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Rückschlag im Kampf gegen Ölpest BP muss Tests unterbrechen


Es klang so gut: Eine neue Auffangglocke sollte das sprudelnde Öl aus dem Bohrloch endgültig auffangen. Doch bereits während der Vorbereitungen wurde die Aktion "Top Hat 10" unterbrochen.

BP hat den wichtigen Abschlusstest für den neuen Abdichtungszylinder über dem Ölleck am Meeresgrund im Golf von Mexiko verschoben. Zunächst sollen die Testmethoden überprüft werden, berichtete der US-Nachrichtensender CNN. Die Überprüfung könne die Nacht über bis in den Mittwoch (Ortszeit) dauern. Es gebe Komplikationen, die zu einer Verzögerung führen könnten, hieß es.

BP hatte eigentlich geplant, schon am Dienstagnachmittag mit den Tests anfangen zu können. Die Entscheidung über die Verschiebung sei nach Rücksprache mit Energieminister Steven Chu und dessen Beraterteam gefallen. Das Bohrloch, aus dem täglich Millionen Liter Öl ins Meer fließen, soll mit einem 68 Tonnen schweren Zylinder verschlossen werden.

Gibt es ein weiteres Leck?

Die Testreihe solle zeigen, ob der Ölfluss mit diesem Deckel aufgehalten werden könne, hatte Küstenwachen-Admiral Thad Allen zuvor gesagt und den Beginn der Operation einen der wichtigsten Tage seit Beginn der Ölpest genannt.

Nach Angaben von BP-Manager Kent Wells hängt alles von einer Druckmessung ab. Der Zylinder habe drei Öffnungen, die nach und nach geschlossen würden. Sobald kein Öl mehr austrete, müssten verschiedene Tests angestellt werden. Steigt der Druck in dem Ventilsystem, sei das ein gutes Zeichen - dann ließe sich das Bohrloch mit der Kappe versiegeln. Niedrige Druckwerte könnten bedeuten, dass an anderer, bislang unbekannter Stelle Öl austritt. "Das würde die Frage aufwerfen, ob das Steigrohr an der Ölquelle im Meeresboden defekt ist", sagte Wells.

Schiffe sollen Öl absaugen

Sollte der neueste BP-Anlauf zum Abdichten des Bohrlochs scheitern, steht laut Allen ein Ersatzplan zur Verfügung. Er sehe vor, dass bis Ende des Monats insgesamt vier Tankschiffe an der Oberfläche mehr als 10.000 Tonnen Rohöl pro Tag über Absaugrohre auffangen. "Das ist mehr als wir denken, dass aus der Quelle strömt", sagte Allen. Die Regierung schätzt, dass derzeit bis zu 8200 Tonnen täglich ausfließen.

Ein riesiges Spezialschiff ist bereits vor Ort. Die "A Whale" hat innerhalb von drei Tagen rund 24 Millionen Liter ölverseuchtes Wasser gesammelt. Je näher das Schiff an die am schlimmsten betroffenen Regionen herankomme, desto effektiver könne es arbeiten. Der Ölaufsauger kann maximal 80 Millionen Liter Flüssigkeit am Tag sammeln.

Aufräumarbeiten werden noch Monate dauern

Auch bei einem Erfolg am Bohrloch seien die Folgen der Ölpest längst nicht ausgestanden, mahnt die US-Regierung. In den nahezu drei Monaten seit dem Sinken der Bohrinsel "Deepwater Horizon" sei so viel Öl in den Golf von Mexiko geflossen, dass die Rettungs- und Aufräumarbeiten bis in den Herbst dauern werden, sagte Allen. Weite Teile der US-Küste sind verseucht, darunter das ökologisch sensible Mississippi-Delta. Viele Badestrände sind durch Teer verschmutzt. Nach wie vor seien etwa 30 bis 35 Prozent der Küstengewässer für die Fischerei gesperrt. Endgültig solle das Leck ohnehin erst Mitte August am Ursprung der Quelle tausende Kilometer unter dem Meeresboden versiegelt werden. "Wir wissen, dass der Job noch nicht gemacht ist", sagte Wells.

BP muss Rechnung begleichen

Unterdessen hat die Obama-Regierung die vierte Rechnung für die Kosten im Kampf gegen die Ölpest an BP geschickt. Die Forderung unter anderem für die Reinigung der mit Öl verschmutzen Strände betrage 99,7 Millionen Dollar (rund 78,5 Millionen Euro), teilte das Weiße Haus am Dienstag mit. Mit dem Geld sollen auch Bürger in den betroffenen US-Bundesstaaten entlastet werden, die durch die Ölpest finanzielle Verluste erlitten haben.

DPA/APN DPA

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