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Raumfahrt: "Es geht um Oberfläche, Wasser und Leben"

Die erste europäische Expedition zum Mars beginnt in der Weite der Steppe Kasachstans. Sie will die alte Frage nach möglichem Leben auf unserem Nachbarplaneten lösen.

Die erste europäische Expedition zum Mars beginnt in der Weite der Steppe Kasachstans. Fieberhaft arbeiten Techniker und Spezialisten der Europäischen Raumfahrtagentur ESA auf dem russischen Weltraumbahnhof Baikonur an der Sonde "Mars Express", die am 2. Juni in Richtung unseres Nachbarplaneten starten soll. Nach den USA und Japan will nunmehr auch Europa in eigener Sache zum Roten Planeten.

In dem halb zerstörten Gebäude MIK 112, in dem vor einem Jahr beim Einsturz des Daches das einzige jemals im Einsatz geflogene sowjetische Shuttle Buran zerstört worden war, hat sich die ESA mit "Mars Express" vorerst eingenistet. In der riesigen Halle wurden drei keimfreie Räume errichtet, in denen die Sonde mit ihrem Landegerät "Beagle 2" die verschiedenen Stadien der Vorbereitungen zum Start durchliefen. "Die Tests sind abgeschlossen", sagt Michael Witting, Leiter des rund 50 Mann starken Teams der ESA in Baikonur. Nach den letzten Überprüfungen schließlich wird "Mars Express" betankt, ehe die 1,2 Tonnen schwere Sonde wenige Tage vor dem Start per Bahn zur wenige Kilometer entfernten Halle 40 gebracht wird, um dort mit der Sojus-Trägerrakete zusammengebaut zu werden.

Zweifel an einem erfolgreichen Start der Trägerrakete hat der stellvertretende Leiter der Startrampe 6, Alexej Wassiljew, überhaupt nicht. Die Sojus sei eine zuverlässige Rakete, die allein von Rampe 6 bisher 346 Mal gestartet worden sei. "Das ist erprobte Technik", sagt Wassiljew, der am 2. Juni als Letzter die Rampe nach einer eingehenden Inspektion kurz vor dem Start räumen wird.

Mit Gesamtkosten von rund 300 Millionen Euro hat die ESA ein aufwendiges Projekt innerhalb von nur vier Jahren auf die Beine gestellt. Dabei ist die vom Raumfahrtunternehmen Astrium gebaute Sonde nach Herstellerangaben die "bisher billigste Mission zum Mars". Schließlich seien die Herstellerkosten von 60 Millionen Euro drei bis vier Mal niedriger als bei bisherigen Mars-Flügen. Und von der schnellen Bauzeit des unscheinbar wirkenden Würfels stammt auch die Bezeichnung "Mars Express". Als Express zieht die Sonde auch durch den Weltraum - mit 10 800 Stundenkilometern überwindet sie die knapp 55 Millionen Kilometer zum Mars in knapp einem halben Jahr.

"Mars Express" soll nach den Worten von ESA-Wissenschaftler Augustin Chicarro gleich drei Aufgaben erfüllen. "Es geht um Oberfläche, Wasser und Leben", sagt der Spanier. Dazu führt die Sonde, deren Lebensdauer bei knapp unter vier Jahren liegt, insgesamt sieben wissenschaftliche Präzisionsinstrumente aus verschiedenen europäischen Ländern mit sich, sowie die Minisonde "Beagle 2", die auf dem Mars landen soll. Fünf Tage vor dem Einschwenken von "Mars Express" auf seine Umlaufbahn wird "Beagle 2" abgetrennt, um dann in einem kontrollierten Absturz in der Ebene Isidis Planitia zu landen.

Von der Umlaufbahn wird "Mars Express" von Dezember an eine genaue Karte der Oberfläche des Planeten erstellen, während "Beagle 2", benannt nach dem Forschungsschiff von Charles Darwin, nach Spuren von Wasser und Leben suchen soll. Diese Aufgaben müssen innerhalb eines halben Jahres bewältigt werden, da die Messgeräte danach vermutlich wegen Staubs nicht mehr einsatzfähig sind.

"Wir wissen, dass es früher viel Wasser auf dem Mars gegeben hat", sagt Chicarro. Doch von einem gewissen Zeitpunkt in der planetaren Entwicklung an sei das Wasser von der Oberfläche des Mars verschwunden. Nunmehr soll erforscht werden, ob es unter der Oberfläche Wasser gibt, und ob sich zu irgendeinem Zeitpunkt auf dem Mars auch Leben entwickelt hatte. "Mit den Ergebnissen dieser Mars- Mission wird die Wissenschaft mindestens zehn Jahre zu tun haben."