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Ölpest an der Küste von Louisiana: USA stoppen Tiefsee-Bohrungen

Der Ölteppich im Golf von Mexiko hat die Küste von Louisiana erreicht und droht empfindliche Ökosysteme zu verschmutzen. Vor allem die Fischer fürchten um ihre Existenz. Als Konsequenz aus der Katastrophe haben die USA Tiefsee-Bohrungen nach Öl bis auf weiteres gestoppt.

Die USA setzen als Konsequenz aus der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko neue Tiefsee-Bohrungen bis auf weiteres aus. Die Bohrarbeiten in neuen Feldern würden erst wieder genehmigt, wenn die Ursache des Unglücks auf der havarierten Plattform "Deepwater Horizon" geklärt sei, sagte Präsidenten-Berater David Axelrod am Freitag dem Fernsehsender ABC. Vor einigen Wochen hatte US-Präsident Obama zur Enttäuschung vieler Anhänger angekündigt, die umstrittenen Öl- und Gasbohrungen vor den Küsten wieder zuzulassen, um die Republikaner zur Unterstützung seines Klimaschutzgesetzes zu bewegen.

In der von der Ölpest betroffenen Region machen sich derweil Fischer und Hoteliers auf das Schlimmste gefasst: Ein riesiger Ölteppich hat die Küste Louisianas mit dem ausgedehnten Mississippi-Delta erreicht und kann das Lebenswerk vieler Menschen sowie die empfindlichen Ökosysteme in der Region vernichten. Für die Fischer könnte die Katastrophe zu keiner schlechteren Zeit kommen, ist doch die Austernsaison gerade beendet. Nun soll der Krabben-Fang folgen.

Für Joe Jenkins, der in Pass Christian im malerischen Delta das "Ol' Man River" Austern und Krabben verarbeitet, heißt es nun abwarten und hoffen, dass der Kelch der Umweltkatastrophe doch noch an ihm vorübergeht. Und das, obwohl sofort mit dem Fang der Krabben begonnen werden könnte. "Ein Ölteppich würde all die Kerlchen töten", schwant ihm Böses. Rund 100 Fischerboote gibt es in dem geschäftigen Hafen von Pass Christian.

Ölpest bedroht Existenz der Krabbenfischer

Während die Küstenwache und der Ölmulti BP in einem Wettlauf gegen die Zeit seit Tagen vergeblich versuchen, das Auslaufen von Öl aus drei Lecks der explodierten und gesunkenen Bohrinsel "Deepwater Horizon" zu stoppen, bereiten sich die bedrohten Bundesstaaten an der Atlantikküste auf die Abwehr der klebrigen Masse vor. Sie bringen feuerhemmende Sperren in Stellung. Der Ölteppich ist fünf Mal so dick wie ursprünglich angenommen und bedroht die Küste von Louisiana, Mississippi, Alabama und im Nordwesten von Florida. In Louisiana, wo die ersten Ölschlieren eintrafen, hat der Gouverneur bereits am Donnerstag den Notstand ausgerufen.

Die Krabbenfischer würden durch eine Ölpest in ihrer Existenz bedroht. Nach offiziellen Angaben holten sie 2008 Shrimps im Wert von 442 Millionen Dollar aus dem Ozean, was gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um zwei Prozent bedeutete. Den Fischern setzen Billigimporte und fallende Weltmarktpreise ohnehin schon vehement zu, berichtet Deborah Long vom Interessenverband Southern Shrimp Alliance. Nun kommt die Ölpest hinzu.

Wehe wenn die Ölpest bis zur Hurrikan-Saison dauert

Auch die Tourismus-Branche, die für die Wirtschaft an der Küste von lebenswichtiger Bedeutung ist, wird durch das Rohöl im Golf bedroht. In Alabama seien Anwohner und Geschäftsleute entsetzt von der Vorstellung, dass der dicke Ölfilm die Küste verklebt. Urlauber ließen 2008 rund 2,3 Milliarden Dollar in der Küstenregion und sicherten damit laut Fremdenverkehrsverein 41.000 Arbeitsplätze. Die Strände in Alabama lassen sich aber wohl leichter reinigen als die vielen Salzmarschen und Austernriffe in der Region. Die Fischer seien unmittelbar gefährdet, sagt George Crozier, der einer Einrichtung für Meeresforschung vorsteht und für die Zukunft schwarz sieht: "Wenn sie es nicht stoppen können und wir drei Monate mit dem Beseitigen des Öls beschäftigt sind, schlittern wir geradewegs in die Hurrikan-Saison, und dann ist alles möglich, weil wir dann ein richtiges ökologisches Problem bekommen." Doch auch jetzt schon ist die Situation fur Hunderte Fisch-, Vogel- und andere Tierarten äußerst kritisch. "Ich bin schockiert", kommentiert David Kennedy von der Meeresschutzbehörde NOAA die Situation. "Das ist eine sehr, sehr große Sache."

Mit Grauen erinnern sich die Menschen in der Region noch immer an den verheerenden Hurrikan "Katrina", der 2005 die louisianische Metropole New Orleans verwüstete. Wie damals macht sich bei Menschen im Mississippi-Delta der Eindruck breit, von der Regierung im fernen Washington allein gelassen zu werden. Anders als die sein Vorgänger vor fünf Jahren entsandte Präsident Barack Obama, der den Ölteppich zur "nationalen Katastrophe" erklärt hat, bereits einige Kabinettsmitglieder nach Louisiana, die sich mit der Krise befassen sollen. Er kündigte an, den Betreiber der gesunkenen Bohrinsel, den Mineralölkonzern BP, für die Bekämpfung der Ölpest zur Kasse zu bitten. BP büßte an den Märkten bereits 26 Milliarden Dollar an Börsenwert ein.

Für den Umweltschützer Steven Peyronnin ist die neuerliche Krise an der amerikanischen Golfküste Anlass zur Forderung, das Steuer herumzureißen. "Wir laufen direkt in die Katastrophe. Es ist Zeit für den Politikwechsel, für einen offenen Blick auf die Risiken, die wir seit einem Jahrhundert eingegangen sind."

Reuters/APN / Reuters