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Zweiter Weltkrieg Ostfront 1943 – wie die Rote Armee Hitler beinahe gefangen hätte

Hitler war im Februar 1943 nicht bewusst, wie nahe die Sowjets an seinem Aufenthaltsort waren. 
Hitler war im Februar 1943 nicht bewusst, wie nahe die Sowjets an seinem Aufenthaltsort waren. 
© Commons
Um seinen fähigsten Strategen Erich von Manstein auf Spur zu bringen, flog Hitler im Februar 1943 in die heutige Ukraine. Dabei wurde er fast von einer Kolonne T-34 gefangen genommen. Hitler hatte Glück: Die Russen wussten nicht, wie nah sie dem Diktator gekommen waren.

1942 und 1943 vergrub sich Hitler noch nicht in einem Hauptquartier, sondern besuchte die Kommandozentralen des Heeres an der Ostfront regelmäßig. Er nutzte dabei drei Focke Wulff Condor 200, um sich selbst und seine Entourage in seinem zusammengeraubten Reich zu bewegen. Die Focke Wulff Condor 200 war ein elegantes Langstreckenflugzeug. Ähnlich wie heute eine Präsidentenmaschine war das Hitler-Flugzeug speziell gepanzert und bewaffnet. Der Passagierraum wurde zu einer Art Wohn- und Arbeitsraum umgestaltet. Im Führer-Sessel befand sich ein Fallschirm, neben dem Platz war eine spezielle Luke, durch die Hitler im Notfall hätte abspringen können.

In der Luft wurden diese Maschinen stets von Jagdflugzeugen begleitet. Hitler ließ sich meist von seinem persönlichen Piloten Hans Bauer fliegen. Der gehörte zur inneren Entourage um Hitler. Viele private Aufnahmen von Hitler stammen vom Hobbyfilmer Bauer. Doch im Himmel wurde es gefährlich. Bei einem Transportflug ohne den prominenten Passagier wurde Bauers Maschine von russischen Jägern durchsiebt.

Südabschnitt vor dem Zusammenbruch

Doch die größte Gefahr drohte Hitler nicht aus der Luft. Am 17. Februar 1943 flog er von der Wolfsschanze in Ostpreußen ins Hauptquartier der Armee Gruppe Süd. Damals stand die gesamte südliche Ostfront vor dem Zusammenbruch. Wenige Wochen zuvor war die 6. Armee in Stalingrad ausgelöscht worden. Eine massive russische Offensive trieb die Deutschen vor sich her. Als Charkow fiel, sah es aus, als würden die russischen Panzer den gesamten südlichen Frontabschnitt abschneiden.

An der Front hatten die deutschen Verbände zu der Zeit keine Verbindung miteinander, durch diese Frontlücken konnte die Rote Armee ungehindert vorstoßen. An das Hauptquartier in Saporoschje waren die sowjetischen Panzerspitzen bedrohlich nah herangerückt. Nur 36 Kilometer trennten sie noch vom Flughafen, als am 17. Februar die drei Condor-Maschinen um 6 Uhr morgens landeten. Bauer und die Besatzungen blieben bei den Maschinen, während Hitler ins Hauptquartier fuhr.

In Begleitung der Generäle Alfred Jodl und Kurt Zeitzler traf Adolf Hitler im Hauptquartier der Heeresgruppe Süd in Saporoschje ein. Sie sollten General Manstein dazu drängen, das Donezgebiet und die Stadt Charkow möglichst schnell wieder einzunehmen. Hitler war außer sich, weil der Führer des SS-Panzerkorps Paul Hausser Charkow gegen den Befehl geräumt hatte, um nicht abgeschnitten zu werden.

Panzerfahrer wussten nichts von Hitlers Anwesenheit

Manstein hatte andere Pläne als Hitler, er wollte die Sowjets möglichst weit vorrücken lassen und erst dann zuschlagen, wenn sich deren Offensive erschöpft hätte. Manstein galt damals schon als der fähigste Stratege Deutschlands. Doch das Verhältnis zwischen dem General und Hitler war gespannt. Der kühle Militär-Intellektuelle Manstein ließ dem Führer seine Überlegenheit spüren. Und Hitler selbst gestand ein, dass die Magie, die bei den unterschiedlichsten Personen wirkte, bei Manstein nicht verfing. Hier in Saporoschje gerieten die beiden aneinander, weil Mansteins Plan einer Gegenoffensive Hitler zu gewagt war. In Mansteins Augen besaß Hitler weder die Härte noch die Nervenstärke für kühne Entscheidungen.

Am 19. Februar brachen russische Panzer durch die dünnen deutschen Linien – sie stießen Richtung Flugplatz vor. Ein Versuch, die Kolonne mit Kampflugzeugen anzugreifen, scheiterte wegen der tiefen Wolkendecke. Aufklärungsflugzeugen von Typ Fiesler Storch gelang es dann doch 22 T-34 auszumachen. Nur wenige Kilometer vom Flughafen entfernt und ohne deutsche Truppen dazwischen. Bauer wollte die Condor-Maschinen zu kleineren und entfernten Flugplätzen verlegen, aber Hitler untersagte ein Ausweichen, weil die Besprechungen beendet waren. Als er das Flugfeld erreichte, hatten die Mannschaften schon damit begonnen, improvisierte Verteidigungsstellungen auszuheben. Doch hatten sie weder Panzer noch Abwehrkanonen. Eilig bordeten Hitler und seine Begleitung ein und die Maschinen hoben ab.

Adolf Hitler und Alois Hitler

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Anderer Verlauf des Krieges

Bis zum Mai 1945 sollte die Rote Armee Hitler nie wieder so nahekommen. Hitler hatte vor allem Glück. Der Kreml wusste nicht, dass er sich in Saporoschje befand. Die T-34 warteten auf einer Kolchose ab, da sie ihren Sprit verbraucht hatten. Wäre Hitlers Ankunft drei Tage zuvor bekannt gewesen, hätten die Sowjets, obwohl ihre Offensive den Zenit überschritten hatte, sicher genügend Kräfte zusammenziehen können, um den Flughafen und das Hauptquartier einzunehmen. Ein Ausschalten des Diktators zu diesem Zeitpunkt hätte den Kriegsverlauf stark verändert. Es ist anzunehmen, dass der Massenmord an Juden und anderen Gruppen ohne Hitler gestoppt worden wäre und das deutsche Militär versucht hätte mit einer Seite der Alliierten einen Separatfrieden abzuschließen. Millionen Menschen wären gerettet worden.

Mansteins Plan ging übrigens auf. In der dritten Schlacht um Charkow zerschlugen seine Truppen die russischen Panzerverbände.


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