Seltener Nachwuchs im Zoo Schwerin: Nach elf Jahren kam dort erstmals wieder ein kleiner Flachlandtapir zur Welt – im für Tapir-Babys charakteristischen Streifenlook, der entfernt an einen Schlafanzug erinnert. Die Geburt eines solchen Tieres ist eine kleine Sensation. Nur wenigen Zoos in Europa ist in den vergangenen Jahren die Nachzucht von Flachlandtapiren gelungen.
Auch in freier Wildbahn in Südamerika gelten die friedlichen Tiere als gefährdet: Sie werden immer noch wegen ihres Fleisches und ihrer Haut gejagt, und der Regenwald, in dem sie leben, wird weiter gerodet und in immer kleinere Areale zerstückelt. Für die Wissenschaft sind Tapire immer noch ein Mysterium. Es ist nicht allzu viel über sie bekannt. Was man weiß, ist allerdings faszinierend.
1. Tapire sind keine Schweine. Eher Nashörner
Obwohl sie in Bezug auf Größe, Körperbau und ihren Rüssel eher an ein großes Schwein erinnern, sind Tapire als Unpaarhufer mit Pferden und sogar noch enger mit Nashörnern verwandt. Unpaarhufer laufen auf einer ungeraden Zahl von Zehen: Nashörner auf drei, Tapir und Pferd nutzen beide die Mittelzehe. Beim Tapir trägt sie den größten Teil des Gewichts, beim Pferd ist sie zu einem Huf umgebildet. Tapire sind wie ihre Verwandten reine Vegetarier, mit großem Appetit auf Blätter und Früchte im Wald.
2. Der Tapir – ein Albtraum für Forscher
Auf einer Autobahn oder in einer Sandwüste wäre ein Tapir wohl nicht zu übersehen: Die größte Art, der südostasiatische Schabrackentapir mit seiner auffälligen Schwarz-Weiß-Scheckung, bringt es auf deutlich mehr als einen Meter Schulterhöhe und bis zu 400 Kilo Gewicht – so viel wie ein schweres Pony. Selbst die etwas kleineren schwarzbraunen Fachlandtapire aus Südamerika können mehr als 200 Kilogramm wiegen.
Doch die Lebensweise der Tapire macht es extrem schwer bis unmöglich, diese Tiere näher zu erforschen: Ihre Heimat sind die dichten Regenwälder Südostasiens und Südamerikas. Dort leben sie weit verstreut und sehr zurückgezogen als Einzelgänger. Durch die intensive Bejagung sind sie sehr scheu und inzwischen so selten, dass sie fast nur noch in Schutzgebieten zu finden sind. Zudem leben sie nachtaktiv und verlassen erst bei Dunkelheit ihre Verstecke im Unterholz.
3. Ein Schlafanzug, der Leben rettet
Die Jungtiere aller Tapir-Arten haben ein auffälliges Fellmuster mit vielen hellen Streifen und Punkten im dunkelbraunen oder rötlichen Fell. Was uns erscheint wie ein niedlicher Pyjama, rettet den Jungen im dichten Wald das Leben, denn die Muster imitieren die Lichtflecken auf dem Waldboden und im Unterholz. Sie lassen das Jungtier auf diese Weise optisch mit seiner Umgebung verschmelzen. Ähnliche Flecken zur Tarnung kennen wir von unseren heimischen Rehkitzen – und wie beim Tapir verschwindet auch ihr Muster im Erwachsenenalter.
4. Fettige Haut schützt vor Feinden, lockt sie aber auch an
Tapire haben zwar keinen Panzer, um sich zu schützen, aber etwas Ähnliches: Ihre Haut ist sehr fest und außerdem extrem fettig. Wer schon einmal einen Tapir im Zoo anfassen konnte, hat danach stumpfe, fettige Hände. Das Fett schützt die Tapir-Haut im feuchten Regenwald und im Wasser davor, dass sie aufquillt oder rissig wird. Zudem können sich durch das Fett Parasiten nur schlecht in der Haut festbeißen. Angeblich schützt die Haut die Tapire sogar vor Fressfeinden wie dem Jaguar, der sich nicht so gut an ihnen festhalten kann.
Leider macht gerade dieses derbe und sehr haltbare Leder neben dem Fleisch den Tapir zu einem begehrten Jagdobjekt für Menschen. Auch vor Sonne ist ein Tapir kaum geschützt, weshalb die Tiere in Zoos manchmal schon mit wasserfester Sonnencreme eingecremt wurden.
5. Ein Ass zu Lande und zu Wasser
Tapire lieben Wasser und können hervorragend schwimmen, weshalb zu einem Zoogehege zwingend ein großes Wasserbecken gehört. Tapire verbringen nämlich so viel Zeit im Wasser, dass ihre Lebensweise als semi-aquatisch bezeichnet wird. Sie sind sozusagen amphibische Säugetiere, die ständig zwischen Land und Wasser wechseln können.
6. Der Rüssel – ein Multitool
Der Rüssel eines Tapirs ist zwar viel kürzer als der eines Elefanten, ein gutes Vielzweckwerkzeug ist er trotzdem: Damit können Tapire ihre Umgebung abtasten und Gerüche aufnehmen, sie können aber auch geschickt damit greifen und Blätter oder Früchte abpflücken.
Außerdem nutzen sie ihren Rüssel wie einen Schnorchel, denn Tapire können perfekt tauchen. Manchmal sieht man daher von einem Tapir nur eine Rüsselspitze mit zwei Löchern, die sich an der Wasseroberfläche bewegt. Auch auf diese Weise schützen sich Tapire vor Feinden, denn bei Gefahr flüchten sie sich oft in Seen oder Flüsse.
7. Die stillen Gärtner des Regenwaldes
Sobald ein Tapir aktiv wird, ist er die meiste Zeit mit Fressen beschäftigt. Vor allem die energiereichen Früchte des Waldes haben es ihm angetan. Ihre Samen verteilt er auf seinen weitläufigen Wanderungen sehr effizient mit seinem Kot im Wald – Dünger inklusive. Das ist gerade im artenreichen Regenwald wichtig. Tapire gelten daher als heimliche „Gärtner“ des Regenwaldes. Nicht nur der Tapir benötigt den Regenwald, der Regenwald braucht auch ihn.
8. Erfolgsmodell und lebendes Fossil
Tapire sind eine sehr alte Gruppe von Säugetieren. Sie bevölkern seit etwa 50 Millionen Jahren die Erde – in praktisch unveränderter Form. Die Evolution hat den Tapir über Millionen Jahre kaum weiterentwickelt, er war offenbar ein Erfolgsmodell und schon optimal an seinen Lebensraum, dichte und warme Wälder, angepasst.
Damals, im Eozän, war es auf der Erde noch deutlich wärmer als heute, sodass sogar im heutigen Deutschland enge Tapir-Verwandte leben konnten, die Lophiodonten, die allerdings keinen Rüssel hatten. Ihre Fossilien wurden im Geiseltal (Sachsen-Anhalt) und in der Grube Messel (Hessen) gefunden. Mit Beginn des Eiszeitalters vor etwa 2,7 Millionen Jahren starben Tapire und ihre Verwandten aber in Europa aus. Kälte konnten sie nicht ertragen, und in den offenen, tundraähnlichen Landschaften, die damals entstanden, fanden sie zu wenig Nahrung. Heute gibt es sie nur noch in Asien, Mittel- und Südamerika.