Medizin Gunther von Hagens - der Plastinator


Mit seiner Ausstellung "Körperwelten" erntete der Vater der Plastination internationalen Ruhm, aber auch viel Kontroverse.

Gunther von Hagens erfand 1977 die Plastination, eine Methode zur permanenten und wirklichkeitsgetreuen Konservierung anatomischer Präparate. Die Ausstellung "Körperwelten" bescherte dem Professor weltweiten Ruhm, aber auch viel Kontroverse. Kritiker sprechen seiner Arbeit den wissenschaftlichen Wert ab. Außerdem werfen sie ihm vor, die Würde der Toten nicht zu respektieren. Von Hagens sieht sich hingegen als "Leichenveredler" und bezeichnet seine Ausstellung als Anatomie-Lehre für Laien.

Mit einer öffentlichen Autopsie in London sorgte der Anatom im November 2002 erneut für Furore – trotz Verbot der britischen Regierung. Dies war die erste öffentliche Sektion an einem Menschen seit 170 Jahren.

DDR-Flüchtling

Gunther von Hagens wurde am 10. Januar 1945 in Alt-Skalden bei Poznan (Polen) als Gunther Liebchen geboren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zog seine Familie in die DDR um. Im Jahr 1965 begann er an der Universität Jena Medizin zu studieren. Als er 1968 gegen den Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei mit Flugblättern protestierte und bald darauf aus der DDR zu fliehen versuchte, wurde er inhaftiert.

Erst nachdem die Bundesrepublik ihn und andere politische Gefangene freigekauft hatte, konnte er sein Studium 1970 an der Universität Lübeck fortsetzen. Dort lernte er auch seine spätere Frau Cornelia von Hagens kennen. Sein Staatsexamen legte er 1973 ab. Im folgenden Jahr erhielt er die Approbation und ging an die Universität Heidelberg, wo er 1975 an der Abteilung für Anästhesie und Notfallmedizin promovierte und dann am Anatomischen und am Pathologischen Institut tätig war.

Erfindung der Plastination

In jene Zeit fällt die Erfindung der Plastination: dem toten Gewebe wird Wasser und Fett entzogen und mit speziellen Kunststoffen wieder aufgefüllt. Auf diese Weise werden die Leichname permanent konserviert. Hierfür sicherte sich der Präparator neben dem deutschen auch mehrere ausländische Patente. Im Jahr 1993 gründete Hagens das Institut für Plastination in Heidelberg, das er seither als wissenschaftlicher Direktor leitet.

Seit 1996 ist er Gastprofessor der Medizinischen Universität Dalian in China und Direktor des Plastinationszentrums am Anatomischen Institut der Staatlichen Medizinischen Akademie von Kirgisien in Bischkek. Dort wurde ihm 1999 der Titel eines Ehrenprofessors verliehen. Gunther von Hagens lebt und arbeitet heute überwiegend in China. Unter seiner Leitung entsteht dort zur Zeit ein großes Plastinationslabor.

Irena Güttel

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