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Hesperonychus Elisabethee: Raubsaurier war nicht größer als Hauskatze

Kanadische Forscher haben den bislang kleinsten fleischfressenden Dinosaurier Nordamerikas entdeckt, der nur einen halben Meter maß. Der Fund soll auch Aufschlüsse darüber geben, wie das Ökosystem in Nordamerika vor 75 Millionen Jahren ausgesehen hat.

Die Wissenschaftler rekonstruierten aufgrund von bis zu 25 Jahre alten Fossilienfunden die Gestalt des zwergenhaften Dinos, der sich wahrscheinlich von Insekten, kleinen Säugetieren und Amphibien ernährte. Ihre Erkenntnisse veröffentlichten sie in der US-Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Hesperonychus Elisabethee lebte vor rund 75 Millionen Jahren auf dem Kontinent, wie Paläontologen von der Universität in Calgary berichteten. "Hesperonychus ist bis jetzt der kleinste Dinosaurier Nordamerikas, den wir kennen, und es wird wahrscheinlicher, dass es noch kleinere zu entdecken gibt", sagt der Paläontologe Nick Longrich von der Universität in Calgary, einer der Autoren des Berichts. Tiere in der Größe des Dinosauriers müssen den zahlreichen Funden zufolge zahlreicher gewesen sein, als gedacht. "Die Funde zeigen, dass diese kleinen Dinosaurier eine größere Rolle im Ökosystem spielten, als wir bis jetzt geglaubt haben. Die vergangenen hundert Jahre haben wir einen Großteil der nordamerikanischen Dinosauriergemeinschaft schlichtweg übersehen", sagt Longrich. Der kleinste, fleischfressende Dinosaurier Nordamerikas, der bis jetzt bekannt war, hatte ungefähr die Größe eines Wolfes. Der Fund des Mini-Sauriers Hesperonychus von nur bis zu einem halben Meter Größe und zwei Kilogramm Gewicht sei ein Hinweis auf die Vielfalt prähistorischer Raubtiere, erklärten die Forscher. Hesperonychus ähnelte in seiner Gestalt einer Miniaturausgabe des bekannten Velociraptors, mit dem er auch verwandt ist. Ähnlich wie der Velociraptor bewegte sich Hesperonychus auf zwei Beinen, hatte scharfe Klauen und eine große sichelartige Klaue auf seinem zweiten Zeh. Beim Velociraptor wurde diese Sichelklaue bis zu sieben Zentimeter lang.

Die fossilierten Knochen des Hesperonychus wurden bereits 1982 an mehreren Orten der kanadischen Provinz Alberta gefunden, gerieten jedoch in Vergessenheit. Erst vor zwei Jahren befassten sich die Forscher um Longrich wieder mit den Funden. Das wichtigste Stück, ein fossilierter Beckenknochen, wurde von der Paläontologin Elizabeth Nicholls entdeckt. Ihr zu Ehren erhielt der Saurier den Beinamen "Elisabethee".

lea/AFP / AFP