wurden, war zur Zeit der angenommenen Artenspaltung noch gar nicht entstanden. Um die Tiere weiter erforschen zu können, müsse aber zunächst ihr Schutz gewährleistet werden, fordern die Wissenschaftler. Den derzeit verfügbaren Daten zufolge seien die Rosadas unmittelbar vom Aussterben bedroht.

DDP/AFP
Themen in diesem Artikel