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Kopenhagen: Entwicklungsländer blockieren Klimagipfel

Der Klimagipfel ist heute für kurze Zeit ins Stocken geraten, die Entwicklungsländer boykottierten die offiziellen Gespräche. Der Grund: Die Industriestaaten seien nicht bereit, in ausreichendem Maße ihren CO2-Ausstoß zu vermindern. Die Europäische Union kritisiert die Blockade.

Rückschlag statt Durchbruch auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen: Die Vertreter der Entwicklungsländer weigerten sich am Montag vorübergehend, an den Sitzungen der Arbeitsgruppen teilzunehmen. Sie wollen damit ihrer Forderung Nachdruck verleihen, dass die reichen Staaten ihre Ziele zur Senkung klimaschädlicher Treibhausgase höher stecken. Sie wollten erst wieder zu den Gesprächen zurückkehren, wenn dieses Problem gelöst sei, erklärten sie. Nach der kurzen Blockade stimmten sie einer Wiederaufnahme der Verhandlungen zu. Die Europäische Union kritisierte Teile der Entwicklungsländer für ihre Blockade. "Blockieren ist der schlechteste Weg", sagte der amtierende EU-Ratspräsident und schwedische Umweltminister Andreas Carlgren am Montagabend beim UN-Klimagipfel in Kopenhagen. "Alles muss offen diskutiert werden."

Der Leiter der EU-Parlamentsdelegation Jo Leinen warnte vor dem "Misstrauen" zwischen den einzelnen Ländern. "Es ist nicht nur draußen, sondern auch hier drinnen eiskalt", sagte Leinen. Auch innerhalb der Gruppe der Entwicklungsländer (G77) gebe es unterschiedliche Meinungen. "Das sind mehrere Welten in einer."

UN-Klimachef Yvo de Boer sagte in Kopenhagen, es gehe nun darum, wichtige Schlüsselfragen zu klären und eine Verständigung darüber zu erzielen, was genau bis zum kommenden Freitag beschlossen werden solle. Jedes Industrieland habe ein Reduktionsziel vorgelegt. "Die Aufgabe ist, jetzt zu klären, ob sie unter dem Strich das ergeben, was die Wissenschaft verlangt", sagte de Boer. Außerdem müsse sichergestellt werden, dass für Klimamaßnahmen in den armen Ländern keine Gesamtsumme beschlossen werde, sondern dass jedes einzelne Industrieland ein Finanzangebot auf den Tisch lege.

Medwedew fordert Rücksicht auf die Wirtschaft

Unterdessen hat der russische Präsident Dmitri Medwedew vor seiner Teilnahme am Gipfel mehr Rücksicht auf die Situation in Entwicklungsländern gefordert. Neue Klimaziele müssten die unterschiedlichen Bedingungen in jungen Industrienationen berücksichtigen, sagte Medwedew in einem Videoblog am Montag auf seiner Internetseite. Die Verpflichtungen dürften den "jeweiligen wirtschaftlichen Möglichkeiten und Prioritäten eines Landes" nicht zuwiderlaufen. Russland sei bereit, zur Verbesserung des weltweiten Klimas neue Verpflichtungen einzugehen.

Der Kremlchef bekräftigte, dass Russland seinen Ausstoß an Treibhausgasen bis 2020 im Vergleich zu 1990 bei minus 25 Prozent halten wolle. Er betonte auch, dass das größte Land der Erde durch seine Wälder schon seit langem einen großen Klimabeitrag leiste. Medwedew, der sein eigenes Land öffentlich als weltweit größten Energieverschwender kritisiert hat, kündigte an, dass Russland bis 2020 zudem seine Energieeffizienz um 40 Prozent erhöhen will.

DPA/AP / AP / DPA