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Tierschutz: EU verbietet Handel mit Robben-Produkten

Mehr als 300.000 junge Robben wurden dieses Jahr an Kanadas Küste erschlagen. Denn die Felle der Meeressäuger bringen viel Geld ein. Doch das könnte sich ändern: Nach den USA und Mexiko hat nun auch die EU den Handel mit Robben-Produkten verboten. Nur eine Ausnahme soll es geben.

Nach den USA und Mexiko hat nun auch die EU den Handel mit Robbenerzeugnissen verboten. Eine entsprechende Verordnung wurde am Dienstag abschließend vom Europaparlament verabschiedet. Sie soll dem von Tierschützern seit Jahren angeprangerten grausamen Abschlachten von Robben mit Spitzhacken durch kommerzielle kanadische Jäger die Geschäftsgrundlage entziehen.

Das Verbot gilt ab der Fangsaison 2010. Ausnahmen sind allerdings für Inuit-Gemeinschaften in Kanada und Grönland vorgesehen, die von alters her von der Robbenjagd leben. Erzeugnisse aus der traditionellen Robben-Jagd der Inuit dürfen somit weiterhin in der EU vermarktet werden.

Neun der 27 EU-Staaten, unter ihnen Deutschland, hatten bereits ein nationales Verbot für die Einfuhr von Robbenprodukten beschlossen. In anderen Mitgliedsländern gibt es bislang kein solches Verbot. Die EU-weiten Handelsbeschränkungen sollen zum einen eine Zersplitterung des Binnenmarktes abschaffen und zum anderen Tierschutzstandards EU-weit harmonisieren.

Bisher war nur der Handel mit Babyfellen verboten

Tierschutzorganisationen wie die Stiftung der ehemaligen französischen Filmdiva Brigitte Bardot und der "International Fund for Animal Welfare" (IFAW) begrüßten das Votum. Damit sei sie mit ihrem seit "30 Jahren unermüdlich geführten Kampf" gegen das Abschlachten der Robben ans Ziel gelangt, betonte Bardot. Endlich habe Europa "Nein zum Massaker" gesagt. Das Verbot werde der Debatte über die kommerzielle Robbenjagd in Kanada neue Nahrung geben. Die Stiftung unterstützt nach Angaben der Ex-Filmdiva einen kanadischen Senator, der ein Verbot dieser Jagd durchsetzen will.

Durch das EU-weite Verbot falle ein "riesiger Markt für Robbenfelle weg", betonte die SPD-Europaabgeordnete Evelyne Gebhardt. Das "Robbenkeulen" verliere damit an Attraktivität. Die Vize-Vorsitzende der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn, sprach von einem "großartigen Erfolg für alle Tierfreunde". Bislang war in der EU nur der Handel mit Fellen von Robbenbabys verboten, die bei der Tötung weniger als zwei Wochen alt waren. Für sie wurde 1983 ein Importverbot beschlossen.

Nach Angaben der EU-Kommission werden jährlich rund 900.000 Robben getötet, davon 60 Prozent in Kanada, Grönland und Namibia. Robbenfelle werden unter anderem zu Hüten sowie zu Motorrad- und Boxhandschuhen verarbeitet. Vom neuen EU-Importverbot sind aber auch Fleisch oder Fett von Robben betroffen. Letzteres wird beispielsweise für die Herstellung von Omega-3-Kapseln verwendet.

Das Europaparlament verabschiedete am Dienstag außerdem eine Neuregelung für einen besseren Schutz von Versuchstieren, die etwa in der pharmazeutischen Forschung verwendet werden. Demnach sollen EU-weit die gleichen Mindestanforderungen für die Unterbringung und Pflege dieser Tiere gelten. Ziel sei es, Tierversuche möglichst zu vermeiden, einzuschränken oder zumindest zu verbessern, sagte die CDU-Abgeordnete Elisabeth Jeggle. Ein vollständiges Verbot wäre hingegen unrealistisch gewesen, betonte die Unionspolitikerin. Schließlich müsse zukunftsorientierte Forschung in Europa auch weiterhin möglich sein.

AFP / AFP