VG-Wort Pixel

Zerstörte Lebensräume Nach jahrelanger Suche: US-Regierung will 22 Tierarten für ausgestorben erklären

Tierarten USA ausgestorben
Zu den Tierarten, die fortan als ausgestorben gelten sollen, zählt der sogenannte Elfenbeinspecht mit seiner auffälligen roten Haube
© Adolphe Pierre-Louis/ / Picture Alliance
Die US-Naturschutzbehörde "Fish and Wildlife Service" will Medienberichten zufolge 22 Tiere und eine Pflanze für ausgestorben erklären. Als Hauptgrund für das Verschwinden gelten durch Menschen verursachte Umweltveränderungen.

Mit seinem elfenbeinfarbenen Schnabel, der roten Haube und dem schwarz-weißen Federkleid ist der Elfenbeinspecht ein echter Hingucker. Genauer gesagt: Er war es offenbar. Trotz umfangreicher Bemühungen konnte seit vielen Jahrzehnten kein in freier Wildbahn lebender Vertreter seiner Art gefunden werden. Wie US-Medien berichten, soll der ursprünglich in Nordamerika beheimatete Specht deshalb von der US-Naturschutzbehörde "United States Fish and Wildlife Service" für ausgestorben erklärt werden – ebenso wie 22 weitere Tier- und Pflanzenarten, darunter zehn Vögel, acht Frischwassermuscheln, zwei Fische sowie eine Fledermaus und eine Pflanzenart. Von den meisten dieser Arten fehlt seit Jahrzehnten jede Spur.

"Jede dieser 23 Arten stellt einen dauerhaften Verlust für das Naturerbe unserer Nation und die globale Biodiversität da", erklärte Bridget Fahey, die bei der Behörde für die Artenklassifizierung zuständig ist, gegenüber der "New York Times". Das Verschwinden der 23 Tier- und Pflanzenarten wertete sie als "ernüchternde Erinnerung" daran, dass das Aussterben eine Folge der von Menschen verursachten Umweltveränderungen sei. 

Zerstörte Lebensräume

Im Fall des Elfenbeinspechts gelten Waldrodungen und das Trockenlegen von Sümpfen als Hauptgründe für den Rückgang der Art. In der Vergangenheit wurde auf das Tier auch Jagd gemacht. Zwar gab es in den vergangenen Jahren immer wieder vermeintliche Sichtungen des als gefährdet geltenden Spechts, sie konnten aber nie offiziell bestätigt werden. Die letzte bestätigte Sichtung ist auf das Jahr 1944 datiert.

Ein silbrig glänzender Fisch, der einzig in den San Marcos Springs in Texas gefunden werden konnte, ist ebenfalls auf der Liste. Der Fisch wurde seit dem Jahr 1983 nicht mehr gesehen. Im Fall der "San Marcos Gambusia" werden Wasserverschmutzungen aus angrenzenden Städten für das Verschwinden mitverantwortlich gemacht. 

Ankündigung sorgt auch für Kritik

Einige Forschende sehen es kritisch, bestimmte Arten als ausgestorben zu klassifizieren und argumentieren, das behindere Anstrengungen, die Lebensräume der Tiere zu schützen oder die Tiere ausfindig zu machen. Für einige Arten gebe es zudem noch Hoffnung.

Mit der Ankündigung, den Elfenbeinspecht als ausgestorben zu klassifizieren, sei "wenig gewonnen und viel verloren", sagte etwa der Vogelbiologe John Fitzpatrick gegenüber "AP". Er ist Hauptautor einer Studie aus dem Jahr 2015, die nahelegt, dass es durchaus noch lebende Exemplare des Spechts gibt, und zwar im Osten Arkansas. Auch die Weltnaturschutzunion (IUCN), die unter anderem die Rote Liste der gefährdeten Tierarten verwaltet, will den Specht vorerst nicht in ihre Liste der ausgestorbenen Tierarten aufnehmen. Ein Sprecher der Union verwies auf die Möglichkeit, dass der Vogel noch in Kuba existiere.

Laut IUCN sind derzeit mehr als 38.500 Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. Nicht selten kann bedrohten Arten jedoch auch wieder geholfen werden, entscheidend dafür sind Anstrengungen, den Lebensraum der Arten zu schützen – Anstrengungen, die im Fall der 23 Tier- und Pflanzenarten, so ist zu befürchten, zu spät kamen. 

Quelle:Associated Press (AP) / Reuters

ikr

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker