UN Kein Blut für Wasser


Eine Milliarde Menschen weltweit hat keinen Zugang zu Trinkwasser. Ein Grund für Kriege? UN und US-Wissenschaftler geben Entwarnung.

Werden Kriege künftig nicht mehr um Öl, sondern ums Wasser geführt? Experten der Vereinten Nationen und der USA halten die Schreckensvision für wenig wahrscheinlich. Zum einen, weil es nach ihrer Analyse in nur einem Krieg der vergangenen 5000 Jahren ausschließlich um Wasser ging. Zum anderen, weil "die Erde genügend Wasser bietet, um die Grundbedürfnisse aller ihrer Bewohner zu erfüllen", wie der Präsident des unabhängigen Pacific Institute im kalifornischen Oakland, Peter Gleick, der dpa in New York sagte.

Die schwindenden Süßwasser-Ressourcen "müssen nicht unbedingt ein Grund für Spannungen sein", meint auch UN-Generalsekretär Kofi Annan. Vielmehr könnten sie als Katalysator für eine Zusammenarbeit dienen. Tatsächlich haben sich politische Gegner wie Indien und Pakistan sowie Israel und die Palästinenser auf die friedliche Kooperation in Wasserfragen einigen können, ohne zuvor Frieden zu schließen. Beim Disput um die Nutzung des Nils bemühen sich außer den zehn Anrainerstaaten und der Weltbank auch Afrikas Entwicklungsbank, die kanadische Regierung sowie die Vereinten Nationen um eine Lösung.

Eine Milliarde Menschen ohne Zugang zu Trinkwasser

Die UN rufen am 22. März, dem Weltwassertag 2005, die internationale Dekade "Wasser zum Leben" 2005 bis 2015 aus. Die Aktion soll das Bewusstsein für das nur begrenzt verfügbare Lebenselixier weltweit schärfen und die Einhaltung eines Versprechens des Millenniumgipfels im Jahr 2000 forcieren. Demnach soll der auf noch 1,1 Milliarden Menschen geschätzte Anteil der Weltbevölkerung ohne Zugang zu sauberem Wasser bis 2015 halbiert werden. Dass noch immer 5000 bis 10.000 überwiegend junge Menschen pro Tag an Krankheiten durch unreines Wasser sterben, ist für Gleick unverzeihbar.

Er forderte mehr Geld vom industrialisierten Norden. Statt der benötigten 22,5 Milliarden Euro stelle der derzeit nur 3 Milliarden Dollar zur Trinkwassergewinnung und sanitären Versorgung in Afrika und Asien bereit. Die USA, wo fast 10 Milliarden Dollar im Jahr mit abgefülltem Trinkwasser in Plastikflaschen umgesetzt werden, beteiligten sich gerade einmal mit 25 Millionen Dollar, schrieb Gleick kürzlich in einem Artikel für den "San Francisco Chronicle".

Als Ulama Umma Wasser abgrub

Zusammen mit dem Geographen Aaron Wolf von der Staatlichen Universität von Oregon und weiteren Kollegen stellte er Berichte über Wasserkonflikte der vergangenen fünf Jahrtausende zusammen. Demnach trug sich der einzige Krieg, in dem sich zwei Staaten ausschließlich um Wasser bekämpften, um 2500 v. Chr. in Mesopotamien zu, dem heutigen Irak. Damals grub Ulama, der König des Stadtstaates Lagasch, dem benachbarten Umma Wasser von Euphrat und Tigris ab.

Seitdem spielte die Kontrolle über Süßwasserquellen nicht mehr die Hauptrolle in Kriegen. Zwar wurden in Vietnam, Kuwait, dem Irak und Kosovo Wasserreservoirs und Entsalzungsanlagen bombardiert, aber jedes Mal nur als Zielscheibe politisch, religiös oder ethnisch motivierter Attacken. Zwei Drittel der 1800 Dispute seit 1950 über die Wasserrechte in den 261 multinationalen Flussgebieten der Welt seien am grünen Tisch gelöst worden, sagte Wolf in einem Interview. In 150 Fällen habe es ein Abkommen gegeben, einige Konflikte seien noch offen.

Reserven durch Technologien erhalten

"Wir können künftige Kriege verhindern, wenn wir heutige Reserven durch den Einsatz neuer Technologien erhalten", meint auch die Wasserstrategin Marcia Brewster von der UN-Abteilung für nachhaltige Entwicklung. Der Trend gehe vom Bau neuer und größerer Staudämme über die Wiederaufbereitung von gebrauchtem Wasser bis zur der Erziehung des Verbrauchers.

In der Landwirtschaft, die global 70 Prozent allen Süßwassers schluckt, werden Felder geebnet und Bewässerungsanlagen optimiert, um das ungenutzte Versickern und Verdunsten von Wasser zu stoppen. In Israel, Indien, Jordanien, Spanien und Kalifornien reduzierte ein neues Tröpfchen-Bewässerungssystem den Wasserverbrauch um 30 bis 70 Prozent bei gleichzeitigem Erntegewinn von 20 bis 90 Prozent.

Gisela Ostwald/ DPA DPA

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