HOME

Klon-Forschung: Hat eine UFO-Sekte einen Menschen geklont?

Die französische Wissenschaftlerin Brigitte Boisselier hat die Geburt eines geklonten Kindes bekannt gegeben. Das kleine Mädchen sei am Donnerstag mit einem Kaiserschnitt auf die Welt gekommen.

Das erste angeblich geklonte Baby der Welt ist nach Angaben der Ufo-gläubigen Raelianersekte auf der Welt. Das Mädchen sei wohlauf und mit seiner Mutter im Krankenhaus, teilte die Direktorin des von der Sekte gegründeten Unternehmens Clonaid, Brigitte Boisselier, am Freitag in Florida mit. Bereits in der kommenden Woche solle das nächste Klonbaby geboren werden - in Nordeuropa. Die künftigen Eltern seien ein lesbisches Paar, sagte Boisselier.

Eve, wie das erste angebliche Klonbaby vorerst genannt werde, erblickte laut Boisselier mit knapp sieben Pfund am 2. Weihnachtstag um 11.55 Uhr amerikanischer Ostküstenzeit das Licht der Welt. Die Eltern seien Amerikaner. Die 31-jährige Mutter sei geklont worden und habe das Kind selbst zur Welt gebracht. Ihr Lebensgefährte sei unfruchtbar. In welchem Land die Geburt erfolgte, teilte die Biochemikerin nicht mit.

Das Baby werde in drei Tagen die Klinik verlassen. Dann könnten unabhängige Wissenschaftler eine genetische Probe nehmen und sollten innerhalb von einer Woche den Nachweis führen können, dass das Baby tatsächlich geklont sei, sagte Boisselier. Die Eltern würden sich wahrscheinlich zu gegebener Zeit selbst der Presse stellen.

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Prof. Klaus Diedrich (Lübeck), hielt die Berichte über das angebliche Klonbaby für wenig glaubwürdig. «Der Beweis muss erst erbracht werden», sagte er. Diedrich forderte ein weltweites Klonverbot für Menschen.

Der Bonner Reproduktionsmediziner Prof. Hans van der Ven reagierte ebenfalls skeptisch. «Das Klonen ist sehr, sehr aufwendig und erfordert viele Versuche. Dass es wirklich im Labor umgesetzt worden ist, halte ich für sehr unwahrscheinlich.» Sollte es solche Versuche gegeben haben, handele es sich um «verantwortungsloses Experimentieren mit menschlichem Leben».

Nach Angaben von Boisselier wurde bei dem Klonen des Mädchens praktisch dieselbe Methode angewandt wie bei der Produktion des Klonschafs Dolly vor gut sechs Jahren. Der Prozess sei mit einer Hautzelle der Mutter gelungen. Außer «Eve» habe sie noch weitere vier Babys geklont, die bis Ende Januar zur Welt gebracht werden sollen, außer dem kommende Woche in Europa ein weiteres in Nordamerika und zwei in Asien.

Sollten auch die anderen Kinder gesund geboren werde, wolle sie demnächst weitere 20 geklonte Embryos austragen lassen, kündigte Boisselier an. Ihr Team habe im August 2001 begonnen, menschliches Erbgut in ausgehöhlte Eizellen von Rindern zu verpflanzen und bei etwa 3000 Versuchen Erfahrung zu sammeln.

Im Januar dieses Jahres habe sie sich dann auch an menschliche Eizellen gewagt und Frauen nach dreimonatigem Experimentieren erstmals geklonte Embryos eingesetzt. Von diesen zehn Schwangerschaften seien fünf schon nach wenigen Tagen am Ende gewesen.

Boisselier beschrieb die Erzeugung des ersten angeblichen Klonbabys als «Ergebnis harter Arbeit und Entschlossenheit». Das Kind sei «kein Monster», sondern ein ganz gesunder Nachwuchs, dessen Geburt den Eltern «den glücklichsten Tag ihres Lebens» beschert habe. Die Großmutter habe bereits die Ähnlichkeit der kleinen «Eve» mit ihrer Mutter bestätigt.

Boisselier, die eine Kilinik auf den Bahamas unterhält, räumte ein, dass Wissenschaft Gutes und Schlechtes hervorbringen könne. Sie habe etwas Gutes getan, sagte sie. «Wenn ich Eltern mit meiner Forschung zu einem Baby verhelfen kann, ist das sicher nicht schlechter als eine Wissenschaft, die Bomben zum Töten entwickelt.»

Außer Boisselier hatten noch zwei andere Fruchtbarkeitsexperten die Geburt der ersten geklonten Menschen in Aussicht gestellt, der Italiener Severino Antinori und der Amerikaner Panos Zavos. Tierzuchtexperten haben seit dem Klon-Schaf «Dolly» 1997 schon verschiedene Säugetiere geklont, darunter Mäuse, Katzen, Ziegen und Rinder. Sie meinen, dass es theoretisch auch möglich sei, Menschen zu klonen. Allerdings kommen in der Tierzucht Dutzende oder sogar Hunderte missglückter Versuche auf die Geburt eines geklonten Tiers.

Der Klonforscher George Seidel von der Staatlichen Universität von Colorado bezeichnete eine Erfolgsrate von zwei Prozent als typisch. Das hieße, dass bei Rindern «wenigstens 50 solcher Versuche (auf ein erfolgreich geklontes Tier) kämen», sagte Seidel der «New York Times». Seinen Ausführungen zufolge sind geklonte Tiere sehr häufig missgebildet und haben Probleme mit den Nieren, dem Herz und der Lunge. Viele sterben in den ersten Tagen nach der Geburt, sagte Seidel. Solch hohe Rate von Abnormalitäten sei «vielleicht noch bei geklonten Rindern akzeptabel, ganz bestimmt aber nicht bei Menschenkindern».

Raelianer sind die Anhänger von Raël, dem aus Frankreich stammenden Schlagersänger und Rennfahrer Claude Vorilhon, der in Kanada ein religiöses Zentrum unterhält. Die Sekte gibt die Zahl ihrer Mitglieder mit etwa 55 000 an. Sie glauben, dass das Klonen ihnen die Möglichkeit gibt, Religion und Wissenschaft zu verbinden.