Insekten Mücken-Nachwuchs auf dem Trockenen


Die deutschen Mücken haben Nachwuchs-Probleme. Aufgrund des bisher trockenen Klimas konnten die Larven noch nicht schlüpfen. Dennoch kann es immer noch zu einer Mückenplage kommen.

Kein unfreiwilliger Spurt während des Spaziergangs am Nachmittag, kein wildes Fuchteln mit der zusammen gerollten Zeitung und kaum ein hektisches Aufspringen beim abendlichen Grillen. Viele Menschen in Deutschland dürften die ersten Wochen des Sommers als angenehm ruhig empfunden haben. Denn durch die ungewöhnliche Hitze und Trockenheit von Mai und Juni haben sich Stechmücken und andere Insekten bislang recht wenig vermehrt. «Das heißt aber nicht, dass das so bleibt», warnt Andreas Taeger vom Deutschen Entomologischen Institut (DEI) in Müncheberg.

Warten auf günstiges Klima

«Die Larven sind nicht abgestorben. Sie warten auf günstige Bedingungen zum Ausschlüpfen.» Das seien Feuchtigkeit und Wärme. Die Zeit dafür reiche bis weit in den Juli hinein. Zudem hat von Ende August bis September eine weitere Generation der geflügelten Piekser ihre Schlupfzeit. Eine genaue Prognose für die 46 in Deutschland lebenden Arten von Stechmücken will Taeger nicht abgeben. «Das wäre Kaffeesatzleserei.»

Mücken sind schlimmste Sommerplage

Den meisten Deutschen würden jedoch gerne ganz auf die Mücken verzichten. Bei einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid hatten 57 Prozent der Befragten im vergangenen Monat Mücken als schlimmste Sommerplage bezeichnet. Die kleinen Quälgeister landeten damit auf Platz Eins.

Am meisten haben die so genannten Überschwemmungsmücken der Gattung Aedes bisher den Regen vermisst. Sie entwickeln sich in Gewässern wie Pfützen oder Überflutungsflächen von Flüssen, die sich nur durch Güsse von oben bilden. «Sie sind die wirklichen Plagegeister, die in der freien Natur weit verbreitet sind. Sie fliegen schon tagsüber und vermiesen uns sowohl den Spaziergang am Nachmittag, als auch den lauen Sommerabend», sagt der Vizepräsident der Münchner Entomologischen Gesellschaft (MEG), Ernst-Gerhard Burmeister.

Wenn sie einmal da sind, kann man sich nur schwer vor ihnen schützen. «Am besten ist es, das Weite zu suchen, wenn man merkt, dass irgendwo viele Mücken sind», rät Taeger. Giftig sind die Stiche zwar nicht, aber sie lösen einen quälenden Juckreiz aus und können sich Entzünden, wenn sie aufgekratzt werden. Nach Schätzungen leiden außerdem bis zu fünf Prozent der Deutschen an Insekten-Allergien.

Jeder kann etwas gegen Mücken machen

Unabhängiger vom Wetter sind nach Angaben von MEG-Forscher Burmeister die Hausmücken (Culex). «Da schaffen wir uns die Plage oft selber», meint er. «Sie entwickeln sich in stehenden Gewässern in der Nähe von Häusern. Dabei genügt ihnen der Untersatz eines Blumentopfes, der zu selten geleert wird.» Immerhin lasse sich ihre Verbreitung leichter eindämmen. «Jeder Einzelne kann etwas tun. Zum Beispiel mit einer über die Regentonne gelegten Gardine oder indem er überprüft, ob das Wasser aus der Regenrinne auch wirklich abläuft.» Auf die Jagd nach unserem Blut machen sich dabei nur die weiblichen Tiere. Haben sie sich vollgesaugt, können sie jederzeit neue Eier legen. Feste Schlupfperioden gibt es nicht.

Die Bienen scheinen sich in jedem Fall zu erholen, nachdem die Varroa-Milbe und das Kaschmir-Virus die Anzahl der Bienenvölker in Deutschland seit dem Herbst des vergangenen Jahres um fast 30 Prozent dezimiert hatten. «Aus den überlebenden Völkern konnten neue Jungvölker aufgebaut werden», sagt der Leiter des Niedersächsischen Landesinstituts für Bienenkunde in Celle, Werner van der Ohe. «Wir hoffen, dadurch noch in diesem Jahr eine ähnliche Population wie 2002 zu erreichen.»

Schlechte Ernährungssituation für Wespen

Eher indirekt betroffen von der Trockenheit waren hingegen die Wespen. Da sie sich von anderen Insekten ernähren, müssen sie hungern, wenn ihren kleineren Verwandten das Wasser fehlt. «Sie haben bisher eine schlechte Ernährungssituation vorgefunden», beschreibt Burmeister das Dilemma der geflügelten Räuber. Eine Prognose über die Entwicklung der Wespenvölker, die normalerweise gegen Ende Juli ihre Spitze erreicht, sei jedoch nicht möglich.

Michael Becker DPA

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