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UN-Konferenz in Warschau Was "Haiyan" dem Klimagipfel vor Augen führt


Die Klimakonferenz in Warschau hat begonnen. Just zu Beginn des Gipfels zeigt der verheerende Taifun "Haiyan" den Delegierten, was der Welt bevorsteht, wenn der Klimawandel nicht gestoppt werden kann.

Die Kraft des Katastrophensturms "Haiyan" auf den Philippinen hat die Welt schockiert - und ein Schlaglicht auf die möglichen Folgen des globalen Klimawandels geworfen. Die Ausmaße des Taifuns "geben zu denken", sagte UN-Klimasekretärin Christiana Figueres am Montag zu Beginn der UN-Klimakonferenz in Warschau. Experten sehen generell einen Zusammenhang zwischen steigenden Temperaturen und der Gewalt, die Wirbelstürme entfesseln können. Klimaschützer hoffen, dass der fatale Anschauungsunterricht auch die politischen Entscheidungsträger nicht kalt lässt.

Was sagen die Forscher genau?

Wirbelstürme beziehen ihre mörderische Energie aus der Verdunstung von Wasser über warmen tropischen Meeren. Höhere Meerestemperaturen führen daher in der Theorie auch zu stärkeren Stürmen. In der Praxis aber ist es komplizierter. So weist der renommierte Klimaforscher Stefan Rahmstorf darauf hin, dass es nach neuestem Forschungsstand das Temperaturgefälle zwischen Boden und hohen Luftschichten ist, das für deren zunehmende Kraft verantwortlich ist. Viele Aspekte seien noch nicht abschließend geklärt.

Unabhängig von den Details sind sich die Experten aber einig, dass extrem starke Wirbelstürme öfter auftreten und dass deren Windgeschwindigkeiten in der Spitze weiter steigen. "Solche Stürme sind in den letzten drei Jahrzehnten häufiger geworden, und Klimamodelle lassen eine weitere Verstärkung für die Zukunft erwarten", warnte Rahmstorf am Montag. Das bestätigten in den vergangenen Jahren auch Studien im Auftrag der UN-Wetterorganisation, die Berichte von US-Behörden und die Forschung vieler anderer Wissenschaftler.

Werden tropische Wirbelstürme insgesamt häufiger?

Das ist unklar. Bisher geht die Forschung davon aus, dass deren zerstörerische Gewalt im Einzelfall zwar zunimmt und extreme Stürme häufiger werden, die Gesamtzahl von Taifunen, Hurrikans und Zyklonen global gesehen aber womöglich nicht steigt - mit der Ausnahme des nördlichen Atlantiks, wo dies inzwischen als weitgehend bewiesen gilt. So steht es auch im neuen Sachstandsberichts des Weltklimarats IPCC, der erst vor Kurzem veröffentlicht wurde.

Einige Wissenschaftler vertreten sogar die These, der Klimawandel reduziere die Zahl gefährlicher tropischer Wirbelstürme, indem er Scherwinde begünstige, die deren Entstehung hemmen. Andere sehen bei diesem Thema aber noch Forschungsbedarf. Sie halten es nach wie vor für möglich, dass die Gesamtzahl der Wirbelstürme steigen wird, dies wegen Lücken in den Modellen zum Klimawandel aber noch nicht erfasst wird.

Ist Südostasien durch stärkere Wirbelstürme besonders gefährdet?

In der Tat gilt Südostasien als eine der Regionen, auf die die Klimaforscher mit besonderer Sorge blicken. Die Philippinen, China, Vietnam und viele andere Länder liegen auf der Zugbahn der Taifune und sind bedroht, wenn diese stärker werden. Hinzu kommt, dass die Region vor allem an den Küsten und Flussmündungen dicht besiedelt ist und dort in den kommenden Jahrzehnten immer mehr Metropolen heranwachsen werden, in denen sich eine wachsende Bevölkerung ballt.

Dabei geht es nicht allein um höhere Windgeschwindigkeiten. Die größten Schäden entstehen meist ohnehin nicht durch den Sturm selbst, sondern durch die ihn begleitenden Sturmfluten und sintflutartigen Niederschläge. Auch diese Begleiteffekte aber werden durch den Klimawandel signifikant verschärft. Er lässt die Meeresspiegel steigen und erwärmt die Atmosphäre, die mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann. Die südostasiatischen Flussdeltas mit ihrer relativ hohen Bevölkerungsdichte seien daher "besonders verletzlich", schrieb die Weltbank in einem im Juni veröffentlichten Bericht zu regionalen Klimawandel-Risiken.

Es bleibt dennoch abzuwarten, ob eine zeitlich so nahe Katastrophe die Delegierten der Klimakonferenz stärker beeindrucken kann als frühere Unwetter und ihre Folgen. Experten sahen vor "Haiyan" wenig Anzeichen, dass die Warschauer Klimakonferenz einen Durchbruch bringen könnte - nicht zuletzt, weil auch die Gastgeber im Kampf gegen den Klimawandel ein Hindernis für die eigene Wirtschaft sehen.


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