IPCC Druck auf Weltklimarat wird immer größer


Die Kritik am IPCC wird lauter. Nach der Fehlprognose zur Gletscherschmelze im Himalaya fordern manche Forscher nun, den Weltklimarat zu reformieren - oder gar aufzulösen. Andere meinen hingegen, das Gremium würde gestärkt aus der Debatte hervorgehen.

Immer mehr Forscher sprechen sich dafür aus, den Weltklimarat (IPCC) von Grund auf zu reformieren - oder gar aufzulösen. "Der IPCC braucht eine Generalüberholung", schreibt der britische Wissenschaftler Mike Hulme von der britischen Universität East Anglia in einem am Mittwoch veröffentlichten Beitrag für die Fachzeitschrift "Nature".

"Seine Struktur und seine Verfahren haben das Verfallsdatum überschritten", meint Hulme. Er schlug vor, den von den Vereinten Nationen eingesetzten Klimarat aufzulösen und drei einzelne Einrichtungen zu gründen. Der Küstenforscher Eduardo Zorita vom GKSS-Forschungszentrum Geesthacht bei Hamburg sprach sich für die Einrichtung einer unabhängigen Klimabehörde nach dem Vorbild der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) oder der Internationalen Energieagentur (IEA) aus. In "Nature" forderten insgesamt fünf Wissenschaftler in Beiträgen eine Reform der Organisation.

Drei eklatante Fehler

Deutsche Forscher werfen dem IPCC ebenfalls Versäumnisse vor. Ottmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, nennt in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gleich drei: Erstens wurden "Aussagen zur zukünftigen Gletscherschmelze im Himalaya nachlässig recherchiert". Zweitens wurde "das mögliche Ausmaß klimabedingter Ernteeinbußen in Afrika durch das Fehlen ergänzender Informationen dramatisiert". Und drittens sei der Anteil der Landfläche in den Niederlanden, der unterhalb des Meeresspiegels liegt, falsch ausgewiesen worden, schreibt er.

Der Weltklimarat IPCC habe zu lange gebraucht, um diese Fehler offen einzuräumen und nach Wegen zu suchen, wie sie künftig vermieden werden können. Die nun geführte Debatte um die Zukunft des IPCC sei "schmerzhaft, aber dennoch notwendig und nützlich". Edenhofer spricht sich aber gegen eine Auflösung aus. Der Klimarat sei weiterhin wichtig.

Die Diskussion in den kommenden Wochen würde den Weltklimarat stärken, meint Edenhofer. "Bei aller Kritik hat er sich immer als lernfähig erwiesen." Dem Gremium komme auch künftig eine große Bedeutung zu: "Der Weltklimarat soll Politik und Gesellschaft ermächtigen, sich Klarheit darüber zu verschaffen, wie vernünftige Antworten auf den Klimawandel gefunden werden können. Es lohnt sich, die Arbeit des Weltklimarates zu verbessern und seine Glaubwürdigkeit wiederherzustellen."

Falsche Angaben zur Gletscherschmelze

Der Weltklimarat war unter anderem in die Kritik geraten, weil sein letzter großer Bericht von 2007 falsche Angaben zu Gletschern im Himalaya-Gebirge enthielt. Demzufolge könnten die Gletscher bis zum Jahr 2035 verschwunden sein. Die Quelle dafür war ein Wissenschaftler, der dieses Datum nach eigenen Worten nicht genannt hatte. Der IPCC gab daraufhin einen "bedauerlichen Fehler" zu. Ende vergangenen Jahres veröffentlichten Hacker zudem tausende interne E-Mails von Forschern der Abteilung für Klimaforschung der Universität East Anglia (CRU) im Internet. Danach wurde den UN-Klimafachleuten vorgeworfen, Daten vertuscht zu haben, die möglicherweise Zweifel an der These der Erderwärmung stärken. Der IPCC verurteilte den Hackerangriff als Versuch, das Gremium in Verruf zu bringen. Der Weltklimarat war 2007 mit dem Friedensnobelpreis geehrt worden, weil er den Klimawandel in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt hatte.

AFP/ DPA DPA

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