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Vulkanausbruch Skelett eines Offiziers identifiziert, der die Verzweifelten von Pompeji retten wollte

Der Prätorianere wurde bereits in den 1980er-Jahren gefunden.
Der Prätorianere wurde bereits in den 1980er-Jahren gefunden.
© Parco Archeologico di Ercolano / PR
Alle flohen aus Pompeji und Herculaneum, doch die Marine landete für eine Bergungsmission. Ein Offizier wollte den Eingeschlossenen helfen, dabei wurde er am Strand von einer Gaszunge getötet.

Als der Vesuv 79 n. Chr. die beiden Küstenstädte Pompeji und Herculaneum unter sich begrub, unternahm die römische Marine einen heroischen Versuch, die verzweifelten Menschen zu retten, die sich vor den Lavaströmen an den Strand gerettet hatten. Nun wurde das Skelett eines der Retter identifiziert. Gefunden wurde der Mann mit etwa 300 anderen Opfern bereits in den 1980er-Jahren am Strand von Herculaneum. Seine Bedeutung blieb aber lange verborgen, weil man die beiliegenden Funde nicht analysierte.

"Als ich 2017 in Herculaneum ankam, wurde mir klar, dass viel Forschung in die Skelette floss, aber niemand dachte daran, die Werkzeuge zu analysieren, die daneben gefunden wurden", sagte Francesco Sirano, Leiter der archäologischen Stätte in Herculaneum. "Also haben mein Team und ich einen genaueren Blick darauf geworfen, und was wir gefunden haben, war erstaunlich."

Viele Tote in der Nähe der Strände

Im Gegensatz zu den anderen Skeletten, die an dem Strand und den dortigen Hütten lagen, war der Mann ein Militär. Er trug einen reich verzierten Ledergürtel, einen verzierten Dolch und ein Schwert mit einem Eisengriff bei sich. Analysen zeigten, dass der Gürtel mit Bildern eines Löwen und eines Cherubs verziert war und die Scheide des Schwertes das Abbild eines ovalen Schildes zeigte. Sirano nimmt vor allem wegen des Bildes des Schildes an, dass der Mann ein Mitglied der Prätorianergarde war. "Prätorianer trugen ovale Schilde", erklärt Sirano. Legionäre rechteckige.

Dolch und Schwert sind reich geschmückt.
Dolch und Schwert sind reich geschmückt.
© Parco Archeologico di Ercolano / PR

Mitglied einer Elite-Einheit

Die Prätorianer waren eine Elitetruppe, zu deren Aufgaben es gehörte, den Kaiser und seine Familie zu schützen, und die Sicherheit in der Stadt Rom zu garantieren. Außerdem wurde ein Lederbeutel mit Münzen bei ihm gefunden. "Die Münzen, die er bei sich trug, entsprachen dem Monatslohn eines Prätorianers." Er war höher als der eines Legionärs. Der 40- bis 45-jährige Mann wurde mit dem Gesicht nach unten im Sand gefunden. Vermutlich wurde er durch eine Gas- und Flammenzunge des Ausbruchs zu Boden geworfen und getötet. "Er könnte ein Offizier der Flotte sein, die an der Rettungsmission teilnahm, die Plinius der Ältere startete, um den Menschen in den Städten und Villen zu helfen, die an diesem Teil der Bucht von Neapel liegen", so Sirano. Der Beutel mit einem kompletten Monatslohn deutet darauf hin, dass Plinius seine Männer vor der gefährlichen Mission durch die Ausgabe einer Sonderzahlung motiviert hat. Neben dem Toten wurden kleinere Hack- und Grabwerkzeuge gefunden.

Plinius der Ältere, war ein Gelehrter der Naturwissenschaft und zu der Zeit Kommandant des römischen Marinestützpunktes in Misenum am Golf von Neapel. Und alles andere als ein Heros. Plinius war 55 Jahre alt, übergewichtig, asthmatisch und hatte keinerlei maritime Erfahrung und doch kommandierte er die wichtigste Flotte im Römischen Reich.

Plinius entschloss sich zur Rettungsmission

Die Geschichte des Ausbruchs wurde durch die Berichte seines Neffen, Plinius des Jüngeren, überliefert. Demnach war der Onkel beunruhigt, weil er eine seltsame Wolke aus dem Vesuv aufsteigen sah. Er befahl einer Galeere, sich bereit zu machen, um hinüber zu segeln und nachzuforschen.

Kurz darauf erhielt er eine Nachricht von seiner Freundin Rectina, die ihn anflehte, sie aus ihrer Villa am Fuße des Berges zu retten. "Er änderte seine Pläne, und was er im Geiste der Untersuchung begonnen hatte, vollendete er wie ein Held. Er gab den Befehl, die Kriegsschiffe zu Wasser zu lassen, und ging selbst an Bord, in der Absicht, außer Rectina noch vielen anderen Menschen Hilfe zu bringen, denn dieser schöne Küstenabschnitt war dicht besiedelt."

Reise in ein Inferno

Plinius nahm die größten Schiffe seiner Flotte, um über die Bucht zu gelangen. Die vollständige Zerstörung von Pompeji dauerte drei Tage, diejenigen, die die Stadt sofort verließen oder auf der Durchreise waren, überlebten. Wer zu Beginn zögerte, konnte später nicht mehr entkommen. Als die gewaltigen Schiffe mit ihren 232 Ruderern ankamen, war die Situation bereits katastrophal. "Es fiel bereits Asche, die heißer und dichter wurde, je näher die Schiffe kamen, gefolgt von Bimssteinbrocken und geschwärzten Steinen, die von den Flammen verkohlt und verbrannt wurden. Einen Moment lang überlegte mein Onkel, ob er umkehren sollte, aber als der Steuermann dazu riet, lehnte er ab."

Plinius konnte in Pompeji nicht anlegen, seine Schiffe dockten in Stabiae an. Nach dem Regen von Bimsstein und Asche tobten um Mitternacht heiße Gaszungen zuerst durch Herculaneum und am Morgen dann durch Pompeji. Sie töteten alle, die in der Stadt geblieben waren. Vermutlich auch den Prätorianer und Plinius selbst. Auch er kam in der Nähe des Ufers ums Leben.

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