Yvo de Boer UN-Klimachef wirft das Handtuch


Der oberste Klimaschützer der Vereinten Nationen tritt zurück: Klimaratchef Yvo de Boer wechselt im Juli in die Wirtschaft. Sein Rücktritt sei keine Reaktion auf das Scheitern des Weltklimagipfels, versicherte de Boer. Beobachter sehen dennoch einen Zusammenhang.

UN-Klimachef Yvo de Boer hat zwei Monate nach dem Scheitern des Kopenhagen-Gipfels überraschend seinen Rücktritt erklärt. In einer Mitteilung sprach de Boer am Donnerstag von einer schweren Entscheidung. "Aber ich glaube, dass die Zeit reif für mich ist, eine neue Herausforderung zu suchen." De Boer wechselt in die Privatwirtschaft und wird ab Juli die Unternehmensberatung KPMG in Umweltfragen beraten. Sein Rücktritt sei keine Reaktion auf den enttäuschenden Ausgang des Klimagipfels von Kopenhagen, sagte der 55-jährige Chef des Weltklimarats (IPCC). Das Treffen im Dezember endete mit einem Minimalkompromiss, was Beobachter auch als persönliche Niederlage für De Boer werteten. Bei dem taktierenden Ringen der Staats- und Regierungschefs wurde de Boer in eine ungewohnte Außenseiterrolle abgedrängt. Die politische Konfrontation zwischen den USA und China und der Unmut vieler Länder bestimmte schließlich wesentlich den Ausgang der Verhandlungen.

"Ich war immer der Ansicht, dass Politik zwar den notwendigen Rahmen absteckt, aber die wirklichen Lösungen von Unternehmen kommen müssen", erklärte de Boer, der sein Amt im September 2006 angetreten hatte. Der Gipfel in Kopenhagen habe der Staatengemeinschaft kein eindeutiges, juristisches Abkommen gebracht. "Kopenhagen war nicht, was ich mir erhofft hatte", räumte De Boer am Donnerstag ein. Dennoch habe der Gipfel eine "solide Grundlage für die erhoffte globale Antwort" auf den Klimawandel gelegt. Es sei weiterhin wichtig, für eine Welt mit weniger Treibhausgasen zu kämpfen. "Wir brauchen neue Partnerschaften mit der Privatwirtschaft. Und ich habe jetzt die Gelegenheit, dabei zu helfen, damit das passiert."

Der Niederländer stand knapp vier Jahre an der Spitze des IPCC. Durch regelmäßige Pressekonferenzen und unermüdliche Lobby-Arbeit bei Staats- und Regierungschefs brachte er das Thema Klimaschutz auf der politischen Agenda nach ganz oben. Dennoch gelang es ihm nicht, das Misstrauen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern zu überbrücken. Das faktische Scheitern des Kopenhagener Gipfels setzte De Boer nach Ansicht von Beobachtern mehr zu, als er eingestehen wollte. Nach dem Kopenhagen-Gipfel war unter anderem der Weltklimarat IPCC und dessen Vorsitzender Rajendra Pachauri in die Kritik geraten. In einem IPCC-Bericht von 2007 wurde fälschlicherweise angegeben, dass die Gletscher des Himalaya bis 2035 verschwinden würden. Kritiker stellten anschließend die Glaubwürdigkeit des Weltklimarates infrage. Pachauri hat einen Rücktritt abgelehnt und sprach von "sorgfällig eingefädelten" Angriffen durch Interessengruppen der Wirtschaft.

Reuters/APN/DPA DPA Reuters

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