Umwelt Bakterien als Klimawandler


Nicht nur der Mensch zerstört mit seinen Industrieabgasen die Ozonschicht und heizt den Treibhauseffekt an - die Natur selbst ist auch nicht ganz unschuldig.

Bakterien in Salzseen produzieren Gase, die sowohl an der Zerstörung der Ozonschicht als auch am Treibhauseffekt beteiligt sind. Wissenschaftler des Umweltforschungszentrums Leipzig-Halle (UFZ) hatten gemeinsam mit internationalen Kollegen nachgewiesen, dass diese Mikroorganismen Substanzen produzieren, die als Treibhausgase wirken, teilte das UFZ am Dienstag in Leipzig mit. Nach Angaben der Wissenschaftler handelt es sich dabei um so genannte leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe (LHKW).

Die LHKW breiten sich den Angaben zufolge weltweit über die Atmosphäre aus und schädigen auch die Vegetation. Bisher sei man davon ausgegangen, dass sie fast ausschließlich durch industrielle Prozesse entstünden. Bei der Untersuchung von Schadstoffströmen im Süden Russlands habe das Team aus Forschern aus Deutschland, Österreich, Russland und Südafrika jetzt jedoch festgestellt, dass es neben industriellen auch natürliche Quellen geben müsse.

Sehr widerstandsfähige Bakterien

Die Forschergruppe um Ludwig Weißflog vom UFZ habe erstmals die natürliche Bildung einiger dieser Verbindungen durch salzliebende Mikroorganismen in Salzseen nachweisen können, hieß es weiter. Die für diese Prozesse verantwortlichen Arten gehören den Angaben zufolge zu den ältesten und widerstandsfähigsten Lebewesen überhaupt. Die Bakterien überstünden Temperaturschwankungen von minus 25 bis plus 35 Grad Celsius; auch Vakuum oder UV-Strahlung könnten sie nicht zerstören.

Die Schadstoffe, die diese Mikroorganismen produzieren, verbreiten sich über die Atmosphäre innerhalb einiger Tage weltweit. "Sie reichern sich in Pflanzen an und schädigen diese dann von innen heraus, indem sie den Schließmechanismus der Spaltöffnungen in den Blättern blockieren", erläuterten die Forscher. Dadurch werde mehr Wasser verdunstet, der Wasserbedarf steige und die Pflanzen könnten im Extremfall verdursten. Zwar gelangten die LHKW aus den Salzseen schon seit langer Zeit in die Atmosphäre, der Klimawandel verstärke jedoch ihre schädigende Wirkung.

Trockengebiete sind den Wissenschaftlern zufolge besonders betroffen, weil die Vegetation dort sensibler auf Luftschadstoffe reagiert. Letztendlich nehme die Bodenerosion zu, Salzseen und Trockengebiete breiteten sich aus. "Schon jetzt wächst die Fläche der Steppengebiete allein im Süden Russlands jedes Jahr um 500 Quadratkilometer", hieß es. Auch Teile Brandenburgs, Sachsen-Anhalts und Sachsens müssten künftig mit zunehmender Trockenheit rechnen.

AP


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