Ölpest im Golf von Mexiko Kongress nimmt BP-Chef in die Mangel


Es glich einem Spießrutenlauf: BP-Chef Tony Hayward stand erstmals seit Beginn der Öl-Katastrophe dem US-Kongress Rede und Antwort. Die Anschuldigungen waren hart. Hayward bekam aber auch Schützenhilfe.

Seit acht Wochen steht BP-Chef Tony Hayward unter schwerem Beschuss, am Donnerstag musste er sich einem Kreuzverhör stellen: Zum ersten Mal seit Beginn der Ölpest im Golf von Mexiko trat Hayward vor dem Kongressausschuss im US-Repräsentantenhaus auf. Dort entschuldigte er sich für die Katastrophe, "die niemals hätte geschehen dürfen". Er nannte den Unfall "schrecklich" und versprach, die Sache "in Ordnung zu bringen". Hayward gab auch zu, dass die Sicherheitstechnologien bei Tiefseebohrungen "deutlich" verbessert werden müssten. BP werde tun, "was wir können, um sicherzustellen, dass das nicht noch einmal passiert".

Im Ausschuss waren zuvor die Messer gewetzt worden: Der demokratische Vorsitzende Bart Stupak äußerte die Erwartung, dass Hayward in der Anhörung "zerstückelt" werde. US-Medien sprachen von einem Auftritt vor einem Erschießungskommando.

Schnellere Gewinne durch billige Technologien

Tatsächlich hagelte es von der ersten Minute an nur so Kritik: Mitglieder des Energie-Ausschusses warfen Hayward in scharfen Worten vor, immer wieder Berichte über Sicherheitsprobleme auf der Bohrinsel "Deepwater Horizon" ignoriert zu haben. Profite seien für das Unternehmen wichtiger gewesen. Außerdem habe BP falsche Angaben über das Ausmaß des Ölaustritts ins Wasser gemacht. Um Geld zu sparen und schneller Gewinne einfahren zu können, habe sich BP wiederholt für billigere und damit riskante Technologien entschieden.

Hayward wurde von lauten Rufen einer mit Öl beschmierten Demonstrantin unterbrochen, als er seine Erklärung verlesen wollte. Die Frau wurde von Sicherheitsbeamten überwältigt und abgeführt.

Hayward: "Ich will mein Leben zurückhaben"

Es war das erste Mal seit der Explosion der Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 20. April, dass der BP-Chef persönlich dem Kongress Rede und Antwort stand. Hayward ist in den Wochen seit Beginn der Katastrophe in den USA zum "Gesicht der bösen BP" geworden. Er spielte nicht nur das Ausmaß des Desasters zunächst herunter, er beklagte sich auch darüber, wie zeitaufwendig der Kampf gegen die Katastrophe sei: "Ich will mein Leben zurückhaben." Obama war so wütend auf Hayward, dass er noch vor kurzem in einem Interview sagte, dass er den BP-Chef schon längst gefeuert hätte - wenn er es könnte.

Dabei hatte sich der Konzern bereits am Mittwoch bemüht, die Wogen zu glätten. BP erklärte sich bereit, einen Treuhandfonds im Umfang von 20 Milliarden Dollar einzurichten. Aus diesem Topf sollen die Ölpest-Opfer entschädigt werden. Außerdem will das Unternehmen 100 Millionen Dollar für Ölarbeiter bereitstellen, die durch die Katastrophe arbeitslos geworden sind. Diese Maßnahmen wurden bei einem Treffen mit Präsident Obama im Weißen Haus vereinbart.

Reaktionen so "erbärmlich" wie die Sicherheitsmaßnahmen

Zum Auftakt der Anhörung machten insbesondere demokratische Ausschussmitglieder Hayward dennoch klar, dass sie durch die von BP eingeleiteten Schritte keineswegs besänftigt sind. "Wir konnten keine Beweise dafür finden, dass Sie den Risiken, die BP eingegangen ist, irgendwelche Aufmerksamkeit geschenkt haben", sagte der Abgeordnete Henry Waxman. Auch Stupak sprach von grober Fahrlässigkeit. "Was wir bisher erfahren haben, ist alarmierend." Im Übrigen seien die Reaktionen auf die Katastrophe genau so erbärmlich gewesen wie die Sicherheitsmaßnahmen davor.

Schützenhilfe kam dagegen vom Republikaner Joe Barton. Er entschuldigte sich bei Hayward dafür, dass das Weiße Haus BP zur Einrichtung des 20-Milliarden-Fonds gezwungen habe. Er sprach von einer beschämenden Erpressung des Unternehmens, dem mit strafrechtlichen Ermittlungen gedroht worden sei.

mre/DPA DPA

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