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Weltklimabericht 2007: Dreht die Heizung runter!

Tausende sterben aufgrund von Hitze, die Gletscher schmelzen, das Überschwemmungsrisiko steigt - der Weltklimabericht hat die Menschen aufgerüttelt. Aber wir müssen auch etwas tun: zum Beispiel radikal Energie sparen.

Ein Kommentar von Thomas Langkamp

Der UN-Klimabericht wird in Zukunft die politische Debatte über den Klimawandel bestimmen. Denn er fasst alle Erkenntnisse von 2500 Experten aus fünfeinhalb Jahren Klimaforschung zusammen und belegt eindeutiger denn je: Die Erwärmung ist menschengemacht, sie lässt sich nur noch abmildern und wird schwerwiegende Folgen für Mensch und Umwelt haben.

Getan haben die Regierungen bisher zu wenig

Das "Climate Change 2007"-Papier wird in der Medienwelt eine Welle hektischer Berichterstattung lostreten und die Politiker zum Handeln auffordern. "Deshalb muss man Energie sparen, deshalb muss man auf erneuerbare Energien setzen, und deshalb muss man sich natürlich auch überlegen, was für Folgen hat es, wenn wir Kernkraftwerke abschalten", sagte Bundeskanzlerin Merkel im ARD-Morgenmagazin.

Aber sie sagt es nur und der IPCC-Bericht schreibt es nur. Getan haben die Regierungen bisher zu wenig. Auf europäischer Ebene wurde kürzlich vorgeschlagen, magere 20 Prozent Einsparung von Treibhausgasen bis 2020 einzusparen. Zu wenig. Experten fordern 30 Prozent, bis zum Jahr 2050 sogar 60 Prozent, um die globale Erwärmung auf 2 Grad zu begrenzen.

Fünf Minuten Aufatmen für die Erde

Die Deutschen drohen angesichts der massenhaften Berichte zu den bereits sichtbaren Folgen des Klimawandels entweder zu resignieren - oder sie suchen nach Möglichkeiten, Mitmenschen und Politikern deutliche Zeichen zu geben. Am Dienstag landete eine Kettenmail in meinem Posteingang, ein Dutzend identische Mails folgten. Sonst nervig, war die Post diesmal beeindruckend: Die Mail rief zu einer deutschlandweiten Aktion auf.

Unter dem Motto "Fünf Minuten Aufatmen für die Erde - ein Zeichen setzen gegen Energieverschwendung und den menschengemachten Klimawandel" sollten am Donnerstag von 19.55 bis 20 Uhr alle Lichter ausgehen. In Frankreich war dieselbe Aktion ein Erfolg: Der Stromverbrauch sackte in den fünf Minuten um 800 Megawatt ab - das entspricht der Beleuchtung von drei Millionen Haushalten. In Paris erloschen für die Zeit die 20.000 Lichter des Eiffelturms.

Die Prognosen sind beunruhigend

Was die Menschen bewegt, sind beunruhigende Prognosen: Bis zum Jahr 2100 wird die globale Erwärmung rund 3 Grad betragen, in Deutschland 3,5 Grad. Stellen wir die Lichter aus, steigen alle auf Ökostrom und sparsame Autos um, besser noch auf den öffentlichen Nahverkehr - dann steigt die Temperatur nur um 2 Grad.

Wächst die Wirtschaft wie bisher und setzt sie weiter auf fossile Energieträger wie Erdgas, Öl und Kohle, weil die Regierungen regenerative Energien nicht fördern und sie dem Verbraucher zu teuer sind - dann rechnen die Klimaforscher mit einer Erwärmung um satte 4,5 Grad.

Die Folgen sind fatal - und haben längst begonnen: Hitzewellen fordern tausende Menschenleben, Meereis, Schnee und Gletscher schmelzen, das Überschwemmungsrisiko steigt genau wie der Meeresspiegel, Permafrostböden tauen auf.

Wir brauchen die Ökosteuer

Selbst wer trotz aller Fakten am Einfluss des Menschen auf das Klima zweifelt, muss endlich erkennen: Wir müssen sparsamer mit fossilen Rohstoffen umgehen - sie sind endlich und nicht nur Grundlage für Heizung und Strom, sondern auch in der chemischen, technischen und pharmazeutischen Industrie unersetzlich. Sie sind Basis für Kunststoffe, viele Chemikalien, Kosmetika und so manches Medikament.

Deshalb brauchen wir ein zweites Kyoto-Protokoll, das über 2012 hinaus Emissions-Grenzen für Treibhausgase festlegt und bei dem auch die USA mitmachen. Deshalb brauchen wir die Ökosteuer und Gesetze zur Förderung erneuerbarer Energien. Sie sind sinnvolle Steuerungsmechanismen, damit die Industrie verantwortungsvoll mit Energie und fossilen Rohstoffen haushalten kann. Große Konzerne brauchen verbindliche Gesetze, weil sie sich selbst meist nur eine Grenze setzen: nicht von den schwarzen in die roten Zahlen zu geraten.

Und wieviel CO2 produzieren Sie?

Die Regierungen müssen etwas unternehmen - aber ebenso jeder einzelne. Denn jeder kann etwas tun. Mit dem Kohlendioxid-Rechner kann jeder ausrechnen, wieviel Kohlendioxid er jährlich produziert - da kann einiges zusammenkommen.

Wir brauchen Solarzellen auf unseren Dächern, wir müssen Ökostrom bei kleinen Anbietern bestellen und dadurch unabhängig von den Strommonopolisten werden. Wir müssen den Wert von Energie und Rohstoffen erkennen und sie mit Bedacht einsetzen.

Was wir nicht brauchen, ist eine Gewerkschaft, die wie Verdi am 7. Februar zur Demonstration gegen den Klimaschutz aufruft, um den Handel mit Kohlendioxid-Zertifikaten zu verteufeln.

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