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Verhaltensforschung: Schlaue Orang-Utans nutzen Wasser als Werkzeug

Was Vögel können, können Orang-Utans schon lange: Deutsche Wissenschaftler haben beobachtet, dass die Menschenaffen genauso schlau Werkzeug einsetzen können wie Vögel. In diesem Fall war es Wasser und sie hatten vorher noch nie damit geübt.

Bei Versuchen im Leipziger Zoo haben Wissenschaftler beobachtet, wie Orang-Utans mehrmals Wasser in eine enge Röhre spuckten, um an eine darin schwimmende Erdnuss zu gelangen. Die Lösung derartig komplexer Aufgaben war bisher nur bei Rabenvögeln beobachtet worden. Das Wissenschaftlerteam um Natacha Mendes vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig berichtet über seine Ergebnisse im Fachmagazin "Biology Letters" (DOI: 10.1098/rsbl.2007.0198) der Royal Society in London.

Sie mussten mehrmals einen Mund voll Wasser in die Röhre spucken

Die Forscher beobachteten fünf weibliche Orang-Utans im Alter zwischen 7 und 32 Jahren bei dem Versuch, eine Erdnuss zu erreichen. Für den eigentlichen Test schwamm eine Erdnuss in einer durchsichtigen Röhre mit einem Durchmesser von fünf Zentimetern und einer Länge von 26 Zentimetern, die nur zu einem Viertel mit Wasser gefüllt war. So kamen die Menschenaffen nicht direkt an die Belohnung und mussten dazu mehrere Male einen Mund voll Wasser in die Röhre spucken.

Das Wasser holten die Versuchstiere aus einem Spender, der ein fester Bestandteil des Versuchskäfigs ist und nicht extra für das Experiment eingebaut wurde. Die Affen hatten auch noch nie zuvor Wasser als Hilfsmittel in anderen Experimenten benutzen müssen. Während die Tiere in ihren ersten Versuchen, an die Erdnuss zu kommen, verschiedene Lösungsansätze ausprobierten, wie beispielsweise das Ziehen, Hochheben und Schütteln der Röhre, kamen sie in den nächsten Versuchen gleich durch den Trick mit dem Wasser an die Nuss.

Die Wissenschaftler konnten mit ihrer Studie frühere Forschungen widerlegen, die Vögel im Vergleich zu Affen als deutlich schlauere Werkzeugnutzer identifiziert hatten. So hatten im Jahr 2002 englische Forscher im Fachmagazin "Science" von einer Neukaledonischen Krähe berichtet, die aus einem geraden Stückchen Draht spontan einen Haken bog, um damit an Futter in einer engen Glasröhre zu gelangen.

DDP / DDP
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