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Stars der Bio-Kiste: Der Fenchel

Fade Tees in unserer Kindheit haben seinen Ruf ruiniert. Der folgende Text richtet sich an Erwachsene.

Lange hat es gedauert, bis die Deutschen endlich dahinter kamen, dass Fenchel eine feine Sache ist: Als Gemüse ist er erst seit 30 Jahren bei uns auch ohne detektivisches Geschick zu finden. In Italien hingegen gehört er bereits seit Generationen in Pastasaucen und Salat. Schon im ersten Jahrhundert pries ihn der römische Geschichtsschreiber Plinius.

Dass die Anhänger des Doldenblütlers hierzulande noch nicht Legion sind, mag daran liegen, dass mindestens eine Nachkriegsgeneration als Babys mit gesüßtem Instant-Fencheltee grausigster Art ruhig gestellt wurde. Aufgrund dieses Traumas Fenchel fortan vom Speiseplan zu streichen mag verständlich sein, ist aber töricht. Schließlich lehren uns die Beispiele Kaffee, Bier oder Oliven, dass es sich lohnt, kindliche Abneigungen alle paar Jahre auf ihre Gültigkeit zu überprüfen.

Spätestens mit dem abgeschlossenen 30. Lebensjahr darf man sich darum auch getrost wieder dem Fenchel zuwenden - und wird feststellen, dass sein Anisaroma nicht penetrant, sondern zart ist und obendrein prima zu Fisch passt. Auch gedünstet, mit einer Sauce aus Blauschimmelkäse hat das Gemüse nichts mehr mit dem faden Tee gemein, zu dem es einst verunstaltet wurde. Nebenbei bemerkt, gehört Fenchel zu den nährstoffreichsten Gemüsen überhaupt, enthält etwa doppelt so viel Vitamin C wie Orangen, üppige Mengen Eisen, Magnesium, Kalium, Kalzium, Beta-Karotin, Vitamin E und Folsäure. Höchste Zeit, erwachsen zu werden.

Ruth Hoffmann / GesundLeben
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