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Protein-Analysen: T-Rex war Hühnern ähnlicher als Reptilien

Der vor 68 Millionen Jahren lebende Tyrannosaurus rex war enger mit Vögeln verwandt als mit heute lebenden Reptilien. Das konnte ein US-Forscherteam nun erstmals durch eine neue Eiweiß-Analyse nachweisen. Der Zufall spielte dabei auch eine Rolle.

Eine neue Analysemethode hat die Verwandtschaft zwischen Tyrannosaurus rex und Vögeln bestätigt. Der Saurier ist danach enger mit Vögeln wie Hühnern und Straußen verwandt als mit heute lebenden Reptilien. Die neuen Erkenntnisse brachte ein Vergleich von Eiweißstrukturen: Forscher um Chris Organ von der Harvard-Universität in Cambridge verglichen aus fossilen Saurierknochen isoliertes Kollagen mit dem Kollagen lebender Tiere. Über ihre Ergebnisse berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Science" (Bd. 320, S. 499).

Bisher war es vor allem die Ähnlichkeit der Skelette von Vögeln und Sauriern, aus der Paläontologen eine Verwandtschaft ableiteten. Vergleiche auf genetischer Ebene sind nicht möglich, da aus den viele Millionen Jahre alten Knochen keine brauchbare DNA mehr isoliert werden kann. Die Methode, Kollagen - ein einfach aufgebautes Protein aus dem Bindegewebe - aus alten Saurierknochen zu extrahieren, war im vergangenen Jahr entwickelt worden. Die Forscher um Organ verglichen nun erstmals den Aufbau von Proteinen aus 68 Millionen Jahre alten Saurierknochen mit dem von Kollagen aus insgesamt 21 heute lebenden Tieren, darunter Strauß, Huhn, Alligator und Anolis-Echse.

Der Zufall war den Wissenschaftlern dabei zu Hilfe gekommen: Weil der 2003 in Montana aufgefundene T. rex-Knochen zu groß für einen Transport im Hubschrauber war, musste er durchgesägt werden. Dabei fanden die überraschten Forscher im Knocheninnern tatsächlich noch Reste von Blutgefäßen vor, die dem Prozess der Versteinerung entkommen waren.

Eiweiße oder Proteine bestehen aus sogenannten Aminosäuren, die miteinander zu Ketten verknüpft sind. Obgleich den Forschern aus den Knochen des T. rex lediglich sechs relativ kurze Proteinteilstücke mit insgesamt nur 89 Aminosäuren zur Verfügung standen, erzielten sie nach eigenen Angaben ein vergleichsweise zuverlässiges Ergebnis über die Verwandtschaft zwischen Vögeln und Dinosauriern. "Wir zeigen, dass Tyrannosaurus enger mit Vögeln als mit heutigen Reptilien verwandt ist", sagt John Asara, einer der Autoren. Bis ins letzte Detail könne der Stammbaum mit den vorliegenden Sequenzdaten zwar noch nicht aufgeschlüsselt werden. Aber: "Wahrscheinlich liegt der abzweigende Ast von Tyrannosaurus rex im Stammbaum des Lebens zwischen den Ästen von Alligatoren und dem von Vögeln wie Huhn und Strauß."

In einem ähnlichen Experiment verglichen die Forscher Kollagen-Proteine aus heute lebenden Elefanten mit Kollagen, das aus den Knochen von Mastodon, einer ausgestorbenen Rüsseltierart, isoliert worden war. Damit konnten sie die bereits vermutete enge Verwandtschaft zwischen beiden Tierarten bestätigen. Die Forscher glauben, dass die von ihnen angewandte Methode auch bei der Aufklärung anderer unklarer Verwandtschaftsverhältnisse im Stammbaum der Wirbeltiere weiterhelfen könnte.

DDP/DPA / DPA