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Deutsche Energiewende Grüner Wasserstoff: Warum er als Hoffnungsträger gilt – und wieso Scholz enger mit Kanada kooperieren will

Olaf Scholz mit Premierminister Trudeau bei der Unterzeichnung des Abkommens.
Olaf Scholz setzt bei der Produktion von Grünem Wasserstoff auf eine Zusammenarbeit mit Kanada. Doch auf dem Weg zu einer effektiven Produktion gibt es viele offene Fragen.
© Chris Young/The Canadian Press via ZUMA Press
Deutschland und Kanada wollen ein Abkommen zur Herstellung von Grünem Wasserstoff beschließen. Die Technologie gilt als Hoffnungsträger der deutschen Energiewende. Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Wasserstoff?

Wasserstoff (H²) ist ein alternativer Brennstoff, der in verschiedensten Bereichen eingesetzt werden kann. Zu Herstellung benötigt man grundsätzlich nur Wasser und Energie. Durch ein Elektrolyse-Verfahren wird Wasser in Sauerstoff- und Wasserstoffmoleküle gespalten. Der so gewonnene Wasserstoff kann dann weiterverwendet werden.

Grüner, Blauer, Türkiser, Pinker Wasserstoff – was ist der Unterschied?

Die Bezeichnung der verschiedenen Arten von Wasserstoff hat keineswegs etwas mit ihrer Farbe zu tun. Es geht um die Art der Herstellung und die Frage, mit welcher Energie die Abspaltung der Wasserstoffmoleküle bewirkt wird.

Bei der Produktion von Grauem Wasserstoff etwa wird auf die sogenannte Dampfreformierung gesetzt. Dabei wird Wasserstoff mithilfe von fossilem Erdgas gewonnen, wodurch CO² in die Atmosphäre gelangt. Bei Blauem Wasserstoff wird dieses CO² teilweise abgetrennt und im Erdboden gespeichert, was allerdings ebenfalls umstritten ist.

Pinker Wasserstoff setzt wiederum auf Energie aus der ebenfalls kontrovers diskutierten Kernkraft. Der Türkise Wasserstoff entsteht durch die thermische Spaltung von Methan. Dabei entsteht als Nebenprodukt lediglich fester Kohlenstoff, allerdings befindet sich dieses Verfahren noch in der Entwicklung.

Was ist das Besondere an Grünem Wasserstoff?

Durch den Einsatz von erneuerbaren Energien bei der Elektrolyse entstehen bei der Produktion von Grünem Wasserstoff wenig Emissionen. Deswegen ist es für dessen Produktion sehr wichtig, dass es ausreichend Ökostrom gibt, der in der Nähe produziert wird. Denn aktuell gibt es erst wenige Möglichkeiten, Strom ohne großen Energieverlust über weite Strecken zu transportieren.

Wofür kann Wasserstoff eingesetzt werden?

Die Bundesregierung plant, Grünen Wasserstoff in verschiedenen Industriezweigen einzusetzen. Unter anderem könnte er zum Heizen und als Kraftstoff für Autos mit Brennstoffzellen eingesetzt werden. Als ein weiterer sehr wichtiger Sektor wird die Industrie angesehen, in der der Grüne Wasserstoff als Brennstoff fossile Quellen wie Erdgas ersetzen könnte.

Auch als synthetischer Kraftstoff für Schiffe und Lkws gilt Grüner Wasserstoff als Hoffnungsträger. Denn der Transportsektor macht einen erheblichen Teil der CO²-Emissionen aus und Elektromotoren scheinen auf diesem Gebiet bislang nicht effektiv zu sein.

Wie weit ist Deutschland bei der Produktion?

Bislang gibt es in Deutschland keine große industrielle Produktion von Grünem Wasserstoff. Einzelne Projekte versuchen jedoch bereits, überschüssigen Ökostrom zur Herstellung von Grünem Wasserstoff einzusetzen.

Jedoch reichen die Mengen bei Weitem noch nicht für eine Versorgung von zum Beispiel Teilen der deutschen Chemie- und Transportindustrie. Deswegen ist die Bundesregierung auf der Suche nach Partnern, mit denen sie die Produktion gemeinsam erweitern kann.

Warum will die Bundesregierung mit Kanada zusammenarbeiten?

In Kanada gibt es Gebiete, die gute Voraussetzungen für die Produktion von Grünem Wasserstoff bieten. Infrage kommt zum Beispiel die Region Neufundland. Dort gibt es ausreichend Wind, um den nötigen Ökostrom zu produzieren, den man für die Elektrolyse brauchen würde. Aufgrund der spärlichen Besiedelung der Region gäbe es auch ausreichend Platz für entsprechende Windparks.

Allerdings bestehen aktuell noch keine Transportmöglichkeiten, weswegen bis 2025 neue Terminals in Kanada entstehen sollen. Bundeskanzler Olaf Scholz ist davon überzeugt, dass die Zusammenarbeit erfolgreich sein wird: "Kanada wird für die Entwicklung des grünen Wasserstoffs eine ganz, ganz zentrale Rolle spielen", sagte er während seines Antrittsbesuches in Kanada.

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